Mit dem Flixbus in Zürich auf der verbotenen Spur

Die Stadtpolizei büsst mehrmals täglich Verkehrssünder, welche die Busspur benutzen. Auch Flixbusse haben dort nichts zu suchen.

Am Stau vorbei: Ein Flixbus unterwegs auf der Zürcher Hardbrücke.

Am Stau vorbei: Ein Flixbus unterwegs auf der Zürcher Hardbrücke. Bild: Urs Jaudas

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Der Chauffeur hatte es eilig: Prompt steuerte er seinen Flixbus auf der Zürcher Hardbrücke auf den gelb markierten Busstreifen und überholte so die stehende Autokolonne. Eingefangen hat die Szene per Zufall ein Fotograf des TA, der das Bild Mitte Februar im Zusammenhang mit einem Bericht über die Zulassung von Fernbussen in der Schweiz abdruckte. Ein Leser wunderte sich darauf: Darf der Flixbus das?

«Nein», heisst es bei der Zürcher Stadtpolizei auf Anfrage: «Flixbusse dürfen auf der Hardbrücke die Busspur nicht benützen», sagt ein Sprecher. Gemäss Signalisationsverordnung ist die Busfahrbahn nur für Busse im öffentlichen Linienverkehr bestimmt. Und mit Linienverkehr ist laut der Verordnung über die Personenbeförderung «die fahrplanmässige Verkehrsverbindung zwischen bestimmten Ausgangs- und Endpunkten gemeint, wobei die Fahrgäste an im Fahrplan festgelegten Haltestellen aufgenommen und abgesetzt werden».

Da der Flixbus innerhalb der Schweiz keine Personen befördern dürfe, handle es sich nicht um öffentlichen Linienverkehr, sagt Polizeisprecher Walker weiter. Zudem verfüge der Flixbus auch nicht über eine entsprechende Personenbeförderungskonzession. Taxis hingegen dürfen die Busspur benutzen, wenn dies entsprechend gekennzeichnet ist. Auf der Hardbrücke ist dies der Fall.

Jährlich 1100 Bussen

Stellt die Polizei fest, dass ein Fahrzeuglenker unberechtigterweise die Busspur benützt, hat dies eine Ordnungsbusse von 60 Franken zur Folge. Apropos: Der Buschauffeur auf dem Foto wurde laut Walker nicht gebüsst.

Hinweise darauf, dass Flixbusse oder andere private Busse die Busspur auf der Hardbrücke öfter oder gar routinemässig benützen, um am Stau vorbeizufahren, hat die Stadtpolizei laut Walker keine. Auch andernorts in der Stadt gebe es keine solchen Klagen über verbotene Fahrten auf Busstreifen.

Dass Fahrzeuglenker in Zürich immer mal wieder auf die für ÖV-Busse reservierten Streifen ausweichen, zeigen Zahlen der Stadtpolizei. So gab es im Jahr 2017 rund 1100 Bussen auf dem gesamten Stadtgebiet wegen unberechtigten Befahrens eines Busstreifens mit einem Motorfahrzeug. Das sind im Schnitt drei Bussen pro Tag. «Eine Statistik für eine bestimmte Motorfahrzeugkategorie oder Örtlichkeit führen wir nicht», sagt Sprecher Walker. Auch einen Vergleich der letztes Jahr ausgesprochenen Bussen mit jenen der Vorjahre kann die Stadtpolizei nicht liefern. Denn die Anzahl der Busspuren habe in den letzten Jahren immer wieder variiert, etwa wegen Umbauten wie an der Birmensdorferstrasse oder der Hardbrücke und wegen Neusignalisationen.


Video: Unfall-Hotspots im Kanton Zürich

Unterwegs mit der Kantonspolizei Zürich an drei Unfallschwerpunkten. Video: Lea Koch (August 2017)


Trotz den mehr als 1000 Bussen pro Jahr ist das illegale Befahren von Busspuren aus Sicht der Stadtpolizei derzeit kein sicherheitsrelevantes Problem, wie Walker sagt. Drei Bussen pro Tag im ganzen Stadtgebiet seien im Vergleich etwa mit der Zahl von Bussen wegen Handybenützung am Steuer «nicht sehr viel».

Gespannt darf man sein, wie sich dieses Phänomen künftig mit der immer stärkeren Ausbreitung von Fernbussen entwickelt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.03.2018, 10:38 Uhr

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