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Jeder will hip sein, aber keiner ein Hipster

Warum das Zürcher Café du Bonheur für sein junges, urbanes Publikum unbedingt ein beliebiger Quartiertreffpunkt sein muss.

Das Café du Bonheur am Bullingerplatz sei Zürichs hippster Ort, schrieb der «Tages-Anzeiger».
Das Café du Bonheur am Bullingerplatz sei Zürichs hippster Ort, schrieb der «Tages-Anzeiger».
Sabina Bobst

Diese Woche schrieben wir, das Zürcher Café du Bonheur im Kreis vier sei der hippste Ort der Stadt. Also jener Flecken, wo sich eher junge und eher urbane, eben die hippen Leute gerne treffen.

Wie immer, wenn man Menschen in verschiedene Gruppen einteilt und darüber richtet, wer dazugehört und wer nicht, kam sofort Einspruch. Es ging um den Begriff. Das Online-Stadtmagazin Tsüri.ch etwa schrieb: «Das Bonheur ist im Fall nicht hip!» Es unterscheide sich nicht von anderen Cafés, sondern sei ein ganz normaler Quartiertreffpunkt, der die Stadt zu einem «fröhlichen Dorf» mache. Überhaupt: «Ein Ort, der von der grössten Lokalzeitung als hip bezeichnet wird, verliert spätestens in diesem Moment jegliche Hippheit.» Tsüri.ch sah sein Lieblingscafé verraten und entweiht, weil es «hip» als spöttelnde Bemerkung verstand.

Unübersehbar eigen

Zwei Dinge werden durch eine solche Reaktion offenkundig. Zum einen ist da die Vorstellung, die mit dem Hipsein verknüpft ist: Eine hippe Person ist per se aussergewöhnlich. Will heissen: Sie ist nicht so wie der grosse Rest, diese uniforme Masse. Sie ist unübersehbar eigen.

Zum anderen wird dem Hippen genau dies unterstellt: dass er selbst davon überzeugt ist, hip zu sein. Will heissen: dass er sich für etwas Besseres hält.

Durchschnittlichkeit ist schwer auszuhalten

Diese zur Schau getragene Eigenheit beleidigt die übrigen Leute, weil ihnen vorgeführt wird, was sie nicht sind – und was schon: nämlich durchschnittlich. Das ist schwer auszuhalten, da doch jeder für sich selbst wünscht, etwas Besonderes zu sein. Also muss man das Hipsein, das man niemals erreicht, schlechtreden: Hippe Menschen sind arrogant und unsympathisch.

Genau vor diesem Vorwurf will Tsüri.ch das Bonheur schützen, weil es das Café mag. Es macht sich selbst nicht grösser, als es ist, soll die Verteidigungsrede bedeuten, und die Leute, die dorthin gehen, ebenfalls nicht.

Darum ist das Bonheur «im Fall nicht hip». Sondern nur ein beliebiger Quartiertreffpunkt, der genauso gut auf dem Land sein könnte. Das Bonheur ist ja kein normales Stadtcafé. Es ist anders.

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