Zwei Millionen für unsichere Bike-Anlage

Die Bike-Szene macht sich Sorgen um ihre Sicherheit: Beim Sihlcity soll für sie eine Zwei-Millionen-Anlage der Stadt entstehen. Die verwendeten Materialien könnten bei Stürzen verheerende Folgen mit sich bringen.

Schwere Stürze, harte Landung? Eine Visualisierung der geplanten Bike-Anlage beim Sihlcity.

Schwere Stürze, harte Landung? Eine Visualisierung der geplanten Bike-Anlage beim Sihlcity. Bild: pumptracks.ch

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Für rund zwei Millionen will die Stadt beim Sihlcity eine Aussenanlage für Biker bauen. Dazu sollen auch Sprunghügel, sogenannte Dirtjumps, gehören. Die Bikeszene wartet seit Jahren auf die Anlage, doch das nun geplante Projekt sorgt für rote Köpfe. Der Grund: Statt aus Erde und Lehm soll die Dirtjump-Anlage aus einem harten Material gebaut werden. Die Biker befürchten grosse Verletzungsgefahr.

Thomas Brunner, Präsident des Vereins NT Dirt, sagt klar: «Weltweit ist es so, dass Dirt Tracks aus einem Lehmgemisch bestehen. Dies gehört einerseits zur Kultur des Sports, andererseits gibt es ganz praktische Gründe.» Dazu gehöre allem voran die Sicherheit der einzelnen Fahrer. «Lehm kann zwar hart werden, aber nie so hart wie das Material, das nun geplant ist.» Grobe Verletzungen bei Sprüngen seien deshalb nicht auszuschliessen. Auch bei weniger schweren Stürzen drohe Gefahr: «Ob einfach nichts passiert oder gleich beide Hände offen sind, macht sehr wohl einen Unterschied.»

Ganzjährig nutzen ist unnötig

Zudem sei es wichtig, dass die Fahrbahn nachträglich angepasst werden könne, was bei einem festen Material nicht möglich sei. Für Brunner macht es deshalb keinen Sinn, eine Anlage zu bauen, die zwar ganzjährig befahrbar sei, aber dafür mehr Gefahren in sich berge und nicht modulierbar sei. «Auch für unseren Sport gilt, was beim Skifahren für jeden normal ist: Es muss nicht ganzjährig möglich sein, ihn auszuüben.»

Lukas Handschin, Sprecher von Grün Stadt Zürich, bestätigt, dass die Stadt für die Bike-Anlage einen stabilisierten Kiesbelag favorisiert, weil sonst der Unterhalt schwierig würde. «Unsere Erfahrung zeigt, dass eine Anlage aus Lehm bei Regen jeweils abgedeckt werden müsste.» Dies fordere personelle Ressourcen, welche die Stadt schlicht nicht habe.

Stadt will Biker miteinbeziehen

Man wolle aber auf keinen Fall etwas bauen, das bei den Nutzern auf Ablehnung stosse. Deshalb sei man mit Bikern in Kontakt und kläre ab, ob der Unterhalt einer Lehmanlage – gegen Entgelt – von Exponenten der Szene übernommen werden könnte. Bisher sei das Projekt noch nicht definitiv abgesegnet, weshalb man für die Biker Anpassungen vornehmen könne.

Eines ist für Handschin aber klar: Die Biker werden länger als geplant auf ihre Anlage warten müssen, «wenn wir nochmals grundsätzlich über die Bücher müssen.» Eigentlich hätte sie im Herbst 2012 fertiggestellt sein sollen. Eine Sitzung am 24. Januar soll nun klarstellen, wie es im Streit um die Dirtjumps weitergeht.

Erstellt: 10.01.2012, 15:07 Uhr

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