Zürcher Partyschloss im Burgund

Nicola Schneider vom Hive-Club hat sich in Frankreich ein Schloss gekauft. Am Wochenende steigt dort für 250 Leute eine grosse Party in einem jahrhundertealten Ballsaal.

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In einem Schloss wohnen. Das war der Kindheitstraum von Nicola Schneider. Vor drei Monaten, mit 40 Jahren, hat er ihn wahr gemacht. Der Club-Mitbesitzer (Hive) kaufte sich im Burgund ein stattliches Anwesen, das Château de Fougerette. 55 Zimmer, 20 Hektaren Park mit Seen, Hügeln und uralten Bäumen. Rund 1,3 Millionen Franken kostete der Traum, «gleich viel wie eine 4½-Zimmer-Wohnung in Zürich», sagt Schneider.

Dieses Wochenende lädt der Schlossherr zur grossen Party nach Frankreich. Ein Privatanlass, längst ausgebucht. Obwohl er kaum Werbung für den Event gemacht hat, musste Schneider vielen Interessierten absagen. Nun feiern rund 250 Leute im «Château des Fous». Es erwartet sie: 36 Stunden Party, tagsüber im Freien, abends im 120 Quadratmeter grossen Ballsaal, ein wechselndes Buffet und ein exklusiver Schlafplatz. Für die Musik sorgen bestens bekannte DJs und Bands, darunter Skinnerbox, Rizzoknor, Playlove, Styro und Jestics. Zwei bis drei Anlässe pro Jahr will Schneider künftig in seinem Schloss durchführen. Schon im August lässt er etwa den legendären Captain’s Rave (Dachkantine) aufleben.

Eine «Oase der Kreativität»

Doch Schneider hat noch viel mehr vor mit dem Schloss. Es soll zu einer Oase der Kreativität werden. Seine Familie ist mit an Bord. Während die 3-jährige Tochter den teils verwilderten Park und das verwinkelte Gebäude erkundet, managt seine Frau Monika Siegenthaler das Projekt vor Ort. Geplant sind Kräuter- und Obstgärten, der Anbau von Gemüse zur Selbstversorgung oder ein Abenteuerspielplatz. Bei der sanften Renovation und bei den vielen Arbeiten, die in so einem Schloss anfallen, helfen Freunde und Bekannte. Priorität habe im Moment die Stromversorgung, sagt Nicola Schneider. Diese sei stellenweise in einem «kriminellen Zustand» gewesen, als man das Anwesen übernommen habe.

Fougerette wird urkundlich erstmals 1446 erwähnt. Im 19. Jahrhundert gehörte das Anwesen der Industriellendynastie Schneider, die in den Minen von Le Creusot Eisenerz abbaute und zu Stahl verarbeitete, der für den Bau des Eiffelturms in Paris verwendet wurde. «Die Namensverwandtschaft ist reiner Zufall, doch manchmal ganz nützlich», sagt Schneider. Der letzte Besitzer des Schlosses habe 30 Jahre in Fougerette gewohnt, ein grosser Napoleon- und Mittelalter-Fan. Er hat das Schloss mit zwei falschen Türmen und Zinnen ausgebaut, einen Burggraben ausgehoben und eine Zugbrücke installiert. «Das ganze Anwesen verströmt dadurch etwas Exzentrisches», so der Neo-Schlossbesitzer.

Es gibt noch viel zu tun

Noch gibt es viel zu tun in Fougerette. «Zum Glück helfen zahlreiche Volontäre mit, das Echo ist überwältigend», sagt Monika Siegenthaler. Gesucht werden Menschen mit handwerklichem oder musischem Geschick, mit einem Flair fürs Kochen oder mit einem grünen Daumen. Den beiden schwebt eine «Grossfamilie mit Rückzugsmöglichkeiten» vor.

Dereinst soll das Schloss selbsttragend sein – hierfür haben sie den Förderverein Fou de Fougerette gegründet. Mitglieder können das Anwesen für kulturelle Anlässe nutzen, beim Aufbau mithelfen oder sich schlicht eine Auszeit in romantischem Ambiente gönnen. Nicola Schneider selbst will im Sommer 20 Tage pro Monat in Frankreich verbringen, den Rest in Zürich. Im Winter sei es in Fougerette zu kalt, den ganzen Bau zu heizen, liege finanziell nicht drin. «Das würde schnell um die 1000 Euro pro Woche kosten.»

Wie fühlt es sich an, seinen Kindheitstraum endlich verwirklicht zu sehen? «Genial», sagt Nicola Schneider. Ausgeträumt hat er aber auch jetzt noch nicht. Sein «letzter Lebenstraum» sei ein Konzert von Tom Waits in seinem Schlossgarten. «Hoffentlich lebt er noch lange genug, und sonst wäre er auch als Schlossgeist willkommen.»

fougerette.wordpress.com (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.06.2013, 10:00 Uhr

Nicola Schneider (Bild: Katharina Wernli Photography)

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