Wolff in Bedrängnis

Den Chaoten der «Protest­bewegung» in Zürich ging es längst nicht mehr ums Politische.

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In ihren Anfängen war die Reclaim-the-Streets-­Bewegung ein friedlicher Karneval gegen die Globalisierung, gegen die Gentrifizierung der Städte, gegen die Ausgrenzung von Ausländern und sozial Schwachen. Doch nach der erneuten zerstörerischen Eskalation in der Nacht auf Samstag in Zürich mit sieben ­verletzten Polizisten und mehreren Hunderttausend Franken Sachschaden distanziert sich die linke Politik.

Die meist jugendlichen Autonomen machen sich für mehr Freiräume, günstigen Wohnraum und Party stark. Kein unsympathisches Anliegen, eigentlich. Doch ein «Gegen Nazis»-Aufnäher macht den gewaltbereiten Punk nicht zum besseren Menschen. Den Chaoten der «Protest­bewegung» vom Freitagabend ging es längst nicht mehr ums Politische. Sie waren nur noch Krawallmacher.

Unverhohlener Appell zur Gewalt

Im Aufruf der Autonomen, der sich zunächst ­gegen «wüste Betonlandschaften à la Europaallee, Züri-West und PJZ» wendet, findet sich wenige Zeilen weiter der unverhohlene Appell zur Gewalt: «All Cops Are Bastards! Auf Ordnungshüter und Überwachungskameras haben wir keinen Bock.» Das Resultat der Kundgebung war entsprechend.

Die Polizei muss sich allerdings die Frage gefallen lassen, weshalb sie nicht entschiedener eingegriffen hat. Warum sie die 200 Vermummten am ­Helvetiaplatz nicht stoppen konnte, um die Geschäfte an der Europaallee vor ihrer Zerstörungswut zu ­schützen. Und man muss sich fragen, weshalb nur ­gerade vier Leute festgenommen wurden. Es ist ­offensichtlich – und da nützt alles Schönreden von  AL-Stadtrat und Polizeivorsteher Richard Wolff nichts –, die Polizei wurde von der Aktion über­rumpelt. Warum?

«Die gesetzlichen Grundlagen beschränken die Möglichkeiten der Polizei», sagt Wolff. Die Polizei darf SMS- und Telefongespräche nicht überwachen – noch nicht. So spielen gerade jene Kreise, die sich am heftigsten gegen einen Überwachungsstaat stellen, denen in die Hände, die ihn fordern. Eine gewaltbereite Linke macht es ihrem bedrängten Stadtrat Wolff nicht gerade einfach, sich für ihre Anliegen einzusetzen.

Erstellt: 14.12.2014, 23:17 Uhr

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