Das Zürich der Zukunft ist ein finsterer Ort

Zürich im Jahr 2117: Die Stadt ist Kulisse für ein neues Game mit historischem Vorbild.

Freiheitskampf mit Alice: Die Heldin muss im Zürich des Jahres 2117 verschiedene Aufgaben lösen. (Video: reformatzgame.ch/Blindflug Studios)

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Regen prasselt auf die Dächer der Zürcher Altstadt nieder. Ein paar Leuchtreklamen bringen etwas Licht in die Gassen des Niederdorfs. Sonst herrscht Finsternis. So sieht Zürich in 100 Jahren aus – zumindest jenes, das die Entwickler von Blindflug Studios kreiert haben.

In dem Game «(re)format Z:», das ab heute Donnerstag für Mac iOS oder Android erhältlich ist, bestimmt die Libria Corporation, eine fiktive Gesellschaft, die Geschicke der Stadt und kontrolliert die Bevölkerung. Alice arbeitet als Programmiererin für die Organisation. Als sie versucht, sich ins Protokoll von Libria zu hacken, wird die mysteriöse Untergrundorganisation «Der Widerstand» auf sie aufmerksam und Alice zur Revolutionärin. Doch damit gerät sie in Gefahr, denn nun steht sie in der Schusslinie von Libria.

Game als Geschichtslektion

Was wie eine beängstigende Zukunftsvision von Zürich wirkt, ist eigentlich eine Lektion in Geschichte. Denn Blindflug hat das Game im Zusammenhang mit den europaweiten Reformationsfeierlichkeiten kreiert. Es ist Teil des Festivals «500 Jahre Zürcher Reformation», das noch bis Anfang 2019 dauert und an dem verschiedene Institutionen der Stadt sowie Künstler und Wissenschaftler teilnehmen. Ziel des Games sei es, den Reformationsgedanken, bei dem es um Freiheit und das Hinterfragen von Normen geht, in die Zukunft zu versetzen, sagt Dominik Wolfinger, der die Geschichte des Spiels entwickelt hat.

Bei der Ausgestaltung der Libria Corporation hat sich Wolfinger an der damaligen Kirche orientiert. Es gehe aber nicht darum, eine Institution oder einen Glauben anzugreifen, sondern einen spielerischen Zugang zu einem ernsten Thema zu ermöglichen und so die Grundsätze der Reformation zu vermitteln.

Eine Frau als Hauptfigur

Die Heldin des Spiels ist Zwingli nachempfunden. Wie Zwingli damals die Kirche sah, sieht Alice das System Libria. Und wie er als Priester ist auch sie als Programmiererin Teil dieses Systems und erkennt so dessen Missstände. «Wir haben uns für eine Frau als Heldin entschieden, weil es in Computerspielen kaum Frauen als Hauptfiguren gibt. Dabei sollte das eine Selbstverständlichkeit sein», sagt Wolfinger.

Alice kämpft gegen Libria: Video-Still aus dem Game von Blindflug Studios

Selbstverständlich war für die Macher auch, dass das Zürich der Zukunft ein finsterer Ort sein muss. Das funktioniere besser, als wenn immer die Sonne scheinen würde, sagt Wolfinger. Schliesslich seien ja auch die Themen ernst und trügen meist einen Konflikt in sich. «Es wäre weniger interessant, wenn alles positiv wäre. Dann gäbe es ja nichts zu tun.» Seit den 70er-Jahren bestehe die ganze Science-Fiction-Narration aus düsteren Bildern. «Da gibt es gewisse Codes, an denen man sich orientiert: Es ist immer Nacht, es gibt ganz viel Neon.»

Realistisches Abbild der Zürcher Altstadt

Das Setting des Spiels sollte aber keine Fantasiezukunft sein. Die Macher von Blindflug wollten etwas Realitätsnahes schaffen, eine mögliche Weiterentwicklung des Istzustands. Alles spielt im Niederdorf, das Blindflug exakt nach den offiziellen Plänen der Stadt generiert hat. Das Game ist auch auf Schweizerdeutsch spielbar. In einer Audioversion lesen Schauspieler die Texte auf Schweizerdeutsch.

Um mit Alice gegen Libria anzukämpfen und Zürich vor der totalen Kontrolle zu retten, braucht es übrigens keine Programmierkenntnisse, obwohl es darum geht, mit der Hauptfigur zusammen das System zu hacken. Die Aufgaben, die Alice lösen muss, sind laut Wolfinger reine Logikrätsel. «Wir sind davon überzeugt, dass alle einen Spieltrieb in sich haben – unabhängig von Alter, Geschlecht oder Bildung. Deshalb haben wir das Game so gestaltet, dass alle es spielen können.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.11.2017, 10:06 Uhr

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