Zürcher Langstrasse: Video zeigt freche Velofahrer auf Trottoir

Passanten beschweren sich, weil sie von Zweirädern umkurvt werden. Wie schlimm ist es wirklich? Der Test vor Ort.

Wie oft weichen Velolenker aufs Trottoir aus? Bestandsaufnahme an der Langstrasse.

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Obwohl gesetzlich verboten, benützen viele Radfahrer den Gehweg, anstatt auf der Strasse zu fahren. Besonders an der Langstrasse im Kreis 5 – genauer zwischen Limmatplatz und Röntgenstrasse – wirds eng für Fussgänger: «Jeden Tag werde ich beinahe umgefahren, wenn ich aus dem Haus komme», beklagt sich ein Anwohner. «Die Velolenker benutzen das Trottoir, als würde es ihnen gehören, viele von ihnen rasen und nehmen keine Rücksicht.»

Tagesanzeiger.ch/Newsnet nahm die Beschwerde zum Anlass für einen Test: An einem gewöhnlichen Wochentag richteten wir unsere Videokamera zur morgendlichen Rushhour für 30 Minuten auf die Langstrasse. Wie oft weichen Velolenker aufs Trottoir aus? Wie viel Rücksicht nehmen sie dabei auf Fussgänger? Kommt es zu Kollisionen auf dem Gehweg? Diese Fragen wollten wir mit unserer Bestandesaufnahme klären.

Trottoir-Fahrer an der Bushaltestelle: Es ist eng an der Langstrasse.

Gefährliche Manöver und eine Auseinandersetzung

Das Ergebnis nach einer halben Stunde: 26 Velofahrer fuhren auf dem Trottoir, rund einer pro Minute. Dabei kam es zu brenzligen Szenen, gefährlichen Manövern zur Überquerung der Strasse und sogar zu einer Auseinandersetzung (siehe Video oben).

Umfrage

Dürfen Velofahrer aufs Trottoir ausweichen?

Nein, auf keinen Fall

 
42.0%

Ausnahmsweise, wenn es nicht anders geht

 
20.3%

Ja, mit Rücksicht auf die Fussgänger

 
30.9%

Ja, um die Verkehrsplaner unter Druck zu setzen

 
6.8%

1684 Stimmen


Der Zürcher Stadtpolizei ist das Problem an der Langstrasse bekannt. 2016 büsste die Polizei bisher rund 412 Personen im Raum Langstrasse/Kreis 5 fürs Fahren auf dem Trottoir, 2015 waren es insgesamt 771. «Nicht eingerechnet sind in dieser Statistik Velolenkende, welche die Busse direkt vor Ort bar bezahlen», präzisiert Polizei-Sprecher Marco Cortesi. Die Gesamtzahl der Gebüssten sei höher. «Wenn wir Trottoir-Fahrer sehen, werden sie konsequent gebüsst», betont er. «Aber wir machen keine Jagd auf Velofahrer, wir sind für alle Verkehrsteilnehmer verantwortlich.» Es sei zudem sehr schwierig und personalaufwendig, Velokontrollen so durchzuführen, dass die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmenden gewährleistet sei.

Bekanntes Problem: Die Polizei büsste dieses Jahr bereits 412 Personen fürs Fahren auf dem Gehweg.

Tempo 30 geplant

Trotz bekanntem Problem und obwohl die Platzverhältnisse knapp sind, wurde besagter Strassenabschnitt nicht in die Veloverkehrsplanung der Stadt Zürich einbezogen. Gemäss der Stadt sind die Regeln hier klar: Velos werden mit Autos und dem ÖV auf der Strasse geführt, Fahren auf dem Trottoir ist verboten, und es gibt keinen separaten Veloweg. Das soll so bleiben: «Die Platzverhältnisse lassen keine separate Veloführung zu», sagt Martin Guggi, stellvertretender Direktor der Dienstabteilung Verkehr der Stadt Zürich.

Immerhin: «Für diesen Teil der Langstrasse wurde Tempo 30 ausgeschrieben. Mit Tempo 30 ist der Geschwindigkeitsunterschied zwischen Velo- und Autofahrenden geringer. Sicherheit und Sicherheitsgefühl steigen so auch ohne Velospuren.» Der Zeitpunkt der Einführung der Tempo-30-Zone sei jedoch noch nicht bekannt.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.07.2016, 11:25 Uhr

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