Auch Ultras brauchen Polizei

Es ist unverständlich, dass die Polizei gegen gewalttätige Zürcher Fussballfans so wenig ausrichten kann.

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Zürich ist ein Sonderfall. Keine andere Stadt der Schweiz hat zwei Fussballclubs in der obersten Liga. Darauf könnte die Stadt eigentlich stolz sein. Doch ­offenbar gibt es in Zürich zu wenig Platz für zwei. ­Aktuell scheint es, als sollten die Grasshopper-Fans aus der Stadt vertrieben werden. Früher sei es wie Räuber und Poli gewesen, berichtet ein Ex-Ultra-Fan. Was heute ­passiere, sei hingegen nicht mehr lustig.

Doch was lustig ist, definieren Ultras anders als gewöhnliche Menschen. Pyros finden alle lustig. Auch aggressive Fan-Gesänge in Richtung des Gegners, also verbale Gewalt. Bei physischer Gewalt wird es komplizierter. Es gibt nur wenige Ultras, die sie aktiv suchen. Es gibt einige wenige mehr, die sie anwenden, um sich zu verteidigen. Es gibt solche, die der Gewalt komplett aus dem Weg gehen. Und es gibt Leute in der Kurve, die gar keine Ultras sind. Die meisten gehören den letzten beiden Gruppen an. Vom rauen Image ­profitiert aber die ganze Kurve. Es zieht Nachwuchs an. Die Frage ist nur, welchen.

In den Reihen der FCZ-Südkurve hat sich ­offenbar eine Gruppe der Gewaltsuchenden ver­selbstständigt. Bei praktisch jedem GC-Heimspiel ­werden ­normale Matchgänger auf dem Heimweg in der Stadt überfallen, verprügelt und der Fan-Utensilien oder ganzer Taschen beraubt – zuletzt geschehen am vergangenen Samstag.

Dass die Polizei wenig gegen Überfälle, die spontan zu irgendeiner Zeit, an irgendeinem Ort geschehen und nicht zur Anzeige gebracht werden, tun kann, ist verständlich. Unverständlich ist jedoch, dass sie auch bei Angriffen, die an öffentlich kommunizierten ­Fan-Treffpunkten stattfinden, offenbar nicht oder zu spät eingreifen kann.

Bei Überfällen, bei denen die Polizei bereits in der Nähe ist, müsste es einfacher sein, ein paar der Schläger dingfest zu machen. Wahrscheinlich würde das die Situation schnell beruhigen. Denn es sind die wenigen, die den grössten Schaden anrichten. Und wenn es selbst GC-Ultras nicht mehr lustig finden, dann ist es kein Spiel mehr. Dann müssen sogar Ultras auf ­Polizeischutz zählen können.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.04.2018, 21:35 Uhr

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