Zürcher Gay-Bars boykottieren russischen Wodka

In Zürich ist der russische Schnaps nicht mehr erwünscht. Etwas Besonderes gegen Wladimir Putins homophobe Gesetze hat sich das Cranberry einfallen lassen.

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Es hat damit angefangen, dass der Kolumnist des Satiremediums «The Onion», Dan Savage, zum Boykott von russischem Wodka aufgerufen hat. Dies als Zeichen an die russische Regierung, nachdem Präsident Wladimir Putin vor einem Monat das Gesetz gegen «Homosexuellen-Propaganda» unterzeichnet hat.

Die Bewegung ist durch die angelsächsischen Länder gerauscht und auch in der Schweiz angekommen. Die Zürcher Gay-Bar Cranberry an der Metzgergasse beim Rathaus geht aber noch ein Stück weiter: «Wir sperren den russischen Wodka nicht einfach weg und streichen ihn von der Karte, wir wollen ein Zeichen setzen», sagt Mitbesitzer Jvan Paszti.

Kein russischer Wodka mehr

Die elf russischen unter den vierzig Wodkas im Angebot sind seither mit einem Flaschenhalsanhänger gekennzeichnet: «Please boycott Russian vodka» (Bitte boykottiert russischen Wodka). «So merken unsere Gäste, dass jeder etwas tun kann. Vielleicht überlegen sie sich auch beim nächsten Einkauf, ob sie einen russischen Wodka nehmen.»

Auch die anderen Gay-Bars in Zürich trennen sich vom russischen Hochprozentigen. Beim Barfüsser kommt das Thema bei der nächsten Teamsitzung auf den Tisch, das Dynasty lässt alle russischen Erzeugnisse ausgehen und nimmt sie aus dem Sortiment, der Platzhirsch führt schon seit längerem keinen Kartoffelschnaps aus dem Putin-Land im Angebot und der Predigerhof wird auf der nächsten Karte nur noch nicht russische Erzeugnisse führen.

Die «Stoli»-Affäre

Bei der Aktion unter die Räder gekommen ist die Marke Stolichnaya: Amerikanische Aktivisten riefen explizit zum Boykott gegen «Stoli» auf. Nur ist das mit dieser Marke etwas verworren. Der beliebteste Wodka Russlands darf von Gesetzes wegen gar nicht exportiert werden. Die SPI-Gruppe hat sich in den Wirren der beginnenden freien Marktwirtschaft in den Neunzigerjahren die Lizenz für den internationalen Markt gesichert.

Seither wird der Wodka, der ausserhalb Russlands gehandelt wird, in Lettland produziert. Mittlerweile hat die Regierung in Russland selber das grosse Geschäft gewittert und möchte der SPI die Lizenz entziehen. Der Rechtsstreit dauert nun schon Jahre. Der Besitzer der SPI-Gruppe, der Milliardär Yuri Schefler, bezeichnet sich als Ex-Russe, der in London und der Schweiz lebt. Schefler geht nicht mehr nach Russland, er hat sich mit Putin verkracht und muss befürchten, dass man ihn an der Grenze verhaftet. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 02.08.2013, 17:48 Uhr

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