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«Weltwoche»-Sonderheft irritiert

Das Zürcher Amt für Justizvollzug plant eine Publikation zum 20-Jahr-Jubiläum.

Das mit Steuergeldern finanzierte Jubiläumsheft des Zürcher Amts für Justizvollzug soll einer Ausgabe des Magazins «Weltwoche» beiliegen, welches SVP-Nationalrat Roger Köppel gehört. Bild: Keystone
Das mit Steuergeldern finanzierte Jubiläumsheft des Zürcher Amts für Justizvollzug soll einer Ausgabe des Magazins «Weltwoche» beiliegen, welches SVP-Nationalrat Roger Köppel gehört. Bild: Keystone

Im kommenden März feiert das Amt für Justizvollzug sein 20-jähriges Bestehen. Zu diesem Anlass möchte das Amt ein Jubiläumsheft herausgeben. In der Projektleitung sitzt neben der Medienchefin des Amts, Rebecca de Silva, und Stabschef Jérôme Endrass auch «Weltwoche»-Redaktor Alex Baur. Er soll Ideen für Artikel liefern.

Diese klingen interessant und kontrovers: Ein Porträt über Frank Urbaniok, bis 2018 Chefarzt des Psychiatrisch-Psychologischen Dienstes des Kantons Zürich. Die Geschichte der Ausschaffungshaft. Oder Sex im Strafvollzug. Jacqueline Fehr (SP) soll das Editorial der Publikation verfassen. Die redaktionelle Verantwortung trägt das Amt für Justizvollzug.

Journalisten sagen ab

Baur, Endrass und de Silva fragten in den vergangenen Wochen zahlreiche Journalisten von verschiedenen Zeitungen wie NZZ, «Blick» oder «Tages-Anzeiger» an, die seit Jahren über Justizthemen schreiben. Der TA sprach mit zwölf der angefragten Journalisten, zehn von ihnen sagten, sie hätten dem Amt eine Absage erteilt.

Nicht dass die Themen sie nicht interessiert hätten. Doch viele erfuhren erst nach mehrmaligem Nachfragen oder über Umwege: Das Jubiläumsheft soll einer Ausgabe der «Weltwoche» beiliegen, gleich wie das rechte Wochenmagazin gelayoutet sein und auch von dem Verlag herausgegeben werden, der SVP-Nationalrat Roger Köppel gehört. Wie deutlich das Heft als Produkt des Amts für Justizvollzug gekennzeichnet wird, ist noch unklar.

«Das ist mir zu nahe an der ‹Weltwoche›», sagt etwa Brigitte Hürlimann, eine der profiliertesten Gerichtsreporterinnen der Schweiz und Redaktionsleiterin bei der juristischen Fachzeitschrift «Plädoyer». Sie wolle in diesem Umfeld nicht publizieren.

So ähnlich äussern sich viele, wie etwa auch Carlos Hanimann vom Online-Magazin «Republik», der auf Anfrage seine Absage bestätigt. Noch grundsätzlicher ist die Haltung von «NZZ am Sonntag»-Redaktor Lukas Häuptli: «Um meine Unabhängigkeit zu bewahren, lehne ich Aufträge von Dritten in aller Regel ab. Insbesondere dann, wenn es sich um einen Auftraggeber handelt, über den ich regelmässig schreibe.»

Amt lässt Fragen offen

Baur, der für seine Arbeit nach eigenen Angaben ein Beraterhonorar erhält, kann diese Argumente nicht verstehen. Er sehe seine Unabhängigkeit als Journalist nicht gefährdet: «Es wird ein abwechslungsreiches Heft, das sicher interessanter ist, als wenn es eine PR-Bude gemacht hätte», sagt er. Dass einige seiner Berufskollegen nicht im Umfeld der «Weltwoche» publizieren möchten, findet er «provinziell».

Das Amt für Justizvollzug lässt einen detaillierten Fragenkatalog des «Tages-Anzeigers» zur geplanten Jubiläumsheft unbeantwortet. Es bestätigt aber, dass es im kommenden Jahr als Beilage der «Weltwoche» und im gleichen Layout erscheinen soll. In einer allgemein gehaltenen Stellungnahme schreibt das Amt, man sei sich bewusst, dass das Projekt Irritationen auslösen könne, «zumal die ‹Weltwoche› uns in der Vergangenheit schon einige Male harsch kritisiert hat und oft andere Meinungen vertritt als wir». Damit beweise man die eigene Neutralität. Ausserdem koste ein von der «Weltwoche» produziertes Heft weniger, als wenn man es im Eigenverlag herausgeben würde. Das Budget liege unter 100'000 Franken.

Die zahlreichen Absagen von Journalistinnen und Journalisten will das Amt für Justizvollzug nicht kommentieren. Es schreibt lediglich: «Zahlreiche renommierte Autoren (vorwiegend aus der Fachwelt) konnten bereits gewonnen werden.»

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