Abfuhr für die ZKB-Seilbahn

Das Zürcher Stadtparlament sprach sich gegen die geplante ZKB-Seilbahn über den See aus. Eine Resolution von AL und Grünen wurde klar angenommen.

Rückschlag für die Bank: Die geplante Seilbahn fällt im Stadtparlament durch. (2. November 2018)

Rückschlag für die Bank: Die geplante Seilbahn fällt im Stadtparlament durch. (2. November 2018) Bild: Keystone/Handout ZKB

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Es soll ein Jubiläumsgeschenk an die Bevölkerung werden: Zu ihrem 150-Jahr-Jubiläum im Jahr 2020 will die Zürcher Kantonalbank eine Seilbahn zwischen der Landiwiese und dem Zürichhorn errichten, die fünf Jahre in Betrieb bleiben soll. Kostenpunkt: Schätzungsweise 60 Millionen Franken.

Doch das Geschenk stösst auf Widerstand. Bei Anwohnern, Quartiervereinen, der Interessengemeinschaft Seebecken Seilbahnfrei und beim VCS, der die Seilbahn auf juristischem Weg stoppen will.

Gegen Europa-Park am See

Gestern Abend folgte der nächste Dämpfer. Mit 71 Ja zu 39 Nein bei 2 Enthaltungen hat der Zürcher Gemeinderat einem Beschlussantrag von AL und Grünen zugestimmt. Dieser fordert den Stadtrat mittels einer – rechtlich nicht bindenden – Resolution auf, sich gegen das Seilbahnprojekt einzusetzen.

Das Projekt «Züri-Bahn» sei weder innovativ noch nachhaltig, kritisierten Mischa Schiwow (AL) und Luca Maggi (Grüne). Eine solch grosse Investition für ein Projekt, das nach fünf Jahren wieder abgebrochen wird, sei nicht wirtschaftlich und stelle keine Verkehrslösung für die Verbindung der beiden Seeufer dar.

Die Quartiere rund um das Seebecken seien schon heute stark belastet, sodass es eine reine Vergnügungs- und Touristikbahn ohne Anbindung an den öffentlichen Verkehr nicht brauche. Statt für eine Seilbahn soll sich der Stadtrat für eine dauernde Schiffsverbindung zwischen den beiden Seeufern einsetzen. Schiwow (AL) nannte das Geschenk eine Zumutung für Stadtbewohner. Luca Maggi (Grüne) warnte vor einer «Europa-Parkisierung des Seebeckens». Simon Kälin (Grüne) sprach von einem gigantösen Werbeprojekt der Staatsbank.

Die SP war gespalten und hatte Stimmfreigabe beschlossen. Felix Stocker (SP) sprach von einem reinen Tourismusprojekt und kritisierte, dass die ZKB den Gemeinderat bei dem Projekt nicht einbezogen habe. Auch die GLP hatte Stimmfreigabe beschlossen.

Video: Design steht fest: So soll die Züri-Bahn aussehen

Kommt die Realisierung der Seilbahn in der Stadt Zürich weiter voran? (Video: SDA/ZKB)

Gegen die Seilbahn sprach sich Ernst Danner (EVP) aus. Die ZKB solle die vielen Millionen besser anders verwenden, etwa für ein Gratis-Sparbüchlein für alle Kantonsbewohner

«Durchhalten, ZKB!»

Roger Bartholdi (SVP) konnte die Kritik nicht nachvollziehen und zeigte sich überzeugt: «Viele Menschen werden Freude haben an der Seilbahn.» Auch der Preis für eine Fahrt von 14 Franken sei vertretbar. Er erinnerte zudem an den Richtplaneintrag, der genau eine solche Seilbahn vorsehe, und warnte vor einem «gefährlichen Signal»: «Irgendwann schmeisst die ZKB den Bettel hin.» Urs Fehr (SVP) hoffte, dass sich die Bank durch die «arrogante Haltung» der linksgrünen Ratsseite nicht einschüchtern lasse: «Hopp ZKB!»

Alexander Brunner (FDP) warf der linksgrünen Seite vor, nichts mehr wagen zu wollen: «Sie sind konservative Spassbremsen!» Laut Michael Schmid (FDP) ist es «schlicht und einfach falsch», dass die Seilbahn die Sicht in die Berge verschandle. Vielmehr biete sie ihren Benützern eine völlig neue Perspektive auf die Stadt, den See und das Bergpanorama. «Da können Sie jene fragen, die 1959 mit der Seilbahn über den See fuhren, die waren alle begeistert.»

Der Stadtrat, der der ZKB-Seilbahn positiv gegenüber steht, äusserte sich gestern Abend nicht.

Erstellt: 09.01.2019, 20:15 Uhr

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