«Zürich ist diskussionsfreudig»

Maximilian Stern, Mitgründer des Thinktanks Foraus, spricht bei «Karls Winterreden» über Engagement im Internet.

Lebt seit mehreren Jahren im Kreis 3: Maximilian Stern.

Lebt seit mehreren Jahren im Kreis 3: Maximilian Stern. Bild: Andrea Zahler

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Jede Woche beantworten Personen, die Zürich prägen, unseren Fragebogen und verraten uns, was die Stadt für sie ausmacht. Heute: Foraus-Mitgründer und Unternehmer Maximilian Stern.

Vor gut zehn Jahren haben Sie den Thinktank Foraus mitgegründet. Weshalb?
Weil ich überzeugt bin, dass junge Menschen Wissen und Ideen für die Positionierung der Schweiz in der Welt haben. Wir wollen ihnen eine Stimme und die Aufmerksamkeit geben, die sie verdient haben – unabhängig von Parteien.

Sie werden in Ihrer Winterrede heute Abend dafür plädieren, dass wir uns mehr engagieren müssen – und dafür das Internet brauchen. Warum?
Die Politik hat sich ins Internet verschoben, wir Bürger und Bürgerinnen müssen dringend hinterher. Anstatt nur verblüfft zuzusehen, mit welcher Schamlosigkeit sie dort betrieben wird, müssen wir uns engagieren, etwa für eine digitale Debattenkultur.

In vielen Ihrer Projekte geht es um Debatten. Ist Zürich eine diskussionsfreudige Stadt?
Unbedingt, allerdings brauchen die Leute viel Aufwärmen und einen sicheren Rahmen fürs Debattieren. Dafür ist das Risiko von Verletzungen hoch.

Funktioniert Zürich auch ohne Geld?
Zürich funktioniert vor allem mit Geld. Oder alternativ mit guten Freunden.

Welche Ecke Zürichs ist überbewertet?
Der Brunnen am Bullingerplatz, im Winter ziehts und im Sommer fehlen Sonnensegel. Trotzdem nett.

Finden Sie den Zürichsee auch doof?
Nur im Sommer.

Zu welcher Uhrzeit ist Zürich am schönsten?
Zur Rushhour natürlich, Wuseln ist doch die Paradedisziplin der Zürcherinnen und Zürcher.

Wo treffen Sie Freunde am liebsten?
Zurzeit in der Sauna.

Mein perfekter Abend

Apéro
– Ein paar Dosenbiere am Stromkasten, 15 Franken

Abendessen
– Am Küchentisch mit Freunden, 20 Franken

Drinks
– Selbst gemachte Negroni Sbagliati (Wermut, Campari, Prosecco und Eis), noch immer am Küchentisch, 10 Franken
– Danach Weisswein, 7 Franken
– Danach Rotwein, 8 Franken

Ausgang
– An einem anderen Küchentisch, abwechselnd Wasser und was noch da ist, gratis

Ausgaben total:
60 Franken

Sie können Ihr ganzes Leben nur noch in einer Zürcher Beiz essen – in welche gehen Sie?
Ins Grottino 77, die haben einen Hinterhof, der den Namen «Mann über Bord» trägt.

Auf welchen Luxus wollen Sie nicht verzichten?
Freunde zum Essen oder gleich für ein ganzes Wochenende einladen.

Wer ist die Liebe Ihres Lebens?
Mein Sohn, wenn er nicht mitten in der Nacht heult. Wobei: eigentlich auch dann.

Welches ist Ihr Züri-Soundtrack?
Die Songs meiner Spotify-Playliste «Mein Tsüri». Darauf ist etwa Jeans for Jesus und die Zürcherin Len Sander, aber auch Musik aus dem Ausland.

Max Stern hat nicht nur einen Züri-Song, sondern gleich eine ganze Playliste. Quelle: Spotify/Maximilian Stern

Wann können Sie nicht widerstehen, ein Selfie zu machen?
Mit einem Kater – nichts erschreckt vergleichbar.

Weshalb haben Sie das letzte Mal geweint?
Wegen derer, die zu früh gestorben sind.

Welche Hoffnung haben Sie aufgegeben?
Dass man demnächst PET bei Glassammelstellen zurückgeben kann. Ich ärgere mich jedes Mal.

Mit welchen Zürcher Persönlichkeiten würden Sie gerne eine Nacht verbringen?
Mit dem Ehepaar Aline Valangin, Schriftstellerin, Wladimir Rosenbaum, Anwalt.

Der Geruch Ihrer Kindheit?
Der von Sägespänen.

Wo findet einen in Zürich das Glück?
Überall, wo man guten Brunch erhält. Man sollte ihm aber mit gesundem Misstrauen begegnen.


Der studierte Politologe Maximilian Stern hat 2009 den Thinktank Foraus mitgegründet. Heute arbeitet er für die Beratungsagentur Crstl.io, bei der er auch Partner ist. Zudem ist er Vizepräsident des Projektes «Staatslabor». Der 33-Jährige lebt seit 15 Jahren in Zürich, fast immer im Kreis 3. Am Montag 20.1. spricht Stern im Rahmen der Talkreihe «Karls Winterreden» um 18 Uhr im Karl dem Grossen.

Erstellt: 19.01.2020, 17:59 Uhr

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