Wohlhabende in städtischen Wohnungen: Zürich lässt sich Zeit, Bern hat die Lösung

Der Fall der Millionärin, welche eine städtische Wohnung mit Seesicht bewohnt, rückt die Liegenschaftenverwaltung in ein schiefes Licht. Die Stadt überlegt sich ein Modell, während Bern bereits reagiert hat.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

In den städtischen Wohnungen leben auch Wohlsituierte, wie das Beispiel von SVP-Gemeinderätin Hedy Schlatter zeigt. Sie versteuerte im Jahr 2011 knapp sieben Millionen Franken Vermögen und über 200'000 Franken Einkommen. Möglich ist das, weil es keine fixe Einkommensobergrenze für Mieter städtischer Wohnungen gibt.

In den Vermietungsgrundsätzen ist die Rede von einem «angemessenen Verhältnis zwischen Mietzins und Einkommen». «In der Regel soll der Bruttomietzins beim Einzug zwischen einem Viertel bis einem Drittel des Einkommens liegen», sagt Arno Roggo, Direktor der Liegenschaftenverwaltung der Stadt Zürich.

Ein Jahr Zeit für die Antwort

Die FDP möchte dies mit einer Initiative ändern. Wie die Stadt darauf reagiert, lässt sich noch nicht sagen. Für die Antwort kann sie sich bis Anfang 2015 Zeit lassen. Sie hat sich aber bereits Gedanken gemacht. «Theoretisch könnte man im Mietvertrag einen hohen Anfangsmietzins vereinbaren, der dann je nach Einkommenssituation auf ein günstigeres Niveau reduziert würde», sagt Roggo.

Steigt das Einkommen, könne man dann den «Anfangsrabatt» verkleinern. Momentan hält die Stadt eine solche Lösung nur für «eingeschränkt praktikabel». «Zum einen ist der hohe Anfangsmietzins nach einer gewissen Anzahl Jahre bereits wieder überholt, zum anderen erscheint der Kontrollmechanismus enorm.»

Flexibler Mietzinsrabatt in Bern

Die Stadt Bern hat diesen Schritt bereits vollzogen und im Januar 2011 die Vermietungskriterien für städtische Wohnungen angepasst. Seither führt Bern in neu ausgestellten Mietverträgen jeweils zwei Mietzinse auf: Der eine beziffert die marktübliche Miete, der andere den Mietzins für günstigen Wohnraum nach Abzug eines Mietzinsrabatts. Verändert sich nach Abschluss die Einkommens- und Vermögenssituation, kann der gewährte Mietzinsrabatt entfallen. In dieser Situation wird der marktübliche Zins fällig. Zurzeit ist Bern daran, diese neuen Kriterien erstmals zu überprüfen.

Sind Wohnungen unterbelegt, etwa weil die Kinder ausgezogen sind, gehen die Stadt Zürich und die Genossenschaften ähnlich vor: Die Mieter werden zuerst gebeten, in eine kleinere Wohnung zu ziehen. Dabei werden ihnen entsprechende Alternativen angeboten. Weigert sich der Mieter, die grosse Wohnung zu verlassen, droht ihm in letzter Konsequenz die Kündigung. Die meisten Genossenschaften und die Stadt wenden folgende Belegungsformel an: Die Personenzahl soll in der Regel die Anzahl der Zimmer höchstens um 1 unterschreiten.

Einzelne Genossenschaften sehen bei Unterbelegungen auch vor, einen gewissen Beitrag in einen Fonds einzuzahlen. Dieses Geld wird unter anderem für Härtefälle verwendet.

Erstellt: 21.01.2014, 10:32 Uhr

Artikel zum Thema

SVP-Gemeinderätin bekämpft, was ihr selbst vorgeworfen wird

Hedy Schlatter möchte Stadtwohnungen nur an Einkommensschwache vergeben. Dabei wohnt die Millionärin selber auch in einer Stadtwohung. Mehr...

Zürcher SVP-Präsident findet Fall Schlatter «unschön»

Die vermögende Zürcher SVP-Gemeinderätin Hedy Schlatter mietet eine günstige städtische Wohnung und zahlt ihre Steuern in Uster. Kritik hagelt es jetzt von allen Seiten. Mehr...

Stadtzürcher SVP-Gemeinderätin versteuert ihre Millionen in Uster

Hedy Schlatter hat eine günstige Wohnung der Stadt gemietet und möchte erneut ins Zürcher Parlament gewählt werden – obwohl sie ihr hohes Einkommen und Vermögen im günstigeren Oberland versteuert. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Kommentare

Blogs

Mamablog Mama, bleib doch mal stehen!

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Die Welt in Bildern

Herbstlich gefärbte Weinberge: Winzer arbeiten in Weinstadt, im deutschen Baden-Württemberg. (17. Oktober 2019)
(Bild: Christoph Schmidt/DPA) Mehr...