Alfred Heer tritt als Zürcher SVP-Parteipräsident zurück

Alfred Heer will sich auf seine Aufgaben im Nationalrat konzentrieren. Deshalb gibt er sein Amt in der Zürcher SVP per 28. April ab.

War sieben Jahre an der Spitze: Alfred Heer.

War sieben Jahre an der Spitze: Alfred Heer. Bild: Keystone

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Selbst für seine engsten Parteifreunde kam der Rücktritt von Alfred Heer überraschend. Alfred «Fredy» Heer war sieben Jahre lang Präsident der Zürcher SVP. Er löste damals den in den Bundesrat gewählten Ueli Maurer ab. Seinen Delegierten gab Heer gestern Abend bekannt, dass er sich mit neuem Engagement seinem Amt als Präsident der Geschäftsprüfungskommission des Nationalrats widmen wolle. Ausserdem ist Alfred Heer Präsident der Schweizer Parlamentarierdelegation im Europarat und weilt viel im Ausland.

In einem Mediencommuniqué lobte die SVP, dass Heer die Partei seit sieben Jahren umsichtig und erfolgreich geführt und auf Zürcher und schweizweiter Ebene gestärkt habe. Ausserdem habe er es geschafft, mit der SVP als stärkste Kraft wieder zwei Mitglieder in der Zürcher Regierung zu stellen. Zudem gelang es ihm, die viel kritisierte Dominanz von altgedienten Nationalräten aufzubrechen und bei den Wahlen im letzten Herbst einen Generationenwechsel herbeizuführen.

Wahlkampf als «Gaga» bezeichnet

Über die Gründe für Heers Rücktritt kann nur spekuliert werden. Das Verhältnis Heers zu Christoph Blocher und zur Parteielite war die meiste Zeit ganz offensichtlich getrübt. Der aus einfachen Verhältnissen im Kreis 4 stammende Heer hat nie in die Kreise um Blocher, Mörgeli und Walter Frey gepasst. Zudem hatte sich Heer in die Nesseln gesetzt, als er den mit Filmchen und Songs aufgepeppten Wahlauftritt der SVP erstaunlich ehrlich als «Gaga-Wahlkampf» kritisierte. Heer hatte sich vergeblich um wirtschaftsnähere Themen und gegen einen reinen Ausländerwahlkampf eingesetzt. Zudem hatte Heer als Präsident der grössten Kantonalpartei der Schweiz nur geringe Kompetenzen. Das Bonmot besagt, dass er für jede Briefmarke in Herrliberg habe betteln müssen.

Nach einem verhaltenen Start hatte Heer als Parteipräsident deutlich an Statur zugelegt. Seine Reden zur Lage der Nation gerieten in letzter Zeit fast zu blocherschen Galaauftritten. Deshalb gingen die meisten in der Partei davon aus, dass Heer noch ein paar Jahre bleibt. Der Kantonalvorstand wird an seiner Sitzung vom 5. April eine Kandidatur zuhanden der Delegiertenversammlung von Ende April vorschlagen. Als mögliche neue SVP-Präsidenten kommen Vizepräsident Gregor Rutz infrage, aber auch den neu gewählten Nationalräten Claudio Zanetti oder Bruno Walliser, der die Gemeinde Volketswil erfolgreich führt, ist eine Kandidatur zuzutrauen. Bei den älteren Nationalräten kämen Thomas Matter oder Hans Egloff infrage. Die Frage ist allerdings bei vielen Kandidaten, ob sie bereit sind, ein derart intensives, aber kaum bezahltes Ehrenamt auf sich zu nehmen.

Erstellt: 28.01.2016, 22:10 Uhr

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