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Adieu «Casablanca»

12 Jahre prägte das Café die Langstrasse. Jetzt ist Schluss. Küss mich, als wärs das letzte Mal!

Das legendäre Café Casablanca schliesst seine Türen.
Das legendäre Café Casablanca schliesst seine Türen.
Rafaela Roth
Das Café prägte seit 12 Jahren das Strassenbild der Langstrasse.
Das Café prägte seit 12 Jahren das Strassenbild der Langstrasse.
Rafaela Roth
Die Lokalität soll ein Gastro-Betrieb bleiben.
Die Lokalität soll ein Gastro-Betrieb bleiben.
Rafaela Roth
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Die Einladung zur Abschlussparty kommt unvermittelt: «Nach 12 Jahren an der wildesten Strasse der Stadt schliesst das Casablanca seine Türen», steht in einem Mail an die Redaktion. «Bevor wir nostalgisch werden, wollen wir aber noch eine letzte Party feiern.»

Ein Herz aus Stein, wer da nicht schon jetzt nostalgisch wird! Das Café Casablanca gehört zur Langstrasse wie die Glasscherben auf dem Asphalt nach dem Wochenende. «Solche Cafés haben wohl einfach eine Halbwertszeit», sagt die Kellnerin am Mittwochmorgen an der Bar und zuckt ratlos mit den Schultern. Die Stammgäste sind geschockt: «Ich komme seit Jahren her. Es ist sehr, sehr schade», sagt ein älterer Herr bei Kaffee und Zeitung.

Der Entscheid kam schnell. «Aber für mich war es der richtige Zeitpunkt», sagt die Geschäftsführerin Nina von Malaisé. Seit zwölf Jahren geschäftet sie im Casablanca. Seit längerem führt sie daneben mit einer Freundin, die selber lange im Casablanca gearbeitet hat, einen Kinderkleiderladen im Kreis 1. «Mein Leben hat sich verändert», sagt von Malaisé. «Ich habe selber Kinder. Jetzt sollen junge Menschen übernehmen.» Und vielleicht, vielleicht habe sie die Langstrasse langsam ein wenig «gesehen».

Vielleicht sind wir erwachsen geworden.

Betreiberin Nina von Malaisé

Geht es so wohl vielen der Casablanca-Generation? «Ja, vielleicht sind wir erwachsen geworden», sagt von Malaisé. Das Geschäft sei nach wie vor gut gelaufen. «Nur die Eröffnung der Bank habe ich nie verstanden», sagt die 45-Jährige. Das grosse Boulevardcafé nur ein paar Meter um die Ecke eröffnete im März 2016 mit grosser Aussenterrasse. Die Gastrogrössen Freddy Burger, Koni Frei, Yves Spink, Tom Maurer und Marc Blickenstorfer spannten zusammen. Knapp ein Jahr später stiegen alle bis auf Freddy Burger wieder aus, Bindella übernahm.

«Die haben sich ja selber die Kunden abgegraben», sagt von Malaisé. «Es brauchte einfach kein weiteres Café im Kreis 4.» Im Sommer durch den Tag habe das Casablanca den Kundenrückgang bemerkt.

Wie geht es weiter?

Nina von Malaisé übernahm das Lokal 2005. Ihre Vorgängerin führte 15 Jahre lang eine Jazz-Bar am selben Ort – ebenfalls unter dem Namen Casablanca. Wird der Name weiterleben? Und die Frauenherrschaft weitergehen? «Diese Themen sind absolut auf dem Tisch», sagt von Malaisé. Sie ist am Übergabeprozess aktiv beteiligt. Mehr will sie aber noch nicht verraten. Nur das noch: «Es wird kein Migrolino, kein Starbucks oder eine andere Kette sein.»

Also sagen wir «Adieu Casablanca» und bemühen dazu ein berühmt gewordenes Filmzitat aus dem gleichnamigen Liebesfilm: «Küss mich, als wärs das letzte Mal.»

Casablanca «Ustrinkete»: Freitag, 23. Juni um 19 Uhr. Musik: Spruzzi & French, Kommt und trinkt die letzten Flaschen leer!

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