Wohnen in der Lärmschneise

An der Neufrankengasse werden neue Wohnungen gebaut – zum Teil direkt am Gleis. Die Lärmbelastung für die neuen Mieter wird hoch sein, wie ein Test von Tagesanzeiger.ch zeigt.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Neufrankengasse bekommt ein neues Gesicht. Die SBB baut an der Ecke zur Langstrasse, direkt am Gleis ein Wohngebäude. Architektin Vera Gloor will auf dem Areal, wo einst der Tessinerkeller stand, ein weiteres realisieren. Doch welchen Lärmemissionen werden die Mieter und Käufer der Wohnungen ausgesetzt sein? Ein Test von Tagesanzeiger.ch zeigt: Einzelne Züge können bis zu 90 Dezibel verursachen – 25 Dezibel mehr als im Tagesdurchschnitt erlaubt.

Elsa Mutter lebt seit 25 Jahren an der Neufrankengasse 28. «Es ist schon manchmal sehr laut», meint sie, «vor allem am Morgen, wenn viele Züge fahren.» Messungen in ihrer Wohnung – bei offenem Fenster mit einem Programm auf einem Smartphone – ergeben denn auch ein düsteres Bild: Jeder der nahe vorbeifahrenden Züge lässt den Zeiger auf mindestens 70 Dezibel ausschlagen, einzelne verursachen bis zu 90 Dezibel. Die Messmethode kann die tatsächlichen Werte zwar nur näherungsweise angeben. Trotzdem ist klar: Wer lärmempfindlich ist, wird an der Neufrankengasse kein geeignetes Zuhause finden. Elsa Mutter weiss aus eigener Erfahrung: «Besonders Güter- und alte Züge quietschen sehr laut.»

Grenzwerte werden eingehalten

Der Immissionsgrenzwert für Wohn- und Gewerbezonen liegt am Tag (6 bis 22 Uhr) bei 65 Dezibel, in der Nacht bei 55, wie Thomas Gastberger, stellvertretender Leiter der Fachstelle Lärmschutz im Kanton Zürich, erklärt. Ein Immissionsgrenzwert wird nicht dort gemessen, wo der Lärm entsteht, sondern dort, wo er sich hinbewegt. «Steht ein Haus zehn Meter vom Gleis entfernt, sinkt der Lärm um zehn Dezibel, steht es zwanzig Meter weit weg, sinkt er um 13 Dezibel», erklärt Gastberger.

Er schliesst nicht aus, dass einzelne Züge 90 Dezibel verursachen. Zudem werde der Grenzwert für den Tagesdurchschnitt festgelegt, einzelne Spitzen könne es durchaus geben. «Absolute Ruhe kann man nicht gewährleisten.» Gastberger vermutet aber, dass die Grenzwerte bei den neu geplanten Liegenschaften eingehalten werden. «Dies wird genau geprüft, bevor jemand bauen darf.»

Lärmende Züge sind aber nicht das einzige Problem der Anwohner. Nahe gelegene Clubs und das Nachtleben an der Langstrasse, seien ebenso laut. Neumieter müssen also einiges in Kauf nehmen. Elsa Mutter meint: «Am Tag hören wir die Züge, in der Nacht die Bars.»

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.04.2011, 14:50 Uhr

Artikel zum Thema

Begehrte Wohnungen an den Gleisen

Neben dem geschleiften Tessinerkeller im Zürcher Kreis 4 entsteht ein Neubau. Noch vor dem Spatenstich sind alle Eigentumswohnungen verkauft – bis auf eine. Mehr...

Der Abriss der «Räuberhöhle»

Zwei Tage lang hat sich ein Abrissbagger durch das Gemäuer des Tessinerkellers gefressen. Die Bilder vom Ende der historischen Quartierbeiz im Kreis 4. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Kommentare

Blogs

Beruf + Berufung Ihr Büro ist die Welt
History Reloaded Die ewige Suche nach der verschollenen Insel
Politblog Bomben im Bundeshaus

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Volle Lippen: Indische Künstler verkleiden sich während des Dussehra Fests in Bhopal als Gottheit Hanuman. (19.Oktober 2018)
(Bild: Sanjeev Gupta/EPA) Mehr...