Auch Linke fliegen nach Berlin

Die Leitung des Zürcher Gemeinderats reist für wenige Tage nach Berlin. Die Wahl des Verkehrsmittels sorgt für Diskussionen.

Linke Politiker des Gemeinderats kämpfen für die Umwelt, aber fliegen selbst auch mit dem Flugzeug. Foto: Keystone/Gaetan Bally

Linke Politiker des Gemeinderats kämpfen für die Umwelt, aber fliegen selbst auch mit dem Flugzeug. Foto: Keystone/Gaetan Bally

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Die Leitung des Zürcher Gemeinderats reist für drei Tage zur Weiterbildung und zur Festigung des Zusammenhalts nach Berlin. Sechs Personen sind am Mittwochabend mit dem Nachtzug gefahren, acht fliegen am Donnerstagmorgen. Pikant: Auch drei Linke nehmen das Flugzeug – immerhin klimakompensiert.

Heikel ist die Wahl des Verkehrsmittels, weil sich Zürich das Ziel «2000-Watt-Gesellschaft» auf die Fahne geschrieben hat. Flüge in Nachbarländer machen sich für Parlamentarier und städtische Angestellte in diesem Zusammenhang nicht gut. Sie sollten laut Stadtrat «eine Vorbildfunktion einnehmen».

Mit dem guten Beispiel voran ging Ratspräsident Martin Bürki und seine 2. Vizepräsidentin Helen Glaser (SP). Zusammen mit der Grünen Karin Meier-Bohrer, dem GLPler Matthias Wiesmann, dem Datenschutzbeauftragten Marcel Studer und Andreas Ammann, Leiter der Parlamentsdienste, hat Bürki um 20 Uhr den Nachtzug genommen und ist heute um 8 Uhr in Berlin angekommen. Alle anderen nehmen heute das Flugzeug, darunter die beiden SVP-Vertreter, die Mitglieder von Rechtsdienst und Finanzkontrolle sowie die Linken Mischa Schiwow (AL), ­SP-Stadtparteipräsident Marco Denoth und Mark Richli (SP).

Tuena: «Typisch Linke»

Vertrackt sind die Reisepläne, weil der Gemeinderat am Mittwoch bis 21 Uhr tagt. Wer den Nachtzug nahm, musste frühzeitig abrauschen. «Wir haben eine lange Pendenzenliste, ein früherer Abbruch liess sich nicht verantworten», sagt Präsident Bürki. Er überliess den Bock gestern seinem Vizepräsidenten Heinz Schatt (SVP).

Mark Richli (SP) wäre «liebend gern» mit dem Zug gereist. Er habe jedoch als Ratssekretär das Funktionieren des Betriebs bis 21 Uhr höher gewichtet. Denoth und Schiwow geben an, dass es ihnen aus privaten Gründen nicht möglich sei, mit dem Zug heimzufahren – achteinhalb Stunden dauert die Bahnfahrt. Gemäss Stadtrat soll das Flugzeug nur benutzt werden, wenn die Bahnfahrt mehr als sechs Stunden dauert. Der Zürcher SVP-Nationalrat Mauro Tuena schimpft: «Typisch Linke: Gegen den Klimawandel demonstrieren, selber aber fliegen.»

Auf dem Programm steht am Donnerstag ein Besuch des Berliner Parlaments, am Freitag besichtigen die Zürcher die Berliner Mauer, und Thema des Abends ist die 24-Stunden-Gesellschaft sowie die Frage, wie die Berliner Clubszene mit der Lärmentwicklung umgeht. Die Reise wird vollumfänglich durch die Stadt – also die Steuerzahler – finanziert. Wichtig ist gemäss Ratspräsident Martin Bürki auch der soziale Aspekt der Reise, ein besseres Kennenlernen über die Parteigrenzen hinweg.

Erstellt: 07.03.2019, 06:43 Uhr

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