Als in Zürich-West noch Schiffe gebaut wurden

Zürich hat eine reiche industrielle Vergangenheit. Bis in die Sechzigerjahre war die Stadt eine Stadt der Fabriken.

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Zürich ist privilegiert. Und das war die Stadt schon immer: Zürich war zu Beginn des 19. Jahrhunderts der am meisten von der Industrie geprägte Kanton der Schweiz. Neben Flüssen und Bächen, die für die Energie sorgten, war hier auch reichlich Kapital vorhanden. Das städtische Gewerbe entstand beim Mühlesteg und bei der Walche, die ersten Fabriken wurden in Riesbach erbaut; hier sorgten zahlreiche Bäche für die nötige Antriebskraft.

Die Fotos sind spektakulär, weil sie zeigen, in wie kurzer Zeit sich die Stadt Zürich radikal verändert hat.

Mit der Bahn verschob sich auch die Industrie: Vom Hauptbahnhof limmatabwärts, in die Gemeinde Aussersihl. Vor 125 Jahren wurde Aussersihl eingemeindet - und zum Anlass dieses Jubiläums hat die Stadt in ihren Archiven gewühlt. Zum Thema «Industrie und Gewerbe» gibt es zahlreiche und spektakuläre Fotos. Spektakulär, weil sie zeigen, in wie kurzer Zeit sich die Stadt Zürich radikal verändert hat. Von der schmutzigen Industriestadt zum (auch nicht immer sauberen) Bankenplatz.

Ein wichtiges Sujet auf den Archivbildern: Escher Wyss. 1805 als Baumwollspinnerei bei der Neumühle gegründet, entwickelte sie sich bald zur Maschinenfabrik, notabene zur grössten der Schweiz. 1855 zählte Escher Wyss mehr als 1100 Arbeiter - zu viele für den bestehenden Standort. Die Fabrik «zügelte» in die Hard, beim heutigen Escher-Wyss-Platz. Von «15’000 Quadratmetern Musterbetrieb mit Gleisanschluss» schreibt die Stadt. Wichtiger als die nahe Limmat war der Anschluss an die Bahn; die Energie lieferte das Elektrizitätswerk in Bremgarten.

Die Bilder aus jener Epoche zeigen so Ungewohntes wie Überraschendes. Etwa die riesigen Dampfturbinen, die von Zürich aus in alle Welt geliefert wurden. Oder den Bau von Schiffen, einer Auto- oder Fahrradfabrik - oder den Blick in eine Zigarettenfabrik. Neben den grossen Fabriken wie eben Escher Wyss, Maag oder der MFO gab es zahlreiche kleinere industrielle und gewerbliche Betriebe in der Stadt Zürich.

Diese blieb bis in die 60er-Jahre eine Industriestadt, 1965 waren in Zürich 125’000 Menschen in der Industrie beschäftigt, was ein Höhepunkt bedeutete. Heute sind es noch 30’000 Personen, der dritte Sektor (Dienstleistung) umfasst knapp 430’000 Arbeitsplätze.

Erstellt: 30.09.2018, 15:31 Uhr

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