Zum Hauptinhalt springen

Sie lotsen am Züri-Fäscht die Menschenmassen durch die Stadt

Linus Eberhard und seine Crowd-Spotter sorgen am Volksfest für die Sicherheit. Weshalb dabei auch Essen eine Rolle spielt.

Ab Freitag gehts wieder rund: Wie am Züri-Fäscht 2013 (Bild) erwartet die Stadt auch am diesjährigen Grossanlass viele Besucherinnen und Besucher.
Ab Freitag gehts wieder rund: Wie am Züri-Fäscht 2013 (Bild) erwartet die Stadt auch am diesjährigen Grossanlass viele Besucherinnen und Besucher.
Keystone

Der Countdown läuft unablässig auf der Homepage des Züri-Fäscht. Die Sekunden bis zum Start des grössten Volksfests der Schweiz schmelzen dahin wie Eis an der Sonne. Ab Freitag locken diverse Events und Konzerte, eine riesige Chilbi, 165 Festwirtschaften und 300 Marktstände geschätzte zwei Millionen Menschen nach Zürich – und ein Mann trägt die Verantwortung für die Sicherheit: Linus Eberhard.

Seit 2014 ist er Leiter Sicherheit & Verkehr beim Züri-Fäscht, und obwohl der Grossanlass immer näher rückt, ist er die Ruhe selbst. «Ich würde nicht behaupten, dass ich total entspannt bin», sagt der 39-Jährige, «aber ich habe ein gutes Team. Wir haben viel Energie und Zeit in das Sicherheitskonzept investiert und sind alle Aspekte mehrmals durchgegangen. Wir haben unser Möglichstes getan.»

Züri-Fäscht zu komplex für Monitoring

Er habe bei der Entwicklung des Sicherheitskonzepts auch vom Erfahrungsaustausch mit den Verantwortlichen anderer Grossanlässe in Zürich wie beispielsweise Street Parade oder Sechseläuten profitiert, so Eberhard. Eine Crowd-Simulation der Besucherströme sei allerdings bei den Vorbereitungen keine Option gewesen. «So was funktioniert nur in eingegrenzten Bereichen. Für das Züri-Fäscht mit seinen unzähligen Zu- und Abgängen bräuchte es einen Nasa-Computer, um die Besucherströme zu berechnen. Die Wechselwirkungen sind viel zu komplex.»

Von Stress auch vier Tage vor Festbeginn keine Spur: Linus Eberhard, Leiter Sicherheit & Verkehr am Züri-Fäscht.
Von Stress auch vier Tage vor Festbeginn keine Spur: Linus Eberhard, Leiter Sicherheit & Verkehr am Züri-Fäscht.
Andrea Zahler/TA
Konzentrierte Arbeit vor Ort: Schon am Züri-Fäscht 2016 war Eberhard für die Sicherheit verantwortlich. Zusammen mit Mitgliedern des OKs hat er schon damals sämtliche Standbetreibenden auf dem Festareal besucht und die Sicherheitslage überprüft.
Konzentrierte Arbeit vor Ort: Schon am Züri-Fäscht 2016 war Eberhard für die Sicherheit verantwortlich. Zusammen mit Mitgliedern des OKs hat er schon damals sämtliche Standbetreibenden auf dem Festareal besucht und die Sicherheitslage überprüft.
Raisa Durandi/TA
Crowd-Spotter im Einsatz: Auch am Züri-Fäscht 2016 waren geschulte Sicherheitsleute wie Sandro Stutz (Bild) vor Ort, um die Besucherströme zu überwachen.
Crowd-Spotter im Einsatz: Auch am Züri-Fäscht 2016 waren geschulte Sicherheitsleute wie Sandro Stutz (Bild) vor Ort, um die Besucherströme zu überwachen.
Nathalie Guinand/TA
1 / 6

Um trotzdem eine höchstmögliche Sicherheit zu gewährleisten, gingen Eberhard und sein Team bei der Planung stets von einer maximalen Belegung am Fest aus und haben dabei den Fokus auf jene Stellen gelegt, wo es in den vergangenen Jahren manchmal eng wurde. «An diesen Stellen haben wir ein ruhigeres Programm eingeplant, damit nicht zu viele Leute zur gleichen Zeit dorthin gelangen wollen.»

