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Auch Leuteneggers jüngstes Projekt sorgt für Ärger

Nach Sonnenschirmen und Sonnensegeln: Jetzt lässt der FDP-Stadtrat Plätze mit massiven Trögen zustellen.

Ein Grossteil der Pflanzentröge auf dem Hallwylplatz wurde bereits wieder entfernt. Foto: Sabina Bobst
Ein Grossteil der Pflanzentröge auf dem Hallwylplatz wurde bereits wieder entfernt. Foto: Sabina Bobst

Am Dienstag fuhren auf dem Hallwylplatz Gabelstapler auf: Rund 10 Pflanzentröge, mehrere Sitzbänke aus massivem Holz, Klappstühle und einen grossen Picknicktisch entluden sie beim beliebten Treffpunkt im Kreis 4. Absender des Mobiliars: Stadtrat Filippo Leutenegger (FDP). «Für Sie, zum Verweilen, zum Geniessen, zum immer wieder anders Arrangieren», steht auf einer Infotafel.

Letzteres gilt jedoch nur für die Klappstühle. Die restlichen Objekte sind derart massiv und schwer, dass sie sich von Hand nicht von der Stelle rücken lassen. Mehrere Quartierbewohner beklagten sich deshalb bei der Stadt. Darauf rückten die Arbeiter des Tiefbau- und Entsorgungsdepartements aus, um die Möbel neu zu arrangieren. In den vergangenen zwei Tagen war dies bereits viermal der Fall.

Bald in der ganzen Stadt?

Die Aktion wurde von der Stadt noch nicht öffentlich kommuniziert. Sie trägt allerdings bereits einen Namen: Piazza Pop-up. Ein Pilotprojekt, das bis Ende November dauern soll. Auf Anfrage wollte sich die Stadt bis gestern Abend nicht dazu äussern. Auf einer neu aufgeschalteten Website erklärt das Tiefbauamt: «Wir möchten damit in Erfahrung bringen, wie wir neue und bestehende Orte mit einfachen Mitteln besser nutzbar machen und verbessern können.»

«Die Pflanzentröge sind überdimensioniert und hässlich. Niemand hat auf dieses Geschenk gewartet.»

Reinhard Lutz, Quartierbewohner

Nach der Testphase entscheidet die Stadt, ob die Möbel und Blumentöpfe dauerhaft stehen bleiben sollen. Sie ruft die Bevölkerung zur aktiven Mitgestaltung auf: Per Mail soll sie eigene Vorschläge und Kritik direkt bei den Ver­antwortlichen vorbringen. Wer Lust habe, die Pflanzen zu giessen, könne dies gern tun.

Es könnte der Anfang einer grösseren Gestaltungsmassnahme sein. Verläuft der Test positiv, soll die Aktion auf sämtliche Zürcher Quartierplätze ausgeweitet werden. Das verrät ein Mitarbeiter des Tiefbauamts, der anonym bleiben will. Auf Anfrage will die Stadt diesen Plan weder bestätigen noch dementieren. Weitere Orte, an denen Piazza Pop-up bereits lanciert wurde, sind die Meinrad-Lienert-Strasse und der Anny-Klawa-Platz in den Kreisen 3 und 4.

«Ich erschrak», sagt Peter Stiefel vom Designladen Harrison Spirit am Hallwylplatz. Am Dienstag seien sie plötzlich auf dem Platz gestanden: zehn riesige Pflanzentröge, rund 1,5 Meter hoch und direkt vor seinem Laden aufgereiht. «Wie eine riesige Mauer, die uns die Sicht auf den Platz versperrt.»

Filippo Leuteneggers neuster Streich: Zürcher Plätze mit riesigen Blumentöpfen verstellen - ganz zum Ärger der Anwohner. Bild: Sabina Bobst
Filippo Leuteneggers neuster Streich: Zürcher Plätze mit riesigen Blumentöpfen verstellen - ganz zum Ärger der Anwohner. Bild: Sabina Bobst

Das Tiefbau- und Entsorgungsdepartement reagierte auf die Kritik: Sechs der Tröge wurden inzwischen wieder abtransportiert. Jene, die noch dort sind, werden täglich von Arbeitern des Tiefbauamts gegossen, gehegt und gepflegt. Auch die Sitzbänke aus Eichenholz erfreuen nicht alle: Ein Anwohner fürchtet, dass dadurch in der Nacht lautes Partyvolk angezogen wird: «Wir wollen es auch nicht totenstill. Aber je mehr Menschen auf dem Platz sind, desto mehr Lärm entsteht», schreibt er in einer Mail an die Stadt. «Mehr Blumen sind sicher schön, aber mehr Sitzgelegenheiten sind nicht nötig.»

Reinhard Lutz gründete in den 80er-Jahren die Interessengemeinschaft Hallwylplatz und prägte die Gestaltung des Ortsbilds wesentlich mit. Er begrüsst es grundsätzlich, wenn die Stadt das Quartier lebenswerter machen will. Allerdings sei der Platz schon jetzt ein bestens funktionierender Treffpunkt. «Die Pflanzentröge sind überdimensioniert und hässlich», sagt Lutz. Auf dieses Geschenk habe im Quartier kaum jemand gewartet. Aufgrund ihrer Grösse würden sie zudem zur Verkehrsunsicherheit beitragen.

Wünsche wurden übergangen

Geht es nach Lutz, sollte die Stadt das Mobiliar «wieder einpacken» und an einen anderen Ort bringen – mit Ausnahme des Picknicktischs: «Der ist wirklich schön. Zumal der bisherige ziemlich verwüstet war.»

Die Stadt kündigte Piazza Pop-up per Flyer an. Letzte Woche kam es zu einem Treffen zwischen Quartiervertretern und dem zuständigen Projektleiter – zwecks gegenseitiger Absprache. «Unsere Forderungen und Wünsche wurden teilweise überhört», sagt Reinhard Lutz. Die Stadt betont hingegen den partizipativen Charakter des Projekts. Ihr Aufruf: «Geben Sie uns Bescheid, wie Ihnen die neue Möblierung gefallen hat und was Sie vielleicht auch anders machen würden.»

Es ist nicht die erste Gestaltungsmassnahme von Filippo Leutenegger in den letzten Wochen. Anfang August ­installierte der umtriebige Stadtrat fünf Sonnenschirme auf dem Sechseläutenplatz. Weil sie dem Sturm nicht standhielten, wurden sie kurze Zeit später wieder entfernt. Etwas erfolgreicher war die Sonnensegel-Aktion auf dem Münsterhof. Auch diese Installation wurde zwar vom Winde verweht. Immerhin konnten die Segel wieder fixiert werden und haben bis heute Bestand.

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