Zürcher Gymi-Schüler gründen eine Firma

Sechs Schüler der Kantonsschule Hottingen haben eine spezielle Trinkflasche erfunden, die sie in China herstellen lassen. Das Geschäft läuft bestens.

Sechs Jungunternehmer auf Erfolgskurs: Gemeinsames Füllen der Wassertrinkflasche an einem Zürcher Brunnen.

Sechs Jungunternehmer auf Erfolgskurs: Gemeinsames Füllen der Wassertrinkflasche an einem Zürcher Brunnen. Bild: Urs Jaudas

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Zürich ist um eine Erfindung reicher: Smart Bottle heisst eine neue Wassertrinkflasche aus Tritanhartplastik und mit eingebautem Filterbehälter. Dieser lässt sich mit Früchten, Gemüse und Kräutern füllen. Das Wasser nimmt dabei den Geschmack des Inhalts an und entfaltet ein Fruchtaroma. Und wenn die Flasche ausgetrunken ist und gerade kein Brunnen in der Nähe zum Nachfüllen? Kein Problem, auf der Seite ist ein QR-Code aufgedruckt, den man mit einem Smartphone scannen kann. Dieser Scan verbindet sich im Internet mit einer Karte, auf der die Standorte aller Brunnen der Stadt Zürich eingezeichnet sind.

Die Erfinder der Smart Bottle sind fünf Schüler und eine Schülerin im Alter von 16 bis 18 Jahren der Kantonsschule Hottingen. Dort besuchen sie eine Spezialklasse, in der die Jugendlichen die Aufgabe erhalten haben, ein Mini-Unternehmen zu gründen, zu führen und nach einem Jahr auch zu liquidieren.

Woher kam die Idee mit der Flasche? «Jemand aus unserer Gruppe besass eine ähnliche Flasche, und da dachten wir, wenn niemand anderes in unserem Kollegenkreis eine solche besitzt, ist das vielleicht eine Marktlücke in der Schweiz», sagt Chiara Tobler, die innerhalb der Schülergruppe für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.

Produziert in China

Gesagt, getan. Ein halbes Jahr nach der Idee liessen die Jungunternehmer ihre erste Flasche produzieren. Es war gar nicht so einfach, einen passenden Hersteller zu finden. «Wir haben lange gesucht und dann einen Produzenten in China gefunden», sagt Tobler. Qualität, Design und Preis konnten ab einer Mindestbestellmenge von 1000 Flaschen garantiert werden. Für den Flaschenaufdruck ist eine spezialisierte Druckerei in Frauenfeld zuständig. Dort konnten auch Design und Anzahl der zu bedruckenden Flaschen individuell angepasst werden.

Tobler: «Unsere Flaschen können wir somit je nach Anfrage verändern.» Dadurch seien sie deutlich flexibler, als wenn alle Arbeitsschritte beim Produzenten in China erledigt werden müssten. Zurzeit sei man daran, diverse Verbesserungen wie beispielsweise Spülmaschinentauglichkeit und Grösse anzugehen.

Von der Idee zur Marktreife

Die Kantonsschule Hottingen machte in den vergangenen Jahren immer wieder mit Mini-Start-ups auf sich aufmerksam: selbst hergestellter Sirup, eine Quiz-App, ein Rucksack, der auch ein Tuch war, oder fair produzierte Schlüsselanhänger. «Die Schüler bauen eine eigene Marke auf, entwickeln ein Produkt bis zur Reife und verkaufen es dann auf dem realen Markt», sagt Beda Riklin, der als Wirtschaftslehrer an der Kantonsschule unterrichtet.

Wie nachhaltig sind solche Mini-Start-ups? Laut Riklin haben die Schüler nach dem Projektjahr die Möglichkeit, ihre Unternehmung real zu gründen, zum Beispiel als GmbH. Das geschah beim Projekt Sackstarch, welches bis heute existiert. Sackstarch produziert urbane See- und Turnsäcke, Sporttaschen und Etuis aus Überresten der Storenproduktion und lässt diese in der Schweiz verarbeiten. Drei von den ursprünglich sechs Teammitgliedern sind noch aktiv dabei.

Verkauf auf Messen und Märkten

Was gefällt dem Lehrer an Smart Bottle? Riklin: «Dass die reale Welt, die Flasche, mit der digitalen Welt, der Karte im Internet, verknüpft wird.» Zudem werde die hervorragende Wasserqualität Zürichs, die für alle frei verfügbar sei, beworben.

Zu kaufen gibt es die Smart Bottle für 19.90 Franken im eigenen Onlineshop. Weil Weihnachten vor der Tür steht, ist die Schülergruppe zurzeit auf verschiedenen Messen und saisonalen Märken anzutreffen. Heute Donnerstag und am Freitag beispielsweise ab 17 Uhr in der Maag-Halle. «Das Geschäft läuft gut. Die Trinkflasche wird von der Kundschaft durchwegs positiv bewertet», sagt Chiara Tobler von der Schülergruppe.

Wie es für sie und ihre fünf Kollegen mit Smart Bottle weitergeht, wenn das Projektjahr abgelaufen ist, will sie offenlassen. Es sei eindeutig noch zu früh, über allfällige Zukunftspläne Auskunft zu geben.

www.smartbottle.ch

Erstellt: 15.12.2016, 12:13 Uhr

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