Zutritt verboten!

13-mal konnten wir Einblicke in Zürichs verborgene Plätze gewinnen. Welche Zugänge geschlossen blieben und warum, das schreiben wir im 14. und letzten Teil der Serie «Was hinter verschlossenen Türen steckt».

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Tief unter der Erde, hoch über den Dächern und knapp zwischen den Häuserzeilen der Stadt lagen sie, die verborgenen Orte, zu denen sich Tagesanzeiger.ch im Rahmen der Serie «Was hinter verschlossenen Türen steckt» Zutritt verschaffen konnte. Doch nicht immer standen Tür und Tor offen. Einige Plätze und Räume blieben uns verschlossen. Ein Resümee.

1. Yachtclub Zürich – Zutritt verbo(o)ten

Es ist wohl das aussergewöhnlichste Floss von Zürich, das Hausboot des Zürcher Yacht Clubs. Wie ein Schiff ohne Motor und Segel liegt es fest vertäut im Zürcher Seebecken. Der Yachtclub hat Tradition. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts gab es am General-Guisan-Quai 17 ein Bootshaus. Das Floss, das noch heute dort im Wasser schwimmt, ist bereits über 80 Jahre alt. Das Bauwerk bietet einen stattlichen Anblick, und es weckt Neugierde im Betrachter. Manch einer wird sich fragen, wie es wohl im Innern des schwimmenden Clubhauses aussehen könnte.

Doch Zutritt bekommt nur, wer Mitglied des Yachtclubs ist – und diese Mitgliedschaft ist offenbar heiss begehrt. Die Anfragen seien enorm, wird vonseiten des Clubs erklärt. Zusätzliche Publicity sei daher weder nötig noch gewünscht. «Auch nicht, wenn wir in unserem Bericht ausdrücklich darauf hinweisen, dass der Club keine weiteren Mitglieder aufnehmen kann?» – «Nein, sorry, wirklich nicht.»

2. Geschlossene «Schildner zum Schneggen»-Gesellschaft

Eine weitere Gemeinschaft, die keine Publicity möchte, ist die «Gesellschaft der Schildner zum Schneggen». Dabei wäre gerade ihr Sitz in der Liegenschaft am Limmatquai 64 mit Sicherheit einen Besuch wert. Die Gesellschaft, die bereits um 1380 gegründet wurde und der nur Männer angehören, besitzt dort in der oberen Etage einen Saal mit freiem Blick auf die Limmat.

Die Rollläden vor den hohen Fenstern bleiben allerdings meist geschlossen. Ein Anblick, der an dieser prominenten Lage auffällig ist. Kein Wunder also, wollten gleich zwei Tagesanzeiger.ch-Leser in Erfahrung bringen, was sich hinter dieser verschlossenen Fensterfront verbirgt.

Unsere Anfrage für eine Reportage wurde allerdings abgewiesen – zwar freundlich, aber bestimmt. «Wir sind ein exklusiver Club. Die Räume sind unseren Mitgliedern vorbehalten.» Und Mitglieder sind nur jene, die ihre Zugehörigkeit ererbt, erkauft oder geschenkt bekommen haben.

3. Pforte in den Garten Eden?

Ähnlich lautete die Begründung für eine weitere Absage. Es ging um ein Areal, das sich hinter einer ominösen Metallpforte an der Kreuzbühlstrasse beim Bahnhof Stadelhofen befindet. Hunderte Pendler spazieren täglich an dieser verschlossenen Türe vorbei, die durch eine meterhohe Mauer in einen stattlichen Garten an bester Lage führt. Der Baumbestand ist beachtlich, und einige Pflanzen suchen sich bereits einen Weg über die Mauern. Wie es wohl in diesem verwunschenen Park aussieht?

Der Besitzer des fraglichen Grundstücks wusste zunächst gar nicht, von welcher Tür die Rede war. Obwohl sie grosszügig und edel gefertigt ist und einen direkten Zugang ins Zentrum der Stadt bieten würde, wird sie offenbar kaum genutzt. Wer auf diesem Grundstück lebt, benutzt den Haupteingang – und geht vermutlich nicht allzu oft zu Fuss zum Zug. Die Mieter der drei Liegenschaften, die sich auf dem Grundstück befinden, würden Wert auf Diskretion legen, hiess es schliesslich. Daher wünsche man keine Berichterstattung über die Anlage oder über die Häuser.

4. Das «Weisse Haus» von Zürich

Ein Haus der besonderen Art ist auch das Muraltengut in Zürich-Wollishofen. Seit 1943 befindet sich der Bau aus dem Jahre 1782 im Besitz der Stadt Zürich. Das Muraltengut wird von den Stadträten für offizielle Empfänge oder Veranstaltungen genutzt. Der umliegende Park ist für die Öffentlichkeit zugänglich. Nicht so das Gebäude selbst – und gerade das macht es so interessant.

Doch beim Versuch, sich Zugang zum «Weissen Haus von Zürich» zu verschaffen, beisst man auf Granit. «Das Muraltengut ist grundsätzlich nicht öffentlich», betont Marc Huber von der Immobilienbewirtschaftung der Stadt Zürich. «Nicht einmal ein Stadtrat kann dort einfach so einen Anlass abhalten. Die Nutzung braucht immer die Einwilligung des gesamten Stadtrats.»

Ausführliche Berichte über das Muraltengut würden erfahrungsgemäss «Begehrlichkeiten» wecken, die aufgrund der strikten Nutzungsbedingungen nicht erfüllt werden könnten, erklärt Huber die strenge Regelung. «Früher hatten wir nach solchen Berichterstattungen stets Anfragen für Hochzeitsessen, Geschäftsanlässe oder Werbeaufnahmen. Wir mussten sie allesamt ablehnen.»

Ein süsser Trost bleibt all jenen, die vor der verschlossenen Türe des Muraltenguts stehen bleiben: Im Park befindet sich ein Rosarium mit über 5000 Rosenstöcken. Das ist alleweil einen Besuch wert. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 31.10.2011, 12:20 Uhr

Wo sich die verschlossenen Türen befinden

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