Zwei Gewinner, viele Verlierer

Urs Ledermann und die Swiss Life mögen mit ihrem Immobiliendeal zufrieden sein. Die Zeche bezahlen werden die künftigen Mieter.

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273 Millionen Franken – für diesen Betrag verkaufte Urs Ledermann diesen März 28 Häuser an die Swiss Life. Der Preis blieb geheim, doch nun liegt dem TA der Kaufvertrag vor.

Es ist ein Geschäft, das zwei Gewinner und viele Verlierer schafft. Gewinner Nummer eins heisst Urs Ledermann. Der Investor trat die Häuser um ungefähr 100 Millionen teurer ab, als er selber dafür bezahlt hatte. Anfang der 80er-Jahre begann er, im Seefeld Häuser zu sammeln. Damals glaubte niemand ans Quartier, heute wollen alle dort leben. Diesen Gold­rausch erahnte Ledermann als einer der Ersten.

Gewinner Nummer zwei ist die Swiss Life. Sie gehört zu den Späten, die ins Seefeld drängen. Pro Wohnung zahlt sie hochgerechnet rund eine Million Franken. Satte Preise. Der Lebensversicherer kann sie verkraften. Die Häuser werden in den nächsten Jahrzehnten steigende Erträge abwerfen.

Verlierer sind diejenigen, die diese Erträge auftreiben müssen; das heisst, die Nachfolger der heutigen Mieter. Für jene ändert sich vorerst nichts. Die Swiss Life hat alle Verträge übernommen, die Zinse wird sie bei kommenden Mieterwechseln hochsetzen.

Die jetzigen Mieteinnahmen würden den Preis von 273 Millionen wohl kaum rechtfertigen. Er ist ein fiktiver Wert, der sich auf geschätzte, künftige Einkünfte bezieht. Diese wiederum hängen von den Mieten rundherum ab; denn Eigentümer dürfen ihre Mieten nur anheben, wenn sie auf höhere Preise in der Umgebung verweisen können. Gehen alle Eigentümer von steigenden Mieten aus, stützen sie sich dadurch gegenseitig: eine selbst erfüllende Prophezeiung.

Gegen Wuchervorwürfe wehrt sich die Swiss Life jeweils mit dem Argument, ihren Versicherten möglichst hohe Renten sichern zu müssen. Innerhalb der Unternehmenslogik ergibt das Sinn. Gesellschaftlich weniger. Wenn Mieter über Spitzenpreise die Renten anderer berappen, führt dies zu einer willkürlichen Umverteilung. Das knappe Raumangebot zwingt viele Stadtzürcher Mieter faktisch dazu, bei diesem Spiel mitzumachen. Wer sich hingegen eine Eigentums­wohnung leisten kann, bleibt verschont.

Erstellt: 14.07.2014, 00:35 Uhr

Beat Metzler, Hintergrund-Redaktor, über den grossen Häuser-Deal im Seefeld.

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