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Auch der Mittelstand hat seine Geschichten

«Real Life» gibt es wenig in Zürich. Trotzdem lohnt sich die lokale Kultur.

Vor paar Tagen hörte ich im Radio ein Interview mit Christoph Blocher. Es ging um die aktuelle Ausstellung seiner Bildersammlung in Martigny. Bei allem Respekt vor Ferdinand Hodler und Albert Anker, den Anlass stelle ich mir ziemlich klaustrophobisch vor. Warum er ausschliesslich Schweizer Kunst sammle, wurde Blocher gefragt. «Weil ich hier lebe», sagte er. «Würde ich in China leben, würde ich chinesische Kunst sammeln. Man muss sich beschränken.» Die Bilder von Monet würden ihm auch gefallen, sagte Blocher, «aber man kann nicht alles machen».

Gute Kunst findet man überall, will Blocher sagen, nehme ich an. Obs stimmt? Ich weiss es nicht. Kunst, überhaupt Kultur, ist wie eine Pflanze. An gewissen Orten gedeiht sie, die lokale Kultur. In Zürich, hört man, gebe es genug Geld, aber wenig Leidensdruck. Zu viel abgehobenen Mittelstand, aber zu wenig real life. Die ungarische Putzfrau von Bekannten, um die sechzig, wohnt mit ihrem erwachsenen Sohn in der Zürcher Agglomeration. Er arbeitet als Lastwagenchauffeur, jedes zweite Wochenende setzt er sich ins Auto und fährt 1000 Kilometer hin und 1000 zurück zu seiner Familie. Das dritte Zimmer in der Wohnung vermieten Mutter und Sohn innerhalb der ungarischen Community.

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