Zwei Koalas im Zürcher Zoo eingetroffen

Die beiden Koala-Männchen haben weibliche Gesellschaft erhalten. Noch sieht es nicht nach der grossen Liebe aus.

Aller Anfang ist schwer. Maisy und Mikey machen Bekanntschaft – und sie weiss offensichtlich, was er will. Video: Tamedia/Zoo Zürich

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Sechzehn Monate lang waren die beiden Zürcher Koalas Mikey und Milo Kumpels. Beste Freunde. Unzertrennlich. Damit ist nun Schluss, denn dieser Tage sind zwei Weibchen eingetroffen: Maisy und Pippa.

Nun sind Mikey und Milo Konkurrenten. Wobei Mikey derzeit die Nase vorn hat. Denn er kriegt Maisy, die bereits geschlechtsreif ist. Milo und Pippa müssen noch einige Zeit warten, bis sie zusammenkommen dürfen. Denn Pippa ist noch zu jung für die körperliche Liebe und zudem ein Finöggeli.

Ein richtiger Brummer

Dem Zoo Zürich kommt für einmal die Aufgabe der Partnervermittlung zu. Wie Zoo-Kurator Robert Zingg heute den Medien vor Ort erzählte, stammen die beiden Weibchen, wie schon Mikey und Milo, aus dem Australian Reptile Park rund fünfzig Kilometer nördlich von Sidney.

Endlich! Pippa und Maisy dürfen ins Australienhaus umziehen. Video: Tamedia/Zoo Zürich

Maisy ist im gleichen Jahr geboren wie die beiden Männchen. Und sie ist ein richtiger Brummer: 7,8 Kilogramm bringt sie auf die Waage. Mehr als Milo und Mikey. Sie ist gut an ihrer wie mit Asche gepuderten Nase zu erkennen. Pippa ist ein Jahr jünger und wiegt nur gut vier Kilo.

Die ängstliche Pippa

Pippa tut sich noch etwas schwer mit der Eingewöhnung in ihrem neuen Heim. Als Tierpfleger Philipp Lederle sie wie ein Baby auf dem Arm tragend den Medien präsentiert, schmiegt sie sich etwas ängstlich an ihn. Und bohrt ihm ihre scharfen Krallen in Arm und Bauch.

Pippa ist noch etwas schüchtern. Pfleger Philipp Lederle ist deshalb ihr Fels in der Brandung. Foto: Reto Oeschger

Sie hat auch noch etwas Zeit, ist sie doch noch nicht geschlechtsreif. Weibliche Koalas haben oft erst mit drei oder vier Jahren ihr erstes Jungtier. Lederle hat Pippa gut im Auge, zumal sie im Moment auch nicht richtig zunimmt. Täglich untersucht er sie sanft – Nacken, Augen, Ohren, Bauch. Regelmässig wird sie auch gewogen.

Liebe auf den ersten Blick?

Gespannt beobachtete das Zoo-Team die erste Begegnung zwischen Mikey und Maisy. Zuerst liess sich Mikey nicht aus der Ruhe bringen. Schliesslich braucht er seine zwanzig Stunden Schlaf pro Tag. Dann aber roch es seltsam in seinem Gehege. Stress!

Als er fremde Kotbällchen in seinem Revier entdeckte und diese ausgiebig beschnuppert hatte, stiess er eine Art Urschrei aus: zwischen Schweinegrunzen und Eselswiehern. Maisy reagierte erst mit einem rabenähnlichen Krächzen und einem kräftigen Hieb, als er ihr zu nahe kam. Liebe auf den ersten Blick sieht anders aus.

Baum bequem – alles gut. Foto: Reto Oeschger

Noch ein paar Mal versuchte Mikey sein Glück. Noch ein paar Mal erwischte er einen Stoss mit dem krallenbewehrten Arm der rabiaten Maisy. Einmal, so erzählt Zingg, fiel dieser so heftig aus, dass der Freier im freien Fall vom Ast fiel.

Hoffnung auf Happy End

Im Moment herrscht Waffenstillstand im Zürcher Koala-Gehege. Mikey und Maisy liegen total entspannt in Astgabeln und machen keinen Wank. Bis eine Zoo-Mitarbeiterin auf ihrem Handy den oben erwähnten Brunstruf Mikeys abspielte. Da öffnet dieser die Augen, stellt die grossen runden Ohren auf und schaut verwundert in die Gegend. Als Maisys Antwort aus dem Handy krächzt, regt sich auch diese. Wenn auch nur kurz.

Hopfen und Malz ist also nicht verloren. Interesse ist vorhanden. Sollten die beiden sich dereinst doch näherkommen und paaren, dauert es allerdings eine Weile, bis dies Früchte trägt. Wie bei Beuteltieren üblich, ist die Tragzeit zwar kurz, konkret zwischen 25 und 32 Tagen. Doch dann versteckt sich das anfänglich nur gerade bohnengrosse Junge für sechs bis sieben Monate im Beutel der Mutter.

Arche Noah für Beuteltiere

Koalas sind gute Botschafter für die australische Tierwelt, weil sie so putzig sind. Das sieht auch der Zoo Zürich so, wie Direktor Alex Rübel erklärte. Er engagiert sich deshalb für die Organisation Australian Ark. Rübel spricht von einer «Arche Noah für bedrohte Beuteltiere».

Australian Ark hat in den Barrington Tops, einer hügeligen Landschaft etwa 200 Kilometer nordwestlich von Sidney, Zuchtanlagen für verschiedene Arten erstellt. Fuchs-, hunde- und katzensicher, denn diese gehen den einheimischen Beuteltieren zuhauf an den Kragen.

Eine der dort gezüchteten Arten ist der Tüpfelbeutelmarder, der auf dem australischen Festland bereits ausgestorben ist. Erste Erfolge sind schon zu vermelden: Dieses Jahr konnten dreissig Tiere ausgewildert werden. Der Zoo Zürich hat sich seit 2017 mit 100’000 Franken an dem Projekt beteiligt.

Erstellt: 17.07.2019, 14:53 Uhr

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