Wolff fordert Adoptionsrecht für Homosexuelle

Der neue Zürcher Stadtrat Richard Wolff ist erstmals öffentlich aufgetreten. Er sprach vor einigen Tausend Teilnehmenden der Zurich Pride und nutzte dies zur Begründung seiner Forderung.

Zogen vom Hafen Enge zum Helvetiaplatz: Teilnehmer des Umzugs der Zurich Pride. (8. Juni 2013)

Zogen vom Hafen Enge zum Helvetiaplatz: Teilnehmer des Umzugs der Zurich Pride. (8. Juni 2013)

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Bei sommerlichen Temperaturen hat am Nachmittag der traditionelle Demonstrationsumzug des Zurich Pride Festivals stattgefunden. Das Motto des mehrtägigen Festivals lautete «All Families Matter». Darauf nahmen auch Nationalrätin Chantal Galladé (SP) und der neue Zürcher Stadtrat Richard Wolff (AL) in ihren Reden Bezug.

An der Spitze des Umzugs fuhr ein Bimmelbähnchen voller gutgelaunter Kinder, viele von ihnen leben in Regenbogenfamilien. Der Dachverband Regenbogenfamilien war denn auch, passend zum Motto, Partner des diesjährigen Festivals.

8000 Teilnehmende

Der Weg führte die Anhänger der Schwulen-, Lesben-, Bisexuellen und Transgender-Community vom Hafen Enge zum Helvetiaplatz. Die Bahnhofstrasse stand wegen zu vieler Baustellen dieses Jahr nicht zur Verfügung.

Dieser Umstand hatte im Vorfeld zu einigen Diskussionen geführt. Auf das Engagement der Teilnehmenden – nach Angaben der Organisatoren rund 8000 – hatte er jedoch keinen Einfluss. Am aktivsten – zumindest zu Beginn des Umzugs – waren Mitglieder von Gaysport Zürich. Sie führten bei brütender Hitze eine schweisstreibende Tanzeinlage vor.

Die meisten Umzugsteilnehmer waren jedoch im Schritttempo und in Alltagskleidung unterwegs, hielten Ballone in die Höhe und schützten sich vereinzelt auch mit Regenschirmen gegen die Sonne.

Kindswohl im Vordergrund

Wer sich für das Kindswohl engagiere, setze sich dafür ein, «dass Kinder verlässliche, sie liebende Erwachsene als Bezugspersonen haben», sagte Chantal Galladé in ihrer Rede im Anschluss an die Parade auf dem Turbinenplatz in Zürich West. «Und dieses Kriterium hat nichts mit der sexuellen Orientierung der Erwachsenen zu tun.»

Es sei sogar gegen das Kindswohl, wenn geeignete Eltern nicht zum Adoptionsverfahren zugelassen würden, obwohl sie einem Kind ein gutes Zuhause geben könnten, sagte Galladé weiter. Deshalb müssten sich auch Heterosexuelle oder Homosexuelle ohne Kinderwunsch für das Adoptionsrecht einsetzen.

Auch Zürichs neuer Stadtrat, Polizeivorsteher Richard Wolff (AL), betonte bei seinem ersten öffentlichem Auftritt seit seinem Amtsantritt am 1. Juni, dass die geschlechtliche Identität keine Rolle für die Qualität der Beziehung der Eltern zum Kind spiele.

Wie Wolff weiter ausführte, müssten sowohl die Stiefkindadoption als auch die Fremd- oder Volladoption gesetzlich erlaubt werden, «damit man nicht in juristische Graubereiche ausweichen muss». Dafür fehlt in der Schweiz allerdings die gesetzliche Grundlage. Aber mit der im Nationalrat überwiesenen Motion «Gleiche Chancen für alle Familien» bewege sich etwas, so Wolff weiter.

Bewährte Tradition

Das Zurich Pride Festival ist nach eigenen Angaben der grösste LGBT-Anlass (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender) der Schweiz. Auf dem Programm standen seit Anfang Juni zahlreiche kulturelle, gesellschaftliche und sportliche Events für jedermann. Den Abschluss bildet traditionsgemäss ein ökumenischer Gottesdienst am Sonntag.

Der Anlass findet in Zürich seit 1994 statt, zunächst unter dem Namen Christopher Street Day (CSD). Seit 2010 nennt er sich in Anlehnung an internationale Vorbilder Zurich Pride Festival. (mw/sda)

Erstellt: 08.06.2013, 19:40 Uhr

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