Aktivisten besetzen Gelände im Zürcher Kreis 5

Die Besetzer wollen das ganze Wochenende bleiben und eine Diskussion über das geplante Bundesasylzentrum lancieren. Die Polizei toleriert die Veranstaltung.

Balone über dem Pfingstweidpark: Die Besetzer positionieren sich gegen das geplante Bundesasylzentrum. Bild: Urs Jaudas

Balone über dem Pfingstweidpark: Die Besetzer positionieren sich gegen das geplante Bundesasylzentrum. Bild: Urs Jaudas

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Mehrere Dutzend Aktivistinnen und Aktivisten haben am Freitagnachmittag um 16.15 Uhr ein Areal neben dem Pfingstweidpark im Kreis 5 besetzt. Die Stadtpolizei rückte sofort mit mehreren Patrouillen aus und nahm vor Ort Kontakt mit den Anwesenden auf, wie die Stadtpolizei in einer Medienmitteilung schreibt.

Der Ort ist bewusst gewählt: Auf dem Duttweiler-Areal vis-à-vis soll ein Bundesasylzentrum gebaut werden. Die Zürcher Stimmbevölkerung hat diesem Bau 2017 mit rund 70 Prozent der Stimmen zugestimmt.

Die Aktivisten machen mit einem Banner über der Pfingstweidstrasse auf sich aufmerksam. Bild: Urs Jaudas

Dagegen und gegen die Asylgesetzrevision, die am 1. März in Kraft trat, soll das ganze Wochenende mit verschiedenen Aktionen und Konzerten protestiert werden, wie die Besetzer, die unter dem Namen Gegenlager auftreten, in einer Medienmitteilung schreiben. In den Bundesasylzentren würden Menschen vom Rest der Gesellschaft isoliert, restriktiven Regeln unterworfen und fremdbestimmt, schreiben sie.

Die Polizei toleriert den politisch motivierten Anlass bis am Sonntagabend, schreibt sie in der Medienmitteilung. Dies habe sie nach Rücksprache mit der Sicherheitsvorsteherin Karin Rykart (Grüne) entschieden. Voraussetzung sei allerdings, dass die Veranstalter auf die Anwohnerschaft Rücksicht nehmen und das gesamte Areal in sauberem Zustand wieder verlassen. Die Polizei beurteilte die Stimmung auf dem Areal am frühen Abend als friedlich.

Die Polizei war vor Ort, hat sich aber mittlerweile zurückgezogen. Bild: zet

Dies ist auch der Eindruck auf dem Festgelände selber: Um 18 Uhr waren zwischen 100 und 200 Leute vor Ort, unter ihnen als prominenteste Vertreterin die Linksaktivistin Andrea Stauffacher. Eine Band spielte ohne Verstärker Musik, an der Soli-Bar verkaufte einer Bier. Weitere Stände waren im Aufbau. Ebenfalls im Aufbau befand sich eine Konzertbühne. Das ganze Gelände ist mit Plastikblachen vor Blicken von Aussen geschützt, auf dem Areal herrscht ein Fotografieverbot. Zugang zum Gelände haben Besucherinnen und Besucher einzig über die Fussgängerbrücke, die über die Pfingsweidstrasse führt. Am Eingang geben die Veranstalter den Besucher eine 20-seitige «Gegenlager»-Zeitung zum Asylzentrum und der Schweizer Asylpolitik und weitere Broschüren ab.

Zu Beginn der Besetzung hatte sich die Polizei mit Einsatzkräften in Vollmontur sowie einem etwas abseits postierten Wasserwerfer Präsenz gezeigt. Die Besetzer hatten sich voll vermummt hinter ihren Absperrungen verschanzt.

Die Besetzung erinnert an die Party, die vor einem Jahr auf dem Platzspitz stattgefunden hat. Auch damals hatten Aktivisten den Platz besetzt, um gegen die in ihren Augen zu repressive Ausländerpolitik zu demonstrieren. Die Aktion unter dem Namen «Parc sans Frontières» war von Polizei mittels Notbewilligung toleriert worden.

Erstellt: 24.05.2019, 17:06 Uhr

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