Wolff bricht sein Schweigen

Zürichs Polizeivorsteher Richard Wolff äussert sich erstmals zum Vorgehen gegen die Fans des FC Zürich am Samstag. Er beteuert, dass dieses nicht Ausdruck einer verschärften Politik sei.

An der Politik der Stadt habe sich nichts geändert, sagt Richard Wolff: Polizeieinsätze wegen Fussballfans in den letzten 5 Jahren. Grafik: Marc Fehr


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Vier Tage hat Zürichs Polizeivorsteher Richard Wolff (AL) nach den Ausschreitungen rund ums Zürcher Fussballderby geschwiegen – er habe Zeit gebraucht, um sich einen Überblick zu verschaffen, sagt er gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Heute Mittwoch zeigte er sich nun bereit, zu erklären, wie der samstägliche Einsatz der Polizei seiner Ansicht nach zu werten ist. Die Polizei hatte 800 Fans des FC Zürich während Stunden eingekesselt auf der Badenerstrasse festgehalten und von allen die Personalien aufgenommen, weil einige auf dem Marsch zum Stadion verbotenes Feuerwerk gezündet hatten.

Wolff betont, dass die Aktion keinesfalls Ausdruck einer verschärften Politik gegenüber den Fans sei, mit der man sie von ihrer Vorliebe für verbotene Pyros abbringen wolle. Aus seiner Sicht gehören Pyros zwar nicht zwingend zur Fankultur, wie immer wieder gesagt werde. An der Haltung der Stadt zu den Fanmärschen hat sich laut Wolff aber nichts geändert. Diese würden toleriert, solange niemand gefährdet werde, es keine Sachbeschädigungen gebe und nicht massiv Pyros gezündet würden.

Keine geplante Aktion

Die Aktion vom Samstag sei auch nicht im Voraus geplant gewesen, wie in Fankreisen behauptet wird, sondern vom zuständigen Einsatzleiter aus der Situation heraus beschlossen worden, sagt Wolff. Diesmal hätten die Fans eindeutig zu viel verbotenes Feuerwerk gezündet. Wann das Mass überschritten sei, lasse sich zwar nicht exakt definieren. Es gebe aber eine seit Jahren eingespielte Praxis, die beiden Seiten bekannt sei. Damit sei man in den letzten Jahren gut gefahren.

Warum die Fans diesmal die Grenze überschritten hätten, versuche man, in den kommenden Tagen in Gesprächen mit ihnen herauszufinden, sagt Wolff. Dabei soll auch geklärt werden, weshalb sich Polizei und Fans nicht auf eine einvernehmlich Lösung einigen konnten – anders als 2013: Damals verzichteten die Fans auf weitere Pyros und die Polizei dafür auf Personenkontrollen.

Die Zeit für solche Gespräche drängt, denn schon in einer Woche steht im Schweizer Cup das nächste Zürcher Derby an. Der Polizeivorsteher hofft, dass sich die Gemüter bis dahin wieder etwas beruhigt haben. Er wünsche sich, dass sich ein Szenario wie am Samstag so bald nicht wiederhole. Vonseiten der Polizei bestehe jedenfalls keinerlei Interesse daran.

Die Frage der Verhältnismässigkeit

Zur Frage, ob es verhältnismässig gewesen sei, 800 Leute stundenlang im Regen festzuhalten, weil einige von ihnen verbotene Pyros gezündet haben, sagt Wolff nur: «Es wäre sicher schneller gegangen, wenn die Arbeit der Polizei nicht behindert worden wäre.» Er spricht damit auf die fortdauernden Angriffe von FCZ-Fans auf den Polizeikessel an. Was mit den Hunderten im Rahmen der Aktion erhobenen Personendaten passiert, kann Wolff nicht sagen. Er werde dieser Frage nachgehen. Er gehe aber davon aus, dass diese lediglich in die Polizeidatenbank Polis eingespeist würden, ohne dass dies für die Betroffenen Folgen habe – sofern sie sich nichts zuschulden haben kommen lassen.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.02.2015, 16:44 Uhr

Zürichs Polizeivorsteher Richard Wolff. Bild: Reto Oeschger

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