Zürcher Kino-Pioniere müssen sich wandeln

Das Kult-Kino Riffraff reagiert im Jubiläumsjahr und verändert einiges. Das zugehörige Bistro geht an Zürcher Junggastronomen.

Alles neu beim Riffraff: Beim Kino stehen zahlreiche Veränderungen an.

Alles neu beim Riffraff: Beim Kino stehen zahlreiche Veränderungen an. Bild: Urs Jaudas

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Das Zürcher Kino Riffraff war einst ein Pionier im Kreis 5. Inmitten eines Quartiers, das noch die Nachwirkungen einer Heroin-Epidemie spürte, eröffneten 1998 einige junge Unternehmer ein Arthouse-Kino. Kritiker beschieden dem Projekt keinen anhaltenden Erfolg. Doch 2002 gingen die Betreiber noch einen Schritt weiter: Sie eröffneten zwei weitere Säle mit angrenzendem Bistro – damals war Kino gepaart mit Gastronomie ein Novum in der Stadt.

Doch nun verpachten die Betreiber das zum Riffraff 2 gehörende Bistro. Zwei junge Zürcher Gastronomen werden ab Dezember das Lokal erneuern, wie die Betreiber verlauten lassen. Kaspar Fenkart (Sportbar, Central-Bar) und Marius Frehner (Restaurant Gamper) werden unter dem Namen «Wermut» das gastronomische Angebot «auffrischen und verjüngen». Mit «kleinen Gerichten» oder Getränken auf Wermut-Basis. Die baulichen Änderungen dagegen seien marginal. Bei der Bar im Riffraff 1 bleibe alles beim Alten.

Spürt den Konkurrenzdruck: 2018 war ein schwieriges Jahr für das Riffraff. Bild: Sabina Bobst

«Mit der Verpachtung wollen wir mit der Zeit gehen und eine neue Kundschaft erreichen», sagt Riffraff-Geschäftsführer Res Kessler. Man könne so eine Ausstrahlung erlangen, die vom Kinobetrieb abgekoppelt sei. Bisher sei in den Köpfen der Zürcherinnen und Zürcher Riffraff immer gleich Kino gewesen, das solle sich nun ändern. «Aufgrund des neuen Umfeldes im Kreis 5 wollen wir im Bereich Gastronomie einen Schritt weitergehen», sagt Kessler.

Die Gründe für die Veränderung liegen für Kessler auf der Hand. 2018 war eines der schwierigsten Kinojahre seit jeher. Im ersten Halbjahr lagen die verbuchten Eintritte schweizweit 15 Prozentpunkte hinter dem Vorjahr. Auch das Riffraff verzeichnete laut Branchenkennern sein schlechtestes Halbjahr seit der Eröffnung vor 20 Jahren. Dasselbe gelte auch für die meisten anderen Kinos in der Schweiz, sagt Kessler.

Für den schlechten Geschäftsgang gibt es für Kessler klare Gründe, die in diesem alle Jahr zusammenfielen: Er nennt etwa die innerstädtische Konkurrenz. Namentlich dürfte er das im letzten Jahr eröffnete Kino Kosmos an der Europaallee meinen, das nur wenige hundert Meter vom Riffraff entfernt liegt. Weitere Gründe sind für ihn die durch weltweite Verbreitung der Streamingdienste verursachte «Kinomüdigkeit» der Kundschaft. Oder aber der lange, heisse Sommer 2018, dies zusätzlich noch in Kombination mit der Fussballweltmeisterschaft.

Für die Betreiber steht ab 2019 eine andere Veränderung an: die Nicht-Erneuerung des Vertrags mit der Kinowerbung-Agentur Bildwurf, mit der im Riffraff seit Anbeginn das lokale Gewerbe illustrativ beworben wurde. Für die Riffraff-Betreiber biete die Agentur kein Alleinstellungsmerkmal mehr, seit deren Werbungen auch bei Kosmos oder in den Arthouse-Kinos gezeigt werde. «Wir wollen innovativ bleiben – auf einer inhaltlichen, aber vor allem auch auf einer technischen Ebene», sagt Kessler zum Entscheid.

Für die Neugass Kino AG, die Firma hinter dem Riffraff, seien die Veränderungen im Marktumfeld laut Kessler vor allem ein Ansporn mehr, «das Kino, also die internetfreie Zeit, wieder besser unter die Leute zu bringen». Das Riffraff denke intensiv über neue Zusammenarbeiten mit anderen Kinos nach, womit man die neue entstandene Konkurrenzsituation entschärfen wolle. Neu ist auch, dass das Riffraff in Zukunft auf seiner Website Filme als Stream anbieten möchte, «als Ergänzung zum Hauptprogramm.» Falls dem Streamingdienst Erfolg vergönnt ist, gehört Riffraff immerhin in dieser Form weiterhin zu den Pionieren auf dem Zürcher Kinomarkt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 01.11.2018, 10:52 Uhr

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