«Züri-Velos»: Schluss mit gratis

Der Betrieb der Leihvelos kostete die Stadt bisher nichts. Damit dürfte bald Schluss sein. «Nachhaltige Mobilität ist nicht gratis», sagt der Publibike-CEO.

Muss Zürich dereinst zahlen? Bis 2023 verkehren die «Züri-Velos» für die Stadt noch zum Nulltarif.

Muss Zürich dereinst zahlen? Bis 2023 verkehren die «Züri-Velos» für die Stadt noch zum Nulltarif. Bild: Samuel Schalch

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Sie sind inzwischen fast überall in Zürich zu sehen, die anthrazitfarbenen «Züri-Velos». Über 2000 dieser Räder stehen der Bevölkerung an 150 Stationen auf dem Stadtgebiet zur Verfügung. Eine Million Fahrten seien mit dem Leihsystem, das von der Publibike AG betrieben wird, bereits getätigt worden, teilte die Stadt unlängst mit.

«Züri-Velo», das im April 2018 startete, ist quasi ein Schnäppchen. Die Stadt Zürich bezahlt dafür keine Beiträge. Doch nun geht die Rechnung für das Postauto-Tochterunternehmen nicht mehr auf.

Vertrag neu verhandeln

In Bern dürfte es deshalb mit dem Nulltarif für das Angebot vorbei sein, wenn der Vertrag mit Publibike ausläuft, wie die «Berner Zeitung» heute Dienstag schreibt. In Zürich zeichnet sich dasselbe Szenario ab, wenn der Fünfjahresvertrag mit der Stadt 2023 endet.

«Ich kann mir vorstellen, dass wir nicht mehr zu den gleichen Vertragsbedingungen offerieren werden.»Markus Bacher,
Publibike-CEO

Man habe in der Anfangszeit mit einer gewissen Euphorie offeriert, sagt Publibike-CEO Markus Bacher auf Anfrage. «Nachhaltige Mobilität ist nicht gratis. Ich kann mir vorstellen, dass wir nicht mehr zu den gleichen Vertragsbedingungen offerieren werden und wir die Bedingungen neu verhandeln.»

Ob die Stadt Zürich den Vertrag unter veränderten Bedingungen verlängern wird, ist noch unklar. «Wir beobachten jetzt, wie sich das System bewährt; daher sind Prognosen, was im Jahr 2024 sein wird, verfrüht», sagt Evelyne Richiger, Leiterin Kommunikation beim Zürcher Tiefbauamt. Bacher selbst hat noch keinen Plan B, sollte es nach 2023 mit der Weiterführung von «Züri-Velo» nicht klappen. «Wir sind im stetigen Dialog mit der Stadt Zürich und sind überzeugt, dass wir eine gemeinsame Lösung finden.»

Angebot in Zürich weniger genutzt

Im Vergleich zu Bern, wo es inzwischen bereits 170 Publibike-Stationen gibt, wird das Angebot in Zürich etwas weniger intensiv genutzt und ist gemäss Bacher auch etwas kleiner angelegt. Dafür muss Publibike in Bern nach einem Nachfolger für den Hauptsponsor Migros suchen, der Anfang Jahr aus dem Projekt ausgestiegen ist. In Zürich sei man hingegen «sehr glücklich» mit den aktuellen Sponsoren ZKB und EWZ, freue sich aber immer über neue Partner und Sponsoren, sagt Bacher.

«Wir spüren ein wachsendes Interesse von Firmen nach alternativen Mobilitätsangeboten für ihre Mitarbeitenden.»Markus Bacher,
Publibike-CEO

Auch auf die verschiedenen Partnerschaften mit Firmen in der Region Zürich ist der Publibike-CEO stolz. «Wir spüren ein wachsendes Interesse von Firmen nach alternativen Mobilitätsangeboten.» Viele würden nach Konzepten suchen, um ihre Mitarbeitenden zum Verzicht auf die Anreise im privaten Auto zu bewegen.

Bei den Abonnementen für Firmenkunden sieht Bacher denn auch ein grosses Potenzial: Ein Publibike-Abo fördere die nachhaltige Mitarbeitermobilität, sei eine gute Ergänzung zum öffentlichen Verkehr und helfe mit, den Individualverkehr zu reduzieren und die Zahl der Parkplätze zu verringern.

Langes Warten auf die Publibikes

Die Einführung eines Veloverleihnetzes in der Stadt Zürich geht auf einen Gemeinderatsvorstoss aus dem Jahr 2007 zurück. Sieben Jahre später schrieb die Stadt das Projekt aus, im Februar 2015 erhielt die Publibike AG den Zuschlag. Aufgrund eines Rechtsstreits um die Vergabe des Auftrags kam es zu Verzögerungen. Das Tiefbau- und Entsorgungsdepartement konnte erst im Juni 2017 nach einem Bundesgerichtsentscheid die Nutzungskonzession erteilen.

Im März 2018 begann die Installation der ersten 30 Stationen. Seit der Eröffnung am 6. April 2018 wurde das «Züri-Velo»-Netz auf heute über 2000 Velos ausgebaut – rund 1000 davon sind E-Bikes. Damit ist der Aufbau des Verleihsystems für die Stadt gemäss Vertrag erfüllt.

Erstellt: 28.01.2020, 12:47 Uhr

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