Zürcher Fussballclubs sind erste Sparopfer

Das Sportamt muss 1 Million Franken sparen. Deshalb streicht es die Schneeräumung auf den Kunstrasenplätzen. Die Fussballclubs sind sauer.

Ein Bild aus besseren Zeiten: Wintertraining im Heerenschürli.

Ein Bild aus besseren Zeiten: Wintertraining im Heerenschürli. Bild: Steffen Schmidt/Keystone

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Peter Meier, der Präsident des FC Schwamendingens, ist empört: «Das ist peinlich für die sogenannte Sportstadt Zürich.» Grund für seinen Ärger ist ein Mail von der Stadt, das gestern Mittwoch an alle Stadtzürcher Fussballvereine ging. Darin heisst es: «Aus Kostengründen muss das Sportamt auf die bisher erfolgte Schneeräumung auf Kunstrasenplätzen verzichten. Wir bitten Sie, sich frühzeitig über Ersatz-Trainingsformen Gedanken zu machen und hoffen auf einen zumindest in Zürich schneefreien Rest der Wintersaison.»

Den Optimismus mag Peter Meier nicht teilen: «Im Februar kommt der Schnee», sagt er, «sollen wir dann etwa mit unseren Junioren Billard spielen gehen?» Er sieht die Vorbereitung der Teams in Gefahr: «So werden wir zum Saisonstart nicht konkurrenzfähig sein.» Meier will die Sparmassnahme nicht kampflos hinnehmen. «Jetzt sind wir Präsidenten gefordert», sagt er. Man müsse auf den Gemeinderat Druck ausüben, ihm zu verstehen geben: «Hört endlich mit den Kürzungen auf, das schadet dem Sport!»

Weitere Massnahmen geplant

Einer, der im Stadtparlament zu den Sparern gehört, ist der Freisinnige Urs Egger, Präsident des Stadtzürcher Fussballverbandes, Präsident des FC Seefelds und gescheiterter Stadtratskandidat. Er könne die Sorgen der Kollegen nachvollziehen, sagt der FDP-Gemeinderat, «zumal der FC Seefeld ebenfalls von dieser Massnahme betroffen ist.» Das Sportamt verfüge über ein Globalbudget und entscheide somit selber, wo die Kürzungen umgesetzt würden. «Im Vorfeld der Budgetdebatte sagte das Sportamt, dass Kürzungen im beantragten Ausmass verkraftbar seien», sagt Egger. Deswegen habe der Gemeinderat diesen Kürzungsanträgen einstimmig zugestimmt. Das Parlament habe die Einstellung der Schneeräumung hingegen nicht beschlossen. Diese Priorisierung sei vom Sportamt vorgenommen worden.

«Wir sind auch nicht froh über diese Massnahme», sagt Hermann Schumacher, Leiter Sportanlagen beim Sportamt, «können es aber nicht ändern.» Der Sparauftrag des Parlaments laute unmissverständlich: 1 Million Franken einsparen. Gemäss Schumacher sind das 10 Prozent der beeinflussbaren Kosten. Mit der Streichung des Winterdienstes auf den Fussballplätzen spare man rund 50'000 Franken. «Immerhin 5 Prozent, aber noch nicht genug.» Deshalb sei klar: «Es wird weitere Massnahmen geben.» Beim Sportamt evaluiert man, wo diese am wenigsten Schaden anrichten können. In der Natur der Sache liege aber auch, dass man die geforderte Million nicht zusammenbringen könne, ohne dass jemand die Folgen davon spüren werde.

Anlage heisst «Immergrün»

Betroffen von der jüngsten Sparmassnahme sind die Anlagen Juchhof 2, Heerenschürli und Allmend. In einem durchschnittlichen Winter räumt das Sportamt die 11 Plätze 5 Mal im Jahr. Schumacher hat angesichts der angespannten Stadtzürcher Finanzlage Verständnis für den Sparauftrag. Und er erinnert daran, dass vor 20 Jahren im Winter niemand Fussball gespielt habe.

Auch damit übers ganze Jahr trainiert werden kann, wurde vor vier Jahren die Sportanlage Heerenschürli für 50 Millionen Franken rundum erneuert. Das Projekt hatte den Namen «Immergrün». In seiner Zeitschrift «Grünzeit» schrieb Grün Stadt Zürich im Herbst 2010: «Heerenschürli in Betrieb genommen: Immergrüne Sportanlage und Quartiertreffpunkt.»

Erstellt: 16.01.2014, 16:05 Uhr

Auf der Homepage der Stadt heisst es: «Im Heerenschürli stehen neu 6 Kunstrasenplätze zur Verfügung, welche ganzjährig und bei jeder Witterung bespielt werden können.» (Bild: PD)

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