Trotz Promi-Bonus: Schlappe für Bastien Girod

Die Zürcher Grünen ziehen Girod bei den Stadtratswahlen eine Frau vor – und nehmen schlechtere Wahlchancen in Kauf.

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In einer geheimen Wahl haben die Grünen gestern Abend ihre Kandidaten für die Zürcher Stadtratswahlen nominiert – und dem prominenten Nationalrat Bastien Girod eine deutliche Absage erteilt. Stattdessen machte Karin Rykart das Rennen. Sie schlug Girod mit 94 zu 65 Stimmen deutlich und wird neben dem bisherigen Finanzvorstand Daniel Leupi in den Wahlkampf steigen.

Damit setzen die Grünen auf eine ähnliche Strategie wie die Delegierten der FDP, die ihrer prominenten Nationalrätin Doris Fiala am 20. Juni einen Korb ­gaben und sich für Michael Baumer entschieden, den ehemaligen Stadtparteipräsidenten und Fraktionschef im Stadtparlament. Auch Rykart ist eine lokale Politgrösse mit ganz ähnlichem Hintergrund wie Baumer: Ex-Stadtparteipräsidentin und Fraktionschefin. Wie Baumer ist sie seit Jahren im Geschäft und kennt die Stadtpolitik von Grund auf.

Ausschlaggebend für die Nomination war aber weniger Rykarts Leistungsausweis als ihr Geschlecht. «Es wäre ‹gschämig›, wenn die Grünen mit zwei Männern antreten würden», sagte ein Votant. Dafür nahmen viele Redner sogar schlechtere Wahlchancen in Kauf.

So gewinnt man «nicht unbedingt» Wahlen

Ob diese Rechnung aufgeht, ist für Politgeograf Michael Hermann fraglich. «Grundsätzlich ist ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis gerade für die Grünen ein berechtigtes Thema», sagt er. «Nur nicht unbedingt eines, mit dem man Wahlen gewinnt.» Rykart dürfte es nach seiner Einschätzung schwerer haben als Girod: «Bekanntheit ist ein Kapital.» Den Bürgerlichen sagt Hermann dennoch einen schwierigen Wahlkampf voraus, da zwei von drei amtierenden Stadträten zurücktreten. Ohne eine bekannte Kandidatin wie ­Doris Fiala sei es auch gegen Karin ­Rykart nicht einfach.

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Aus Sicht des FDP-Stadtparteipräsidenten Severin Pflüger haben sich die Grünen mit Rykart für die stärkere Kandidatin entschieden: «Mit ihren Dossierkenntnissen über die Stadt und mit ihrer Unaufgeregtheit dürfte sie mehr Wählerinnen und Wähler erreichen als der umtriebige und anstrengende Bastien Girod.»

CVP kommt mit Hungerbühler

Neben den Grünen haben gestern Abend auch die CVP und die SVP ihre Kandidaten nominiert. Die CVP steigt mit Markus Hungerbühler ins Rennen. Er schlug Nicole Barandun mit 35 gegen 24 Stimmen. Keine eigentliche Wahl hatten die Delegierten der SVP. Sie bestätigten die Nomination von Susanne Brunner und Roger Bartholdi klar.

Damit sind die Kandidierenden aller im Parlament vertretenen Parteien bekannt. 14 Personen stellen sich für die 9 Stadtratsämter zur Wahl. Noch offen ist, ob die Bürgerlichen eine Kampfwahl um den Sitz von Stadtpräsidentin Corine Mauch anstreben.

Erstellt: 04.07.2017, 23:59 Uhr

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