Zürcher Stadtrat zündet den Klima-Turbo

«Null CO2»: Die Stadtregierung stellt sich hinter radikale Klimaziele. Jede und jeder soll sein Verhalten ändern.

Die Klimademos haben den Zürcher Stadtrat auf Trab gebracht.

Die Klimademos haben den Zürcher Stadtrat auf Trab gebracht. Bild: Urs Jaudas

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Den Klimanotstand will der Zürcher Stadtrat nicht ausrufen. Er will konkret und mit Tempo für den Klimaschutz arbeiten, wie er heute Mittwoch, zwei Tage vor der nächsten grossen Klimademo, mitgeteilt hat.

Die Jugendbewegung Klimastreik Zürich hatte Anfang Jahr drei Forderungen beim Stadtrat eingereicht: Die Stadt Zürich soll den Klimanotstand ausrufen, ihre Treibhausgas-Emissionen bis zum Jahr 2030 auf netto null reduzieren und die Bevölkerung über die Ursachen und Folgen der Klimaerwärmung informieren.

Die Stadtregierung begrüsst das Engagement der Schülerinnen und Schüler und behandelte ihre Forderungen als Petition. In seiner nun veröffentlichten Antwort auf die Petition teilt sie mit, sie stehe hinter dem Klimaschutzziel von Paris. Dieses verlangt, dass die menschengemachte Klimaerwärmung auf einen Temperaturanstieg von deutlich unter 2 Grad Celsius, möglichst auf 1,5 Grad Celsius, begrenzt wird.

2000-Watt-Ziel genügt nicht

Bereits im Jahr 2008 verankerte die Zürcher Stimmbevölkerung in der Volksabstimmung zur 2000-Watt-Gesellschaft als erste Schweizer Stadt ein ambitioniertes Klimaschutzziel in der Gemeindeordnung. Die Stadt Zürich setzt sich seit Jahren mit konkreten Massnahmen dafür ein, Energieverbrauch und Treibhausgas-Emissionen auf dem Stadtgebiet zu senken.

Seit 1990 hat der Energieverbrauch pro Person um rund 1300 Watt abgenommen, und 1,5 Tonnen CO2 pro Jahr und Person konnten eingespart werden. Um jedoch die ambitionierten Klimaschutzziele von Paris zu erreichen, «müssen die Treibhausgasemissionen deutlich schneller reduziert werden», schreibt der Stadtrat.

Analyse zu Treibhausgas-Emissionen

Der Stadtrat steht einer radikalen Motion aus dem Zürcher Gemeinderat mit dem Titel «Festlegung einer stringenten Klimapolitik in der städtischen Verfassung mit dem Ziel einer Reduktion des CO2-Ausstosses pro Einwohnerin und Einwohner auf Null bis ins Jahr 2030» positiv gegenüber. Diese Motion wird am Abend vom Stadtparlament behandelt.

Im Rahmen der Beantwortung dieses Vorstosses wird der Stadtrat dann das Szenario «Null Tonnen CO2» entwickeln. Die Szenario-Analyse werde aufzeigen, «ob und in welchem Zeitraum, innerhalb welcher Systemgrenzen, unter welchen Rahmenbedingungen und mit welchen Konsequenzen das verschärfte Ziel umsetzbar ist». Gleichzeitig fordert der Stadtrat Kanton, Bund, internationale Gremien, Wirtschaft und Private auf, den Klimaschutz «deutlich höher zu gewichten als bisher».

Gesamte Fahrzeugflotte umstellen

Da der Stadtrat das Ausrufen des Klimanotstandes als Symbolpolitik betrachtet, bevorzugt er konkrete Massnahmen. So etwa will er ein Anschubprogramm für den Ersatz fossil betriebener Heizungen, den Ausbau von Energieverbünden, eine Umstellung der stadteigenen Fahrzeugflotte auf Betrieb mit erneuerbaren Energien, klimafreundlichere Verpflegung in städtischen Betrieben sowie die Bildung eines Klimaforums, in dem auch Junge dabei sind.

Der Stadtrat sei sich bewusst, dass der Klimaschutz eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung darstellt, teilte er weiter mit. Es brauche – neben den Anstrengungen der öffentlichen Hand und der Wirtschaft – gleichzeitig auch Verhaltensänderungen jedes Einzelnen.

Die Stadt Zürich verstärkt deshalb auch die Informations- und Sensibilisierungsaktivitäten gegenüber der Bevölkerung. Zudem treibt sie die aktive Kommunikation über Klimaschutz und die eigenen Handlungsmöglichkeiten in den nächsten Jahren voran, wie es in der Mitteilung weiter heisst. (pu/sda)

Erstellt: 22.05.2019, 15:08 Uhr

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