Aqui-Brunnen trockengelegt: Zu viel Mineralien im Wasser

Aus dem beliebten Wasserspender auf dem Hürlimann-Areal sprudelts nicht mehr. Die Besitzer haben ihn wegen überschrittener Grenzwerte abgeschaltet.

Läuft seit einigen Monaten nicht mehr: Der Aqui-Brunnen auf dem Hürlimann-Areal. Foto: Urs Jaudas

Läuft seit einigen Monaten nicht mehr: Der Aqui-Brunnen auf dem Hürlimann-Areal. Foto: Urs Jaudas

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Harassweise haben Leute hier Flaschen abgefüllt. Das Wasser des Aqui-Brunnens auf dem Hürlimann-Areal im Stadtzürcher Enge-Quartier war begehrt, das nasse Element in vermeintlicher Mineralwasserqualität sprudelte gratis aus den Hahnen. Der Brunnen erhielt so den Übernamen «Tankstelle». Doch seit Ende Juli ist er versiegt. Die Immobiliengesellschaft Swiss Property PSP, Eigentümerin des Areals, hat ihn trockengelegt. Aus Sicherheitsgründen, sagt Thomas Kraft. Er ist Eigentümervertreter der PSP.

Bereits einmal stillgelegt

Es sind nicht etwa wie vor acht Jahren Bakterien, die den Brunnenbetreibern Sorge bereiten. Damals musste PSP die Brunnen für ein halbes Jahr abstellen, weil im Wasser erhöhte Bakterienwerte festgestellt worden waren. «Dieses Problem haben wir gelöst», sagt Kraft. Das Wasser ist nicht nur beim Brunnen auf dem Hürlimannplatz geflossen, sondern auch in einem Trinkwasserbrunnen im Thermalbad und in einem vor der Tertianum-Residenz ganz in der Nähe.

Der Grund für die Trockenlegung der Brunnen ist ein anderer, ein erstaunlicher: Im Wasser hat es zu viele Mineralien. Der Gehalt an Natrium und an Fluorid ist zu hoch. Die Werte haben zwar über die Jahre nicht zugenommen, jedoch überschreiten sie die Grenzen, die der Bund in der Trinkwasserverordnung 2017 neu festgelegt hat, wie Kraft sagt. Beim Fluorid wären 1,5 Milligramm pro Liter erlaubt, das Wasser bei den Aqui-Brunnen weist aber einen Wert von 2,3 Milligramm auf. Beim Natrium liegt der Grenzwert bei 200 Milligramm pro Liter, das Aqui-Wasser weist allerdings 300 Milligramm pro Liter auf.

«Wir dürfen das Wasser in unseren Brunnen nicht mehr als Trinkwasser bezeichnen.»Thomas Kraft, Eigentümervertreter der PSP

Die gemessenen Werte kannte PSP seit einiger Zeit, da sie das Wasser regelmässig vom kantonalen Labor untersuchen lässt. «Wir dürfen das Wasser in unseren Brunnen nicht mehr als Trinkwasser bezeichnen», sagt Kraft. «Mit dem Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft haben wir diskutiert, ob wir die Werte bei den Brunnen veröffentlichen könnten mit dem Hinweis, nur geringe Mengen davon zu trinken – maximal einen Liter pro Tag.» Das Risiko erachtete PSP aber als zu gross. «Was, wenn jemand das Schild nicht lesen kann oder nicht gesehen hat?» Deshalb habe das Unternehmen entschieden, die Brunnen abzustellen.

Auch auf die Alternative, normales Trinkwasser der Stadt durch die Brunnen laufen zu lassen, verzichtet PSP. «Das hätte wenig Sinn gemacht, denn die Leute sind auf den Hürlimannplatz gekommen, weil sie etwas Spezielles abfüllen wollten», sagt Kraft. Und das mineralhaltige Wasser mit normalem Trinkwasser zu verdünnen, wäre zu aufwendig.

Harassweise haben die Leute hier Wasser geholt – wegen zu hoher Natrium- und Fluorid-Werte ist das derzeit nicht mehr möglich. Foto: Urs Jaudas

PSP hat den Kanton über die trockengelegten Brunnen informiert. Das musste sie, denn in der Konzession zur Wassernutzung sei festgehalten, dass die Brunnen gratis Wasser lieferten. Dieses Wasser, das im Thermalbad zum Einsatz kommt und zur Wärmegewinnung genutzt wird, stammt aus 300 Metern Tiefe.

Als Aqui-Wasser auf dem Markt

Die Bierbrauerei Hürlimann hatte die tiefe Quelle 1976 angezapft, um günstig an Wasser zu kommen für ihre Brauerei. Da es aber zu reich an Mineralien war, konnte sie das Wasser nicht zum Brauen verwenden, sondern beispielsweise zur Reinigung einsetzen. Sie füllte das Wasser aber auch in Flaschen ab und verkaufte es als Aqui-Wasser.

Mit dem Verkauf der Brauerei im Jahr 1999 verschwand die Marke, die mit einer versteinerten Muschel auf der Etikette zu erkennen war. Kleinmengen liessen sich schon zu der Zeit auf dem Brauerei-Areal abfüllen: Aus einem Brunnen der Bildhauerin Helen Denzler sprudelte das «stille Wasser». Dieser Brunnen schmückt heute übrigens den Kreisel im Sood in Adliswil.

Erstellt: 24.10.2019, 16:33 Uhr

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