Essen statt Events

So findet beispielsweise in der Stadthausanlage beim Bürkliplatz in diesem Jahr ein Street Food Festival statt, und auch beim Bellevue hat es mehrere Bars, wo man länger verweilen kann. Um in der Chilbi auf dem Sechseläutenplatz Staus zu verhindern, werden die Gäste über «Wayfinding» – eine Art Verkehrsleitsystem – durchs Areal gelotst.

Bühnen für Konzerte wiederum haben Eberhard und sein Team neu auch am oberen Limmatquai vorgesehen, damit die Besucher vom Bahnhof aus nicht alle sofort in Richtung Seeufer strömen. Generell habe man die verschiedenen Events des Fests in diesem Jahr dezentral und oft auch zur selben Zeit angesetzt, um grössere Menschenansammlungen zu vermeiden. «Natürlich kommen viele Besucher gleichzeitig zum Feuerwerk und zur Drohnenshow ans Seeufer. Wir haben diese Programmpunkte aber über eine längere Zeitachse verteilt.»

Crowd-Spotter melden, wenn es eng wird

Machen sich dann nach dem Feuerwerk alle für den Heimweg in Richtung Bahnhof Stadelhofen auf, regeln die SBB die Besucherströme zunächst mit ihrem eigenen Sicherheitspersonal. Im Bedarfsfall fordern sie Unterstützung vom Organisationskomitee (OK) des Züri-Fäscht an. «Im Notfall können wir auch die Polizei hinzuziehen», sagt Eberhard.

«Unsere Leute vor Ort sehen sofort, wenn es irgendwo eng wird, und lenken die Besucherströme früher um.»

Linus Eberhard, Sicherheitschef Züri-Fäscht

Überhaupt sei das Sicherheitsdispositiv in enger Zusammenarbeit mit der Polizei entwickelt worden. Diese rücke aus, wenn es zu brenzligen Situationen oder Krawallen komme. «Wir stehen in ständigem Kontakt mit den Festwirtschaften, die uns jederzeit über solche Vorkommnisse informieren. Zudem sind etwa 20 Crowd-Spotter an verschiedenen Standorten positioniert, die sich melden, wenn das Besucheraufkommen eine kritische Grösse erreicht hat oder wenn irgendwo die Stimmung kippt.»

Insgesamt stehen 200 geschulte Sicherheitsleute während des ganzen Fests im Einsatz. Hinzu kommen die Einsatzkräfte von Polizei sowie Schutz und Rettung. Der Sicherheitschef hält es deshalb für «sehr unwahrscheinlich», dass es zu ähnlichen Situationen kommen könnte wie am Züri-Fäscht von 2013. Damals kam es am Samstag im Anschluss an das grosse Feuerwerk zu einem Gedränge, bei dem es Verletzte gab. «Jetzt erkennen unsere Leute vor Ort sofort, wenn es irgendwo eng wird, und lenken die Besucherströme früher um.» Ziel sei es, dass der Durchschnitt von drei Personen pro Quadratmeter nicht überschritten werde.

App meldet Besucherdichte

Damit das gelingt, informiert das OK schon im Vorfeld auf der Homepage über sicherheitsrelevante Aspekte am Fest. Dass man beispielsweise möglichst nicht mit dem Velo oder dem Kinderwagen zu den Events fahren soll. Hinzu kommt die «Züri-Fäscht-App 2019», die während des Festes regelmässig über die Besucherdichte an den verschiedenen Veranstaltungen informiert. Gäste können so dem Gedränge besser entgehen.

Um die Handy- und Internetverbindung auch am Millionenanlass sicherzustellen, haben die Veranstalter zusätzliche Antennen aufgestellt. Doch selbst wenn das Netz zusammenbrechen sollte, hat Eberhard einen Plan B.: «Auf dem gesamten Festareal sind Lautsprecher installiert, über die wir kommunizieren können, und auf grossen Monitoren zeigen wir mit Animationsfilmen, wo die Leute am besten langgehen können.»

Trotzdem appelliert Eberhard an die Besucherinnen und Besucher, sich gut auf den Grossanlass vorzubereiten: «Das ist kein Dorffest, sondern das grösste Volksfest der Schweiz. Sie müssen grosse Strecken zu Fuss zurücklegen, es kann eng werden, und es ist auch ratsam, wenn Sie nicht den teuersten Schmuck am Fest tragen.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch