Zürcher haben Energieverbrauch um 1000 Watt gesenkt

Die 2000-Watt-Gesellschaft liegt noch in weiter Ferne. Doch die Stadt Zürich liegt im landesweiten Vergleich vorne.

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Die Zahlen sind auf den ersten Blick erfreulich: Der Energieverbrauch und die ausgestossenen Treibhausgase in der Stadt Zürich sinken kontinuierlich. Die Stadt sei unterwegs zur 2000-Watt-Gesellschaft, schreibt denn auch die Dienstabteilung Umwelt- und Gesundheitsschutz des Departements von Stadträtin Claudia Nielsen (SP) in einer Medienmitteilung von gestern. Das Zwischenziel für das Jahr 2020 von 4000Watt sei in greifbarer Nähe.

Doch Nielsens Departement muss selber einschränken: Bis zur 2000-Watt-Gesellschaft im Jahre 2050 bleibt noch viel zu tun. Selbst das Ziel von 3200Watt im Jahr 2035 bezeichnet die Stadt als Herausforderung. Um das zu erreichen, seien auch der Kanton und der Bund gefordert. Das Ziel von 2000Watt haben die Stadtzürcher in einer Abstimmung vom November 2008 vorgegeben.

Beanspruchte ein Stadtbewohner von 1990 bis 2006 zwischen 5000 und 5200 Watt, liegt der Verbrauch heute bei 4200 Watt. Der Anteil erneuerbarer Energie hat sich fast verdoppelt – von 11 auf 19 Prozent. Mitverantwortlich dafür ist das EWZ, das seit Anfang Jahr nur noch Strom aus erneuerbaren Quellen verkauft – obwohl das EWZ selber noch an Atomkraftwerken beteiligt ist. Tritt die Stadt als Bauherrin auf, baut sie nach Vorgaben der 2000-Watt-Gesellschaft. So wurde das neue Bettenhaus des Triemlispitals entsprechend erstellt oder das Pflegezentrum Witikon nach jenen Regeln saniert.

Sind Claudia Nielsen und ihre Fachleute optimistisch, das Zwischenziel beim Energieverbrauch bis 2020 zu erreichen, bezeichnen sie es bei den Treibhausgasen als Herausforderung. Für 2020 strebt die Stadt einen Ausstoss von 4 Tonnen pro Person und Jahr an. Momentan verursacht ein Zürcher noch 4,7 Tonnen. Im Jahr 2035 soll er dann bei 2,5 Tonnen liegen.

Standort Stadt als Vorteil

Im Vergleich zum Durchschnittsschweizer lebt der Stadtzürcher heute energieeffizient. Den 4200 Watt des Stadtzürchers stehen 5900 Watt des Durchschnittsschweizers entgegen, wie Rahel Gessler, Leiterin Energie und Nachhaltigkeit bei der Stadt, sagt. Die besseren Zahlen haben stark mit dem Standortvorteil einer Grossstadt zu tun: dichtere Bebauung, kleinere Wohnflächen pro Person, kürzere Wege, höherer Anteil an öffentlichem Verkehr, viele Haushalte ohne Auto. Dagegen muss Zürich auch Nachteile in Kauf nehmen: Der Energieverbrauch der 380'000 Personen, die in der Stadt arbeiten, zählen auch dazu.

Es zeigt sich zudem, dass der Energieverbrauch stark sinkt, wenn der Winter mild und der Sommer lau ist: Heizungen verbrennen dann weniger Öl, Klimaanlagen verpuffen weniger Strom. Deshalb lag der Energieverbrauch 2014 mit knapp 3900 Watt um rund 9 Prozent unter demjenigen des Vorjahrs.

Grüne kritisieren

Für die Grünen ist die Zwischenbilanz der Stadt durchzogen. Massnahmen und Versäumnisse im politischen Prozess würden ihren Niederschlag in der Bilanz finden, schreiben sie in einer Mitteilung. Es fehle aber ein wichtiger Teil in der Energiebilanz: die graue Energie, die in Konsumprodukten und in der Nahrung stecke. Um die Resultate im Verkehr noch besser zu machen, fordern sie eine entschlossenere Veloförderungspolitik. Und bei der Flugverkehrspolitik werfen die Grünen der Stadt eine «reine Sankt-Florians-Politik» vor – im Gegensatz zum Landverkehr, wo Massnahmen früher oder später Wirkung zeigten. Die Treibhausgasemissionen aus dem Flugverkehr würden bereits ein Drittel aller Emissionen im Verkehrsbereich ausmachen und weiter ansteigen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 01.10.2015, 09:12 Uhr

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