Zürcher FDP-Stadtrat Andres Türler hat genug

Der Chef von VBZ und EWZ tritt bei den Wahlen 2018 nicht mehr an. Das eröffnet Perspektiven für Neue. Einer sagt bereits: Ja, ich will der Nachfolger werden.

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Andres Türler wird bei den Erneuerungswahlen für den Zürcher Stadtrat im März 2018 nicht mehr kandidieren. Der 59-jährige Vorsteher der Industriellen Betriebe will nach vier Legislaturen noch einmal etwas Neues anpacken. Das teilt die FDP der Stadt Zürich heute Freitagnachmittag mit.

Bei den Wahlen 2014 war es Türler, der das beste Ergebnis aller Kandidierenden erzielt hatte. Die Arbeit als Stadtrat an der Schnittstelle zwischen öffentlicher Verwaltung, Politik und Wirtschaft habe er stets als grosses Privileg betrachtet, schreibt die Partei. In seine Amtszeit fielen zahlreiche Meilensteine, für die er politische Mehrheiten gewinnen konnte. Dazu gehören etwa das Tram Zürich-West und das Tram Hardbrücke, das EWZ-Glasfasernetz oder der Üetlibergstollen für eine noch zuverlässigere Wasserversorgung.

EWZ-Privatisierung misslang

Das EWZ habe sich unter seiner politischen Führung vom Stromlieferanten zu einem Dienstleistungsunternehmen entwickelt, das für die Stadt Zürich auf dem Weg in die 2000-Watt-Gesellschaft eine Schlüsselrolle spielt. Die anvisierte EWZ-Privatisierung gelang ihm aber nicht.

Nach 16 Jahren als Vorsteher der Industriellen Betriebe sei für den Juristen der Zeitpunkt gekommen, um nochmals neue Herausforderungen anzupacken und die Prioritäten anders zu setzen.

Michael Baumer will – was ist mit Fiala?

Einer der möglichen Nachfolger ist Michael Baumer. Der Gemeinderat und freisinnige Ex-Stadtparteipräsident bestätigt auf Nachfrage, dass ihn das Amt interessiert. Es sei spannend, weil man viel gestalten könne, sagt Baumer. Der ETH-Informatikingenieur mit eigener Software-Firma hat sich bei der Findungskommission gemeldet, die von alt Ständerat Felix Gutzwiller geleitet wird.

Ob auch Nationalrätin Doris Fiala ins interne Rennen steigt, ist noch nicht bekannt. Heiss ist die Frage, ob die Freisinnigen mit einer Frau kandidieren werden. Die Partei hatte bei der Ersatzwahl für Martin Vollenwyder Carmen Walker Späh verschmäht, die heute Regierungsrätin ist. Anstelle von Walker Späh nominierte die FDP Marco Camin, der prompt den Sitz an AL-Kandidat Richard Wolff verlor. Dies war eine grosse Schmach für den Stadtzürcher Freisinn. Damals hatte er plötzlich nur noch einen Sitz in der Zürcher Stadtregierung. Ein paar Jahre zuvor sassen Vollenwyder, Türler und Kathrin Martelli im Stadthaus.

Als praktisch gesichert gilt, dass Türlers Parteikollege Filippo Leutenegger, der 2014 einen der drei einstigen FDP-Sitze zurückeroberte, in gut einem Jahr erneut antreten wird. Ob auch als Stadtpräsidentskandidat, ist noch unsicher.

Was macht Gerold Lauber?

Bisher haben erst Sicherheitsvorsteher Richard Wolff (AL) und Finanzvorsteher Daniel Leupi (Grüne) angekündigt, 2018 nochmals antreten zu wollen. Ob auch SP-Stadtpräsidentin Corine Mauch und ihre Parteikollegen André Odermatt, Claudia Nielsen und Raphael Golta wiederkandidieren, ist noch unklar, aber wahrscheinlich.

Das grösste Fragezeichen ist nun CVP-Stadtrat Gerold Lauber. Er ist seit 2006 Schul- und Sportvorsteher und hat sich bisher nicht zu seinen Plänen geäussert. Beobachter rechnen eher mit einem Rücktritt.

Erstellt: 10.02.2017, 14:20 Uhr

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