Allergiker leiden wegen Weihnachtsbeleuchtungen

In Zürich leiden erste Patienten unter Heuschnupfen. Der Leiter der Allergiestation am Unispital weiss, was das mit Problempflanzen und den Festtagen zu tun hat.

Erkältung oder Heuschnupfen: In Zürich ist beides möglich.

Erkältung oder Heuschnupfen: In Zürich ist beides möglich. Bild: Keystone

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Herr Schmid-Grendelmeier, kann es sein, dass die Heuschnupfensaison alljährlich früher beginnt?
Die Saison verschiebt sich nicht jedes Jahr noch weiter nach vorn. Aber es ist tatsächlich so, dass die ersten Heuschnupfenfälle inzwischen bereits Mitte Dezember auftreten.

Worauf führen Sie dies zurück?
Es gibt verschiedene Gründe. Einerseits werden die Winter immer wärmer. Die Bäume beginnen früher zu blühen. Der Pollenflug startet bei den Haselsträuchern inzwischen schon im Januar, was klar mit den steigenden Temperaturen zu tun hat. Andererseits gibt es importierte Problempflanzen, die aus kälteren Regionen stammen und in unserem milden Klima bereits jetzt Frühlingsgefühle haben.

«Es gibt importierte Problempflanzen, die aus kälteren Regionen stammen und in unserem milden Klima bereits jetzt Frühlingsgefühle haben.»Peter Schmid-Grendelmeier,
Leiter Allergiestation, Universitätsspital Zürich

Welche Problempflanzen sind das?
Es ist vor allem die Purpurerle, die all jenen zu schaffen macht, die auf sogenannte Nordbäume allergisch sind – also Birken, Erlen und Haseln. Die Purpurerlen stammen ursprünglich aus Sibirien und sind entsprechend harte Winter gewohnt. In Sibirien würden sie erst im Februar blühen. Weil es hier aber sehr viel milder ist, beginnen sie bereits Mitte Dezember damit und die Vorweihnachtszeit kurbelt diesen Prozess zusätzlich an.

Was hat Weihnachten mit dem Pollenflug zu tun?
Wie alle Pflanzen reagiert auch die Purpurerle stark auf Licht. Sobald die Tage länger werden, startet ihr Pollenflug. Um die Weihnachtszeit werden Strassen und Häuser mit Leuchtketten versehen. Das viele Licht sorgt wohl mit dafür, dass die Pflanze schon im Dezember blüht. Sie gerät wie wir alle zu den Festtagen regelrecht in Feststimmung.

In dieser Jahreszeit leiden allerdings auch viele unter Schnupfen oder Husten. Woran erkennt man denn, dass es sich um einen Heuschnupfen handelt?
Bei Heuschnupfen ist der Ausfluss nicht schleimig, sondern wässrig. Wer Heuschnupfen hat, verbraucht bis zu 20 Taschentücher am Tag, muss meist mehr als dreimal hintereinander niesen – wir nennen es Kettenniesen. Nase und Augen jucken ständig – manchmal auch die Ohren –, und meist tritt auch eine Bindehautentzündung auf. In schweren Fällen kann es bis zu Atemnot und Asthma führen.

Kann man denn etwas dagegen machen?
Man muss dafür sorgen, dass möglichst wenig Pollen in die Schleimhäute geraten. Beispielsweise indem man eine Brille trägt. Am Abend sollte man unbedingt die Haare gut ausbürsten oder waschen, damit die Pollen nicht ins Kopfkissen und von da in die Nase gelangen. Es gibt auch die Möglichkeit, an den Fenstern einen Pollenschutzfilter einzubauen oder in der Wohnung ein Luftreinigungssystem einzubauen. Ein solches Gerät zieht die Luft an, filtert die Pollen raus und entlässt saubere Luft in den Raum.

Wie kann ich herausfinden, ob ich auf etwas allergisch bin?
Wir haben eine App entwickelt, auf der man die Symptome eingeben kann. Daraus lässt sich dann ableiten, ob eine Allergie vorliegt und auf welche Pflanze man allergisch sein könnte. Die Daten werden anonym erfasst und gesammelt, um daraus Rückschlüsse auf die allgemeine Entwicklung der Allergien in der Bevölkerung zu ziehen und die Therapiemöglichkeiten zu verbessern. Es ist die bislang grösste wissenschaftliche Studie zu Pollenallergien in der Schweiz. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.12.2018, 14:33 Uhr

«Wegen der Weihnachtsbeleuchtung gerät die Pflanze wie wir alle zu den Festtagen regelrecht in Feierstimmung»: Peter Schmid-Grendelmeier, Leiter Allergiestation, Universitätsspital Zürich. (Bild: Thomas Egli)

Die Purpurerle in der Stadt Zürich

Seit der Grabser Hausarzt Dr. Markus Gassner 2013 im «New England Journal of Medicine» darauf aufmerksam machte, dass Purpurerlen in der Schweiz bereits zu Weihnachten blühen können und nicht wie bis anhin angenommen erst im Februar, ist Grün Stadt Zürich in regelmässigem Kontakt mit der Allergiestation des Zürcher Universitätsspitals.

Ausgehend von den wissenschaftlichen Erkenntnissen pflanzt die Stadt Zürich Purpurerlen (Alnus Spaethii) seit 2014 nicht mehr als Strassenbäume. Sie werden aber auch nicht gefällt. Derzeit stehen noch rund 300 dieser Bäume auf öffentlichem Grund in der Stadt Zürich. Die Standorte sind im städtischen Baumkataster zu finden. (tif)

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