Wohltäter oder abgebrühter Geschäftsmann?

Er kam scheinbar aus dem Nichts und ist seither in den Medien präsent: Werner Hofmann, der neue Mieter des stillgelegten Hotels Atlantis.

Noch vor einem Monat kannte ihn niemand, in den letzten drei Wochen war er in allen Medien: Werner Hofmann, neuer Atlantis-Mieter.

Noch vor einem Monat kannte ihn niemand, in den letzten drei Wochen war er in allen Medien: Werner Hofmann, neuer Atlantis-Mieter. Bild: Dominique Meienberg

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In einem sind sich Weggefährten wie Skeptiker einig: «Werner Hofmann ist knallhart.» Der neue Atlantis-Mieter sagt über sich selbst: «Ich bin einer, der anpackt. Hart, aber fair.» In den letzten 20 Tagen war der Unternehmer in den Medien ständig präsent. Bereitwillig informierte er die Öffentlichkeit, wie er an der einstigen Nobeladresse Studentenwohnungen einrichten wolle.

An seinem Wohnort Buchs im Zürcher Unterland nimmt man den 59-Jährigen zurückhaltender wahr. «Hofmann Werni ist ein ganz Grosser im Hintergrund», sagt Beat Huber, Präsident der lokalen SVP. Ein «Urgestein» der Partei. «Er drängt sich nie auf, obwohl er stets mit Rat und Tat zur Seite steht.» Er finde im Atlantis bestimmt einen Weg, günstigen Wohnraum zu schaffen und gleichzeitig die wirtschaftlichen Interessen seiner Firmen zu wahren. «Er hat dafür eine gute Nase.»

Spürnase mit sozialer Ader

Seine soziale Ader habe er bereits gezeigt, als seine Firma mithalf, die neue Garderobe des örtlichen Fussballclubs aufzubauen. Hofmann führt seit 1983 ein Heizungs- und Sanitärgeschäft. Ihm gehört zudem die Unterhaltsfirma Tescon sowie die Buchser Tennisanlage. Dass er das Mietverhältnis für die Zwischennutzung im Atlantis «per Handschlag» besiegelt habe, erstaunt Huber nicht. «Wenn er was vereinbart, dann gilt das. Aber wehe, man hält sich nicht daran.»

Ein ehemaliger Geschäftspartner sagt, Hofmann sei sich nicht zu schade, selbst in den Dreck zu steigen. «Er ist aber kein Pestalozzi. Wenn er diese Wohnungen anbietet, muss etwas für sein Geschäft herausspringen.»

Im Atlantis hat Hofmann das Parkett aus dem Nichts heraus betreten. Das überraschte, stand das Hotel doch jahrelang leer. Durch die Medien habe er vom ungenutzten Haus erfahren. Kurz nach der Besetzung erwähnte Hotelmiteigentümer Pierre Buyssens von der Rosebud Holding Hofmann und sein Vorhaben mit keinem Wort. Hofmann sei mit den Besitzern am 20. Oktober in Kontakt getreten.

Mieter für vier Jahre?

«Die Studentenwohnungen sind ein Schnellschuss», gibt Hofmann zu. Ein Konzept will er Ende Woche präsentieren. Sein Mietvertrag, mit Option auf Verlängerung, läuft bis Ende 2011. Der Unternehmer spekuliert auf vier Jahre. «Hofmann redet manchmal ein wenig zu viel», sagt Buyssens. So hätten sie das Mietverhältnis nicht nur «per Handschlag» beschlossen, sondern mit einem Vertrag. Laut Buyssens ist auch nicht klar, ob Hofmanns Haustechnikfirma den Zuschlag für die Arbeiten erhält. Das hatte Hofmann behauptet. «Wir werden seine Offerte prüfen wie jede andere.»

In die Schlagzeilen geriet der Gewerbler Hofmann bereits Anfang Jahr, weil ihn ein Mitarbeiter angeschossen hatte. Über den Täter, der in Regensdorf wohnte, wird viel gemunkelt. Choleriker sei er gewesen, habe immer wieder Prügeleien angezettelt. Der Schütze richtete sich nach der Bluttat selbst.

Seit 40 Jahren im Geschäft

Werner Laube, Miteigentümer eines Mehrfamilienhauses in Wiedikon, ist schlecht auf Hofmann zu sprechen. «Er behauptet immer, man könne mit ihm verhandeln. Doch in Wahrheit ist er zu keinem Kompromiss bereit.» Laube steht mit ihm seit über zwei Jahren in einem Rechtsstreit. Hofmann besitzt das Nachbarhaus. Für den Kinderhort im Erdgeschoss liess er im Innenhof einen Spielplatz errichten. Laut Laube galt dort ein Nutzungsrecht für alle Gebäudebesitzer. «Es stimmt, ich habe die Nachbarn nicht gefragt», sagt Hofmann. Bei der bebauten Fläche handle es sich aber um sein Grundstück.

Zugeknöpfter gibt sich Hofmann, wenn es ums Geld geht. Auf die Frage, wie er all das finanziere, antwortet er mit «Götti» – und meint seine guten Beziehungen zu den Banken. Wie gut diese sind, zeigen Kauf und Umbau einer Liegenschaft in einer Berner Gemeinde. Hofmann zahlte dafür 20 Millionen Franken. «Ich bin seit 40 Jahren im Geschäft. Man vertraut mir.»

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(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.11.2010, 21:49 Uhr

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Besetztes Hotel Atlantis

Besetztes Hotel Atlantis Hausherr Werner Hofmann spricht mit den Besetzern.

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