Angst um Treffpunkt am See

In Zürich Wollishofen soll ein Neubau entstehen – direkt neben einer Wiese, die im Sommer überquillt mit Leben. Darum befürchten Quartierbewohner Lärmklagen.

Bedrohtes Nebeneinander? Einige Bewohner Wollishofens wehren sich gegen einen geplanten Neubau neben der GZ-Wiese.

Bedrohtes Nebeneinander? Einige Bewohner Wollishofens wehren sich gegen einen geplanten Neubau neben der GZ-Wiese. Bild: Samuel Schalch

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Die Wiese beim GZ Wollishofen ist ein belebter Ort. Während der warmen Tage treffen sich dort Quartierbewohner jeglicher Couleur. Es wird getschuttet, gegrillt und Shisha geraucht. Die Besucher nennen die Wiese deshalb einen der durchmischtesten Orte der Stadt Zürich. Oder auch: Die Happy-Wiese.

Doch nun sehen einige Wollishofer das ungezwungene Nebeneinander gefährdet. Der Grund dafür: Auf dem angrenzenden Grundstück des Autoverkäufers Franz AG soll gebaut werden. Darauf verweisen die Markierungen, die derzeit den flachen Bau überragen. Und sie sind hoch.

Zu hoch für Axel Burri. Der 44-Jährige lebt im Quartier und sei, wie er sagt, im Sommer sehr oft beim GZ anzutreffen. «Der Bau wird das Leben auf der Wiese massiv beeinträchtigen», sagt er. Man müsse künftig mit bis zu einer Stunde weniger Sonne rechnen. Zudem werde der Blick auf den Uetliberg verstellt. Auch würde der drohende Baulärm viele von einem Besuch der Wiese abschrecken.

«Das gibt keine günstigen Wohnungen»

67 neue Wohnungen sollen gebaut werden, derzeit läuft das Baubewilligungsverfahren durch die Stadt. Burri vermutet, dass die Mietpreise hoch sein werden. «An einer solchen Lage gibt es keine günstigen Wohnungen», sagt er. Deshalb sei mit Lärmklagen seitens der neuen Bewohner zu rechnen, sobald diese eingezogen sind. Ein ähnliches Szenario sei derzeit in Wollishofen bei der Roten Fabrik zu beobachten, die sich seit ein paar Jahren mit Lärmklagen konfrontiert sieht.

Um den Bau zu verhindern, hat Burri mit fünf weiteren Anwohnern eine Petition ausgearbeitet. Rund 2500 Unterschriften haben die Petitionäre zum jetzigen Zeitpunkt gesammelt. Heute Abend werden diese dem Hochbauvorsteher André Odermatt überreicht.

Als argumentative Grundlage dient den Petitionären die im kommunalen Richtplan formulierten Planungsziele der Stadt bis ins Jahr 2040. Darin ist festgehalten, dass «öffentliche Freiräume zu schaffen und (...) bestehende Freiräume zu verbessern» seien. Das stehe im Widerspruch zum aktuellen Bauvorhaben, sagt Burri. Oder anders gesagt: «Es widerspricht den Zielen der Stadt, wenn so stark genutzte öffentliche Erholungsräume wie die Badewiese Wollishofen durch Luxuswohnungen gestört werden.»

Immobilienfirma: «Im mittleren Preissegment»

Das Immobilienunternehmen Karmon AG schreibt in einer Stellungnahme, dass es sich der «Sensibilität des Standortes» bewusst sei und deshalb darauf verzichtet habe, die Neubauten durchwegs sechsstöckig zu planen. Ein Grossteil soll vierstöckig werden und nicht allzu teuer. «Da in den Sommermonaten mit gewissen Immissionen durch die Liegewiese zu rechnen ist, sollen bewusst Mietwohnungen im mittleren Preissegment entstehen, das auch ein jüngeres Publikum anziehen kann», schreibt das Unternehmen weiter.

Wie hoch die Erfolgschancen des Vorstosses der Anwohner sind, kann Burri noch nicht abschätzen. Grund zur Zuversicht sieht er darin, dass auch Politiker der Grünen und der AL Interesse daran gezeigt haben. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.01.2019, 08:57 Uhr

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