Zürich begräbt alle Pläne für ein neues Kongresszentrum

Überraschende Wende bei der Suche nach einem neuen Kongresszentrum: Der Stadtrat kapituliert und entscheidet sich gegen einen Neubau. Nun will er 140 Millionen in bestehende Gebäude investieren.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Heute Mittwoch teilte der Stadtrat mit, dass die lange Suche nach einem neuen Standort für ein Kongresshaus beendet ist. Die Stadtzürcher Regierung hat sich gegen einen Neubau entschieden. Damit sind sämtliche Pläne für ein neues Kongresszentrum auf dem Carparkplatz und auf dem Geroldareal begraben.

Bereits früher gescheitert sind Pläne für einen Neubau auf dem Kasernenareal oder am bisherigen Standort beim See. Für die Mitteilung traten gleich drei Regierungsvertreter vor die Medien: Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP), Hochbauvorsteher André Odermatt (SP) und Finanzvorstand Daniel Leupi (Grüne). Die Drei derzeit im Kongresshaus.

Kongresse für bis zu 2500 Teilnehmer

Auf diesen Standort will der Stadtrat auch künftig setzen. Dort sollen Kongresse in Zürich stattfinden. Dazu soll das Gebäude renoviert, leicht erweitert und ein Teil zurückgebaut werden. Man ziele auf Kongresse mit bis zu 2500 Teilnehmern, heisst es in der Medienmitteilung. Diese Variante sei eine von insgesamt fünf Szenarien, die man geprüft habe. Gleichzeitig mit der Sanierung und Erweiterung des Kongresshauses wird die Tonhalle saniert. Diese Vorhaben kosten insgesamt 140 Millionen Franken.

Der Gartensaaltrakt mit dem ungeliebten und nachträglich erstellten Panoramasaal wird zu einem Foyer mit direkt anschliessenden Kongressräumen umgebaut. Im ersten Stock wird ein frei zugängliches Restaurant mit Bar und Seeblick sowie einer 925 Quadratmeter grossen Terrasse erstellt.

Foyer mit Blick zum See

Vom Konzertfoyer werde man dereinst zum See blicken. Und der Kongresssaal erhält eine durchgehende Fensterfront. Damit gewinne das Gebäude für Kongress- und Konzertbesucher sowie für Gäste im Restaurant an Attraktivität. Im Erdgeschoss entstehen neue Seminarflächen. Beide bisherigen Restaurants werden zu flexiblen Seminarräumen umfunktioniert.

Durch «die Aktivierung der inneren Ressourcen» könne die nutzbare Fläche je nach Veranstaltung um 500 bis 2100 Quadratmeter erhöht werden, teilt der Stadtrat weiter mit. Das Volumen des Baus werde nach dem Umbau aber in etwa gleich gross sein wie heute.

«Glanzvolle Tonhalle »

Der grosse Saal der Tonhalle werde «wieder zu einem glanzvollen Konzertsaal von internationaler Bedeutung». Die Tonhalle erhalte endlich die seit langem benötigten rückwärtigen Räume für das Tonhalle-Orchester. Und vom Konzertfoyer soll künftig auf gleicher Ebene ins neue Restaurant mit Terrasse gewechselt werden können.

Die Kongresshaus-Stiftung Zürich, die Tonhalle-Gesellschaft und die Betriebsgesellschaft Kongresshaus Zürich AG stehen laut Stadtrat voll hinter dem «Befreiungsschlag» mit einem optimierten Kongressbereich und mit einem Restaurant mit Terrasse und Seesicht. Sie sind überzeugt, dass sich das Kongresshaus «künftig im oberen Segment des Marktes positionieren kann». (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.06.2013, 11:04 Uhr

Umfrage

Zürich bekommt kein neues Kongresszentrum. Hat der Stadtrat richtig entschieden?




Wie es weitergeht

Das Geschäft geht nun in den Gemeinderat. Diesem wird gleichzeitig beantragt, eine Motion der CVP/EVP aus dem Jahr 2007 abzuschreiben, die verlangt, dass der Stadtrat dem Gemeinderat eine Weisung für einen Projektierungskredit für ein neues Kongresszentrum vorlegt. Damit kann der Gemeinderat über den vorliegenden Beschluss des Stadtrats debattieren und qualifiziert abstimmen.

Ist der Gemeinderat nicht einverstanden, dass die Planung für ein neues Kongresszentrum eingestellt wird, schreibt er die Motion nicht ab.

Wenn der Gemeinderat das Geschäft bis Ende Oktober 2013 abschliesst, können die beiden Gebäude von Sommer 2016 bis Ende 2017 gleichzeitig instand gesetzt werden. Ansonsten verschiebt sich der Termin nach hinten, da die Instandsetzung langfristig mit der Tonhalle und der Betriebsgesellschaft abgesprochen werden.

Während der Bauzeit wird der Betrieb des Kongresshauses eingestellt. Die Tonhalle wird eine verlängerte Saison auswärts spielen; die Planung dafür ist angelaufen. Mögliche Kosten für Ausfälle und diese Auswärtssaison sind in den 140 Millionen Franken nicht eingerechnet.

Die Stimmberechtigten werden voraussichtlich am 14. Juni 2015 über die Vorlage abstimmen können.

Geroldareal und Carparkplatz

Das Geroldareal steht nicht vollumfänglich zur Verfügung und beim Carparkplatz können die Bauabstandslinie zwar überbaut werden, der Richtplaneintrag für den Stadttunnel bleibt aber bestehen.

An beiden Standorten ist die Möglichkeit einer Realisierung eines neuen Kongresszentrums daher auch nach langen Verhandlungen und Untersuchungen unsicher und eine endgültige Klärung ist nicht abzusehen, teilt der Stadtrat mit.

Artikel zum Thema

«Es braucht gar kein neues Kongresshaus»

Die Betriebsgesellschaft schlägt vor, das Kongresshaus am bestehenden Ort zu erweitern und auf einen Neubau zu verzichten. Eine Studie zeigt: Der Standort am See ist unschlagbar. Mehr...

Kantonsräte machen Weg frei für Kongresshaus beim HB

Der Carparkplatz neben dem Hauptbahnhof könnte besser genutzt werden. Bürgerliche Kantonsräte setzen sich für den Bau eines Kongresszentrums am Sihlquai ein. Mehr...

Kongresshaus: Stadtrat will das Geroldareal

Ende Jahr will der Stadtrat dem Parlament einen Projektkredit für das Kongresszentrum auf dem Geroldareal beantragen. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Kommentare

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Die Welt in Bildern

Land ahoi! Die Superjacht «Sunseeker 74 P» wird auf einem Tieflader über eine Strasse transportiert. Ziel ist eine Wassersportmesse in Düsseldorf, Deutschland. (18. Dezember 2018)
(Bild: Sascha Steinbach) Mehr...