Der Zürcher Coiffeur, der die Branche revolutionierte

Louis Giger gründete die Coiffeurkette Gidor. Nun starb er im Alter von 89 Jahren.

Hier hat alles begonnen: 1957 gründete Louis Giger seinen ersten Coiffeursalon in Zürich-Altstetten. Bild: hoh

Hier hat alles begonnen: 1957 gründete Louis Giger seinen ersten Coiffeursalon in Zürich-Altstetten. Bild: hoh

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Mit über 90 Filialen im ganzen Land ist Gidor der grösste Player in der Coiffeurbranche. Das Unternehmen beschäftigt über tausend Mitarbeitende und bedient im Jahr mehr als eine Million Kunden. Am vergangenen Freitag ist der Firmengründer Louis Giger gestorben, wie die Familie in einer Todesanzeige und das Unternehmen auf seiner Website schreibt.

Giger wohnte mit seiner Frau in einer Villa in Oberengstringen. Er hatte sich schon vor Jahren aus dem Unternehmen zurückzogen. Dieses wird seit 2004 von den beiden Söhnen Louis und Philipp geführt.

Die Anfänge des heute millionenschweren Konzerns reichen in die Fünfzigerjahre zurück. 1957 eröffnete Louis Giger einen kleinen Coiffeursalon in Zürich-Altstetten – am Lindenplatz im ersten Stock. Der junge Coiffeur hatte eine für die damalige Zeit revolutionäre Idee: Er bot Haarschnitte ohne Voranmeldung und zu tiefen Preisen an.

Mit Erfolg: Ein Jahr später war Giger bereits Besitzer zweier Geschäfte und in den kommenden Jahren folgten weitere Neueröffnungen, damals noch unter diversen verschiedenen Namen. Schliesslich bündelte Giger 1975 seine Salons zur neu gegründeten Gidor SA. Der Name war eine Kreation seiner Frau. Sie setzte ihn aus dem Familiennamen Giger «gi» und dem französischen Wort «d’or» für Gold zusammen.

Er revolutionierte das Coiffeur-Business: Louis Giger. Bild: ZVG

Das Unternehmen wuchs daraufhin rasant. So eröffnete Giger alleine im Jahr 1978 elf neue Geschäfte, also fast jeden Monat eine neue Filiale. Die Kette Gidor spezialisierte sich anfänglich auf Damenfrisuren, erst später kamen Angebote für Männer hinzu. Bis heute machen rund zwei Drittel der Kundschaft Frauen aus. Mittlerweile gehören neben den über 90 Filialen auch der Internetshop Click & Care, die Fahrny Coiffure Fachschule und verschiedene andere Coiffure Labels zum Familienunternehmen.

Neue Konkurrenz

Während Gidor in früheren Zeiten Dienstleistungen zu Tiefstpreisen anbot und dafür von der Konkurrenz geächtet wurde, sind es heute oftmals von Ausländern betriebene Kleinsalons, welche die Preise im Coiffeurgewerbe drücken. Für die knapp 11'000 Angestellten in den über 4200 Coiffeurgeschäften in der Schweiz ist deshalb der neue Gesamtarbeitsvertrag (GAV) ein Meilenstein. Der Vertrag, welcher seit dem 1. März in Kraft ist und vom Bundesrat als allgemein verbindlich erklärt wurde, bringt eine deutliche Verbesserungen bei den Löhnen.

Der GAV sieht für Berufsleute ohne anerkannte Ausbildung einen Mindestlohn vor, der sich ab dem 5. Berufsjahr nach der Ausbildung auf 3800 Franken beläuft. Darüber hinaus enthält der GAV neu einen Lohnzuschlag von 200 Franken für Mitarbeitende, die Lernende ausbilden. Coiffeusen und Coiffeure mit einer Ausbildung erhalten ab dem 5. Berufsjahr einen Mindestlohn von 4000 Franken. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.03.2018, 11:25 Uhr

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