Mietzins-Wucher – Hausbesitzer in U-Haft

Das Gericht hat Untersuchungshaft gegen vier Verdächtige angeordnet. Die Staatsanwaltschaft hat hohe Vermögenswerte beschlagnahmt.

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Am Dienstag haben Kantons- und Stadtpolizei Zürich eine grosse Razzia in drei Liegenschaften an der Neufrankengasse und Magnusstrasse im Kreis 4 durchgeführt. Der Grund: Dem Immobilienbesitzer Peter Sander sowie drei seiner Mitarbeiter wird vorgeworfen, Mietzinse verlangt zu haben, die im offensichtlichen Missverhältnis zu den vermieteten Wohnungen stehen. Dadurch sollen sie die Notlage der auf die Wohnungen angewiesenen Mieter – meist Sozialfälle – ausgenutzt haben, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft.

Die Staatsanwaltschaft hat gegen den Eigentümer der Liegenschaft und drei seiner Mitarbeiter ein Verfahren wegen gewerbsmässigen Wuchers eröffnet. Gewerbsmässiger Wucher wird mit einer Freiheitsstrafe von einem bis zehn Jahren bestraft. Die vier Personen wurden verhaftet. Es handelt sich dabei um den 49-jährigen Peter Sander aus Küsnacht. Er lebt dort mit seiner Frau in einer Villa. Ebenfalls verhaftet wurde ein Bautreuhänder und dessen Geschäftspartnerin, das Paar wohnt in der gleichen Villa wie Sander. Zudem hat die Polizei den libanesischen Hausabwart der drei betreffenden Liegenschaften im Kreis 4 festgenommen.

Gleichzeitig haben die Staatsanwaltschaft und die Polizei Hausdurchsuchungen bei den vier Beschuldigten durchgeführt. Dabei konnten beträchtliche Vermögenswerte sichergestellt werden, wie die Oberstaatsanwaltschaft in einer Medienmitteilung schreibt.

100 Beamte und zwei Dutzend Dolmetscher

Die vier Beschuldigten sind am Mittwoch ein erstes Mal staatsanwaltschaftlich befragt worden. Das Zwangsmassnahmengericht hat gestützt auf den Antrag der verfahrensleitenden Staatsanwältin am Donnerstag für alle vier Beschuldigten Untersuchungshaft angeordnet.

Das sehr umfangreiche Verfahren wird noch längere Zeit in Anspruch nehmen. Es gelte nun vorerst, die durch die Polizei getätigten zahlreichen Befragungen der Mieter sowie das sichergestellte Material auszuwerten und zu beurteilen, schreibt die Oberstaatsanwaltschaft. Für alle vier Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.

Bei der Razzia vom Dienstag war die Polizei mit einem Grossaufgebot vor Ort: Rund 100 Beamte und zwei Dutzend Dolmetscher fuhren vor und befragten die Bewohner der drei Liegenschaften. Ein Grossteil der insgesamt 120 Personen sind IV- oder Sozialhilfebezüger, viele werden von der Stadt Zürich unterstützt. Für ein Zimmer mit rund 10 bis 20 Quadratmeter verlangte Peter Sander eine Miete von über tausend Franken pro Monat. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.10.2015, 17:42 Uhr

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