Zum Hauptinhalt springen

Ein Kulturwandel ist überfällig

Am Unispital Zürich haben ein paar mächtige Chefärzte nach wie vor das Sagen. Sie verhindern einen starken Onkologen.

Das Universitätsspital Zürich rühmt sich, zur Weltspitze in der Medizin zu gehören. Seine Stärke gründet wesentlich auf dem Hochschulstandort Zürich: Die Uni und die ETH haben hervorragende Forscherinnen und Forscher, speziell in der Biomedizin. Um Erkenntnisse der Wissenschaft in Zukunft noch schneller in die Praxis umzusetzen, wurde soeben eine neue Position in der Unileitung geschaffen: Beatrice Beck Schimmer soll als Direktorin universitäre Medizin die Exponenten der verschiedenen Institutionen zusammenbringen, damit diese ihre Arbeit koordinieren. Zum Wohle der Patientinnen und Patienten. Die Onkologie ist dabei erklärtermassen ein Schwerpunkt.

Und jetzt das: Das Unispital verzichtet auf einen Chefarzt für ­Medizinische Onkologie, und die Uni will den zugehörigen Lehrstuhl nicht mehr besetzen. Dieser Entscheid ist nicht nachvollziehbar. Umso mehr, als die Krebs­behandlung gerade neu erfunden wird. Das Stichwort heisst personalisierte Medizin oder auch Präzisionsmedizin. Die ­vielversprechenden Therapien kommen bei allen Tumorarten zum Einsatz, unabhängig vom Organ, in dem der Krebs aus­gebrochen ist. Bereits sind erste Medikamente zugelassen.

Das Unispital ist unter Ärzten bekannt dafür, dass man spitze Ellbogen braucht.

Doch im Unispital sind weiterhin die Organ-Spezialisten für die Krebsbehandlungen zuständig. Es sind Professoren mit viel Einfluss in der medizinischen Fakultät, Chefärzte mit viel Macht im Spital. Sie wollen nicht, dass ihr Einfluss kleiner wird. Dass ein starker Onkologe bei ihnen mitredet. Der letzte ­Onkologie-Chefarzt hat dies zu spüren bekommen und ist ­weggegangen, in die USA. Andere gute Schweizer Krebsärzte wollen gar nicht erst nach Zürich kommen.

Das Unispital Zürich ist unter Ärzten bekannt dafür, dass man spitze Ellbogen braucht. Das ist von jeher so. Die Spitalleitung scheint machtlos. Sie setzte schon früher und setzt auch heute ihre Hoffnung darauf, dass eine neue Generation von Chef­ärzten den überfälligen Kulturwandel bringen wird. Statt weiter zu hoffen, würde sie besser handeln.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch