«Alle drei Jahre liegt das drin»

Sie hat das Züri-Fäscht bewilligt, obwohl dessen Ausmasse vielen grünen Parteimitgliedern missfallen. Unterwegs auf dem Festgelände mit Sicherheitsvorsteherin Karin Rykart.

Entspannt in der Menge: Karin Rykart, die Chefin des drittgrössten Schweizer Polizeikorps, kann unbehelligt durchs Züri-Fäscht spazieren. Foto: Urs Jaudas

Entspannt in der Menge: Karin Rykart, die Chefin des drittgrössten Schweizer Polizeikorps, kann unbehelligt durchs Züri-Fäscht spazieren. Foto: Urs Jaudas

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Alle wollten das Gleiche wissen von Karin Rykart vor dem Züri-Fäscht: Ob dieser Druck sie nicht fertigmache; die Verantwortung dafür, dass die unzähligen Leute, die ins Stadtzentrum strömen, wieder heil nach Hause kommen. Nein, sagt die grüne Stadtzürcher Sicherheitsvorsteherin, das bereite ihr keine schlaflosen Nächte. Sie gehöre nicht zu den Menschen, die stets mit dem Schlimmsten rechneten. Ihr Departement unternehme alles, dass nichts passiere.

Das Vertrauen hat sich gelohnt. Schlägereien gab es, ­Verladene, Taschendiebe, einen Schwerverletzten. Aber dafür, dass sich auf engem Raum 2,5 Millionen Menschen ballten, geschah eigentlich wenig.

Grösser darfs nicht werden

Am späten Samstagnachmittag schaut Karin Rykart aus ihrem Büro im Urania-Amtshaus, der Blick geht über das Limmatquai. Das Gewitter hat sich verzogen, rasch füllen sich die Strassen. Rykart zeigt auf rote Abschrankungen, die unauffällig zwischen Festapparaturen stehen. «Unsere neuen Terrorsperren.» Sie verhindern, dass Autos ins Festgelände rasen können.

Drohnenshow, Feuerwerke und ein Selfie mit Zwingli: Sehen Sie die Highlights im Video. (Video: Tamedia)

Draussen, auf einem Rundgang durch die grösste Party der Schweiz, weist die 48-Jährige immer wieder darauf hin, wo sich «ihre» Leute aufgestellt haben. Nach einem Jahr im Amt hat sie ein Auge dafür entwickelt. Wichtig sei eine gut dosierte Sichtbarkeit. «Wenn die Menschen regelmässig Polizisten antreffen, erhöht dies das Sicherheitsgefühl. Treten zu viele Uniformierte auf, wirkt das bedrohlich.»

Schon als Teenager aus dem Aargau fuhr Rykart ans Züri-Fäscht. Später schaute sie sich mit ihren Kindern das Feuerwerk an, eine Besucherin unter vielen. Heute muss die ganze Veranstaltung über ihren Schreibtisch, für alle Bewilligungen hat Rykart dem Gesamtstadtrat einen Antrag vorgelegt – auch für Dinge, die in ihrer Partei schlecht ankommen: für das Feuerwerk und die Flugshows, für die Bahnen, die den Sechseläutenplatz noch eine Woche besetzen.

Vor drei Jahren wollten SP, AL und Grüne die Jets am Himmel verbieten. Der Vorstoss scheiterte knapp (heute hätten die drei Parteien eine Mehrheit dafür). Die Linke warf dem Züri-Fäscht Gigantismus vor: zu viel Abfall, zu viel Spektakel. 2019 ist diese Kritik in der Mitte angekommen. Sogar die Migros will kein Feuerwerk mehr verkaufen.

Rykart, die Grüne, hat alles bewilligt. Obwohl sie dem Gesamtstadtrat ein Nein hätte empfehlen können. Dieses Mal habe das Parlament keine Forderungen gestellt, sagt sie. «Ich habe auch darauf geachtet, dass das Fest nicht mehr wächst.» Die Kapazitätsgrenzen seien erreicht.

Die Polizei hat Feriensperre

Richtung Bellevue verdichtet sich die Menge. Die Chefin des drittgrössten Schweizer Polizeikorps bewegt sich frei und unbehelligt durch die Menschenmassen. Personenschutz brauche sie nicht, sagt sie. Dabei wurde kürzlich ihr Haus versprayt, zum zweiten Mal dieses Jahr. Die Täterinnen kommen aus der linksautonomen Frauenbewegung, die sich von Rykarts Polizei gegängelt fühlt. Mit solchen Attacken könne sie umgehen, sagt Rykart.

Das Züri-Fäscht fordert viel von ihrem Departement. Für das Personal gilt Feriensperre – wie an der Street Parade. Fast alle müssen arbeiten. Das Nervenzentrum des Einsatzes befindet sich im Urania-Amtshaus, nicht weit von Rykarts Büro. Im Kommandoraum laufen alle Informationen zusammen, Bildschirme zeigen die Aufnahmen der Überwachungskameras, welche die Stadtpolizei für Grossveranstaltungen montiert hat. Auch der gemietete Helikopter, der über der Stadt kreist, sendet Bilder. «Dank dieses Überblicks können wir schnell reagieren, wenn es heikel wird», sagt Rykart.

Am Züri-Fäscht mischt sich Käsegeruch mit Grillrauch. Schlager übertönt Techno. Foto: Urs Jaudas

Die Stadträtin erreicht das Bellevue. Über Ostern kam es hier zu Ausschreitungen. Als Antwort installierte die Polizei am Utoquai zusätzliche Lampen, schnitt Büsche zurück, schickte mehr Personal. Dazu hängte sie temporäre Überwachungskameras auf, was viele aus dem linken Lager kritisierten. Noch den ganzen Juli filmen sie. «Die Massnahmen haben genützt», sagt Rykart. Seit Ostern ist es ruhig geblieben. «Wir werden Ende Sommer analysieren, was den Ausschlag dafür gab und ob es die Kameras wieder braucht.»

Weiter gehts zum Bürkliplatz, hier herrscht Rundum-Bereizung. Käsegeruch mischt sich mit Grillrauch. Schlager übertönt Techno. Lautsprecherstimmen künden Attraktionen an.

Karin Rykart wirkt nicht so, als ob sie als Zivilistin mitfeiern würde. Trotzdem sagt sie: «Wenn ich alle diese zufriedenen Leute sehe, halte ich die Bewilligung des Fests für angebracht. Alle drei Jahre liegt das drin.»

Erstellt: 07.07.2019, 21:50 Uhr

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