Zürichs Velomodell ist von der Zeit überholt

Die Stadt begünstigt den defizitären Radverleih der Post. Das ist falsch.

Die Firma ist zum Anachronismus geworden: Publibikes warten auf Kundschaft. (Foto: Beat Mathys)

Die Firma ist zum Anachronismus geworden: Publibikes warten auf Kundschaft. (Foto: Beat Mathys)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Mietvelos von Publibike mögen flott unterwegs sein, aber bei der Posttochter selbst ist gehörig Sand im Getriebe. De facto handelt es sich um einen Staatsbetrieb, der mit öffentlicher Vorzugsbehandlung ein Angebot aufgezogen hat, das nicht rentiert, sondern Millionen verschlingt. Ein staatlich begünstigtes Dumping-angebot, das privaten Konkurrenten das Leben schwer macht. So etwas ist nicht länger zu rechtfertigen.

Publibike ist eine Idee, die von der rasanten Entwicklung überholt wurde. Das zeigt sich exemplarisch in Zürich. Als die Stadt vor Jahren entschied, einen Veloverleih aufzuziehen, war dies ein ideelles Ökoprojekt. Keiner glaubte, dass es für so was einen Markt geben könnte. Dann kam O-Bike – und richtete mit hingeworfenen Billigvelos ein solches Chaos an, dass der Ruf nach der ordnenden Hand des Staates noch lauter wurde. Als Publi­bike mit viel Verspätung den Betrieb aufnahm, war das eine Erlösung.

Umso stossender, dass Publibike für seine Parkplätze nach wie vor nichts zahlen muss.

Heute ist die Situation eine andere. Fast 1800 E-Bikes, Scooter und Trottinetts von fünf privaten Anbietern verkehren auf Zürichs Strassen, viele weitere drängen nach. Nicht gerade jene Art von Marktversagen, die nach staatlichem Eingriff und Service public verlangt. Zudem hat es die anfangs überrumpelte Stadt geschafft, mit neuen Regeln für Ordnung zu sorgen. Richtig ist, dass dazu eine Gebühr fürs Nutzen des öffentlichen Raums gehört. Umso stossender, dass Publibike für seine Parkplätze nach wie vor nichts zahlen muss. Die Firma ist zum Anachronismus geworden.

Wenn die Post ihre defizitäre Tochter nun unter Druck setzt, darf das nicht dazu führen, sie mit öffentlichen Geldern zu retten. Im Gegenteil, man sollte ihr die Privilegien entziehen, um faire Regeln für alle zu schaffen. Es gibt zurzeit höchstens einen Grund für den Staat, lenkend in den Markt einzugreifen: um muskelbetriebene Zweiräder speziell zu fördern. Denn es sind primär elektrische Zweiräder, die boomen, und die Ökobilanz dieser Entwicklung ist fragwürdig.

Erstellt: 13.07.2019, 20:07 Uhr

Artikel zum Thema

Publibike will am Leben bleiben – und ist auf Partnersuche

Das Unternehmen will sich mit der Hilfe staatsnaher Betriebe aus der Krise ziehen. Das verärgert private Mitbewerber. Mehr...

Jetzt entsteht in Zürich das grösste Veloverleihnetz der Schweiz

Auf den Pannenstart folgt die Expansion: Publibikes rollen künftig auch über die Zürcher Stadtgrenze hinaus ins Glattal. Mehr...

Jetzt kommt in Zürich die Gebührenpflicht für Smide und Co.

Die Stadt ändert ihr Reglement für sogenannte Free-Floating-Dienste – und bittet deren Anbieter zur Kasse. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Kommentare

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Die Welt in Bildern

Gross-Demo: Mit Schutzmaske und Schwimmbrille schützt sich ein Demonstrant vor einem Tränengas-Angriff der Polizei in Hong Kong am Sonntagabend. (21. Juli 2019)
(Bild: Getty Images / Ivan Abreu) Mehr...