Zürich hübscht den Kartoffelmarkt auf

An der Rämistrasse entsteht eine Begegnungszone. Durch die Umgestaltung wird ein Platz verschönert, der eine bewegte Geschichte hat.

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Die Stadt will den Kartoffelmarkt umgestalten. Den Kartoffelmarkt? Ja, genau. Das ist dieser kleine Platz unweit des Bellevues, der eingeklemmt zwischen Rämistrasse, Oberdorf- und Waldmannstrasse ein eher freudloses Dasein fristet. Wer hierherkommt, bleibt nicht lange.

Den inneren Bereich des Platzes, eingesäumt von Parkplätzen und umzingelt von abgestellten Fahrrädern, nimmt man mit seinem Brunnen und dem alten Baumbestand kaum wahr. Das soll sich bald ändern. Der historische Platz, der den inoffiziellen Namen Kartoffelmarkt trägt, soll mit verschiedenen Massnahmen aufgewertet werden. Die Pläne dazu liegen noch bis Montag, 4. Dezember 2017 öffentlich auf.

Die «Intarsie» bekommt neue Linden

«Weil an dieser Stelle der Rämistrasse Erneuerungsarbeiten an den Werkleitungen notwendig sind, nutzen wir dies, um den Platz besser zu gestalten. Wir planen hier eine Begegnungszone», sagt Filippo Leutenegger, Vorsteher des Tiefbau- und Entsorgungsdepartements der Stadt Zürich. Die Bauarbeiten starten laut Leutenegger «voraussichtlich im Laufe des Jahres 2019».

Bei der Umgestaltung des Platzes werden die Randsteine aufgehoben, da die Fussgänger in einer Begegnungszone Vortritt haben. Der Boden erhält durchgehend behindertengerechtes Kopfsteinpflaster, was dem Charakter der angrenzenden Oberdorfstrasse entspricht. «So entsteht ein einheitliches Erscheinungsbild», sagt Leutenegger.

Einzig der autofreie Bereich im Zentrum des Platzes, die sogenannte Intarsie, bleibt mit einem Bordstein von 3 cm Höhe abgegrenzt. Sechs Bäume auf diesem Kernstück des Kartoffelmarkts bleiben erhalten, vier weniger vitale Exemplare werden durch acht neue Linden ersetzt. Rund um die Fläche der Trafostation in der Mitte des Platzes gibt es eine neue, durchgehende Sitzbank aus Naturstein. Die Büsche am Rand der Intarsie werden entfernt, dafür ist eine Vergrösserung der Rasenfläche geplant.

Mehr Veloparkplätze

Den Waldmannbrunnen, der sich im oberen Bereich des Platzes befindet und 1935 vom Innerschweizer Künstler Eduard Zimmermann geschaffen wurde, will das Tiefbauamt künftig während der Nacht beleuchten, «um dieses zentrale Element hervorzuheben», wie der zuständige Stadtrat sagt.

Die Anzahl Autoparkplätze bleibt übrigens auch nach dem Umbau bestehen. Sie werden allerdings umorganisiert. Neu sind sie in der Waldmannstrasse eingezeichnet, welche den Platz oben abschliesst. So wird der Kartoffelmarkt für die Fussgänger frei. Auch die Veloabstellplätze werden auf dem neugestalteten Platz vor dem Haus mit der Adresse Rämistrasse 17 gebündelt und von heute 46 auf 51 erhöht.

Märkte und ein Boulevard zum Grossmünster

Die Veränderungen sorgen nicht nur dafür, dass die parkähnliche Freifläche aufgehübscht, sondern dass sie auch wiederbelebt wird – und damit kommt der Platz seinem historischen Ursprung wieder etwas näher. Hier herrschte nämlich früher sehr viel Betrieb. Die Bewohner hielten auf dem Platz regelmässig Märkte ab. Vom Mittelalter bis um 1775 fand hier der Rossmarkt statt, danach bis 1850 der allgemeine Viehmarkt und schliesslich bis etwa 1885 der Karoffelmarkt – daher der heutige Name.

Auch die Waldmannstrasse hat eine bewegte Geschichte. Die heutige Sackgasse hätte eigentlich ein breiter Boulevard bis hin zum Grossmünster werden sollen. Ganze Häuserzeilen hätten der Umsetzung dieses Projekts, das Teil der «Correction de Zurich» war, weichen müssen. 1885 startete man mit dem Bau der Strasse. Das Projekt wurde aber von Anwohnern derart torpediert, dass die Bauarbeiten eingestellt wurden. Und auf dem heutigen kümmerlichen Rest des geplanten Prachtboulevards werden in Zukunft 10 Parkplätze zu stehen kommen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.11.2017, 11:00 Uhr

Wie der Platz umgestaltet werden soll: Zur Vergrösserung des Plans Bild anklicken. (Bild: TED Zürich)

Der Kartoffelmarkt: 1895 und heute

Der Waldmannbrunnen - damals und heute

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