Zürich hilft Susch, den Bach zu bändigen

Die Stadt Zürich unterstützt Berggemeinden mit einer halben Millionen Franken pro Jahr. Davon profitiert auch Susch im Unterengadin.

Der Bagger verbreitert das Bachbett. – Gemeindepräsident Emil Müller. – Der Geschiebesammler steht bereits. (Bilder: Gindely)

Der Bagger verbreitert das Bachbett. – Gemeindepräsident Emil Müller. – Der Geschiebesammler steht bereits. (Bilder: Gindely)

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Der Bergbach Susasca, der mitten durch Susch fliesst, soll nicht mehr über die Ufer treten: 70 000 Franken hat Zürich an die neue Hochwasserschutzanlage der Unterengadiner Gemeinde beigesteuert. Ein kleiner Beitrag bei Gesamtkosten von 1,6 Millionen Franken, dennoch ist Gemeindepräsident Emil Müller sehr dankbar für die Unterstützung. «Für uns sind 70'000 Franken sehr viel Geld.»

Vor drei Jahren herrschte in Susch das nackte Chaos. In der Nacht vom 22. auf den 23. August 2005 trat die Susasca über die Ufer. Heftige, tagelange Regenfälle liessen weit oben im Tal Schlamm- und Steinlawinen niedergehen. Das Geschiebe wurde vom Bergbach mitgerissen und staute sich bei der Brücke. Wasser, Geröll und Schlamm suchten sich den Weg durch das Dorf - über die Strassen, in die Gärten, in die Häuser, über die Autos. Verletzt wurde zum Glück niemand. Doch die Schäden waren verheerend.

Über 100 Helfer im Einsatz

«14 Bagger standen hier nach dem Unwetter im Bachbett und schaufelten Geröll weg», erinnert sich Gemeindepräsident Müller. Über 100 Helferinnen und Helfer waren an den Aufräumarbeiten beteiligt. «Es gibt viele Erlebnisse aus dieser Zeit, die uns geblieben sind und uns geprägt haben.» Aus dem Nachbardorf Lavin sind 20 Freiwillige gekommen, auch vier Jugendliche aus dem Oberengadin entschlossen sich spontan, frei zu nehmen und zu helfen. Nach vier Tagen war alles mehr oder weniger aufgeräumt.

Und die Hilfe hielt an. Aus der ganzen Schweiz und aus Liechtenstein trafen Spenden ein. Zusammen mit der Unterstützung von Bund und Kanton konnte die Gemeinde Susch die Schadensumme von 1,6 Millionen Franken decken.

Doch die Angst vor der Susasca blieb. Die neue Bachverbauung soll nun weitere Überschwemmungen verhindern. Der Hochwasserschutz besteht aus drei Teilen: Rund zwei Kilometer oberhalb von Susch wird im Moment ein sogenannter Geschieberückhalt gebaut. Bagger verbreitern das Bachbett und schaffen Platz für Geröll und Holz, das sich hier ablagern soll. Einen Kilometer weiter unten steht der Geschiebesammler: eine Art Trichter aus Stahl, mit dem die Steine und Bäume zurückgehalten werden. Im Dorf selbst ist die Bacheinfassung erhöht worden. Diese Bauetappen sind abgeschlossen

Die Kosten für das Hochwasserschutzprojekt sind gedeckt: Den Hauptteil übernehmen Bund und Kanton, der Rest wird durch Spenden finanziert, unter anderem durch die 70'000 Franken aus Zürich.

Die Angst ist immer noch da

Die Stadt Zürich hat keine besondere Beziehung zu Susch. «Wir fragen die ressourcenschwachen Kantone nach unterstützungswürdigen Projekten an», sagt Susan Tanner, die bei der Stadt für die Inlandhilfe zuständig ist. Der ausgewählte Kanton wende sich dann jeweils direkt an die Gemeinden und vermittle das Gesuch. «Wir legen Wert darauf, dass wir immer wieder andere Gemeinden in anderen Kantonen berücksichtigen», sagt Tanner.

Emil Müller hofft, dass sich mit dem Hochwasserschutz weitere Schadenfälle in Susch verhindern lassen. «Wir geraten heute schneller in Angst als früher», sagt er. Dass sich im Geschiebesammler bereits Äste und Steine verfangen haben, sorgt bei ihm für ein mulmiges Gefühl. Doch die Experten geben Entwarnung: Die Suscher können ruhig schlafen, die Susasca wird in ihrem Bett bleiben. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.08.2008, 10:46 Uhr

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