Zwergenmangel bei den Chläusen

Dem Samichlaus gehen die Helfer aus. Inzwischen hat sich das Nachwuchsproblem sogar auf die ganz Kleinen ausgeweitet.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Er ist seit rund 70 Jahren fester Bestandteil der Zürcher Agenda: Der Samichlaus-Umzug in der Innenstadt. Am 26. November zieht der «Oberchlaus» mit seinen Amtskollegen und den Schmutzlis wieder durch die Bahnhofstrasse, verteilt Lebkuchen an die Schaulustigen und läutet so die Chlausenzeit in Zürich ein.

So zumindest sieht es das offizielle Programm vor. Doch hinter den Kulissen rotieren die Verantwortlichen: Der Chlaus sollte am Umzug von 120 Zugzwergli begleitet werden. Bis heute sind aber erst 65 Kinder angemeldet. Die St. Nikolausgesellschaft der Stadt Zürich sucht daher dringend noch Kinder im Alter von 4 bis 9 Jahren, die mitmachen wollen. «Als Dankeschön gibt es für jedes Kind selbstverständlich einen prall gefüllten Chlaussack», sagt Präsident Dölf Hitz zu Tagesanzeiger.ch/Newsnet.

Als Schmutzli in die Chlausenlehre

Aufgabe der Kinder wäre es, während des Umzugs einen Teil der 16 Sujetwagen zu ziehen. «Selbstverständlich nur die leichten, die schweren Wagen werden von Pferden gezogen», betont Hitz. Jahrelang hätten ganze Schulklassen an dem Anlass teilgenommen. Das sei heute kaum mehr der Fall. Woran das liegt, weiss Hitz nicht. «Vielleicht wollen die Lehrer nicht noch mehr Aufwand in ihrer Freizeit betreiben, als sie ohnehin schon müssen.»

Das ist aber nicht das einzige Nachwuchsproblem der Nikolausgesellschaft. Auch an Schmutzlis mangelt es mächtig. «Eigentlich müssten wir 15 neue Schmutzli haben. Wir sind aber um jeden froh, der sich meldet», sagt Hitz. Mehr ruprechtsches Personal ist dringend nötig, denn sonst werden in Zürich auch die Samichläuse knapp. «Bevor jemand als Samichlaus zu den Kindern gehen kann, muss er erst zwei Jahre als Schmutzli mit dabei sein, also quasi eine Lehre absolvieren.»

Seit rund zehn Jahren habe die Gesellschaft immer mehr Probleme damit, neue Schmutzlis zu finden. Das hängt gemäss Hitz mit der steigenden Arbeitsbelastung zusammen. «Alle müssen länger arbeiten und haben weniger Freizeit. Früher waren Arbeitgeber dazu bereit, ein, zwei Freitage für gemeinnützige Arbeit zu gewähren. Das ist heute leider nicht mehr so.»

Verstärkung für das Chlaustrio

Ziel sei es, wieder 40 sogenannte Chlaustrios aufzubauen, die in der Stadt unterwegs sein können, sagt der Präsident der Nikolausgesellschaft. Ein solches Trio bestehe aus einem Samichlaus, einem Schmutzli und einem Fahrer. «Derzeit haben wir aber nur 33 solcher Chlaustrios.» Um Schmutzli zu werden, muss man laut Hitz Kinder mögen und allgemein gut mit Menschen umgehen können. Und man muss Zeit haben: Vom 1. bis zum 9. Dezember sind die Chlausetrios täglich von 8 bis 22 Uhr unterwegs. Vier Einsätze muss jeder mindestens leisten. Daneben findet am 11. November eine ganztägige Schulung für altgediente und angehende Schmutzlis statt.

Die Nikolausgesellschaft ruft daher alle Interessenten dazu auf, sich zu melden. Auch für eine Teilnahme als Zwergli am Samichlaus-Umzug ist eine Anmeldung noch möglich. Die Kinder treffen sich am Sonntag, 26. November 2017, im Lochergut, wo sie als Zwerge verkleidet werden. Dann gehts gemeinsam im Tram zum Startpunkt des Umzugs. Die Eltern können ihre Zwerge nach dem Umzug im Lochergut wieder abholen.

Anmeldungen nimmt die Nikolausgesellschaft unter der Mailadresse material@samichlaus-zuerich.ch entgegen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.11.2017, 15:59 Uhr

Artikel zum Thema

Was sagt der Samichlaus?

Texten Sie die neue Schaadzeile! Der beste Vorschlag gewinnt eine signierte Zeichnung des Schaadzeilen-Cartoons. Mehr...

«Einen ‹Füditätsch› gibts nie»

Interview Wo wohnt der Samichlaus? Welchen Zweck hat die Rute? Diese und weitere Fragen beantwortet der Samichlaus im Interview. Mehr...

«Der Samichlaus ist so was wie ein Seelenklempner»

Für den Samichlaus beginnt die 25. Saison im Waldhüsli auf dem Käferberg. Gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet erzählt er, welch rührende Szenen sich in dem kleinen Blockhaus bereits abgespielt haben. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Festival vereint die verschiedenen Kulturen des Landes: Eine Frau singt und tanzt bei einem Strassenfest in Südafrika in einem traditionellen Kleid. (14. Dezember 2018)
(Bild: Rajesh JANTILAL) Mehr...