«Auf dem Koch-Areal war kein Sodom und Gomorrha»

Andreas Hauri will Zürich «voranbringen und nicht verwalten», wie er sagt.

Vor seinem Unort, dem Bauschänzli: Der grünliberale Stadtratskandidat Andreas Hauri. Video: Lea Blum

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Was war Ihre erste Reaktion auf den Rücktritt von Claudia Nielsen?

Zuerst traute ich meinen Ohren nicht. Für Claudia Nielsen tut es mir persönlich leid. Ihr Schritt ist aber nachvollziehbar, und er ist in vieler Hinsicht auch ein Befreiungsschlag. Der Kurswechsel bei den Stadtspitälern wäre unter ihr schwierig gewesen.

Umfragen sehen Sie bereits im Stadtrat. Wie wirkt sich das auf Ihren Wahlkampf-Endspurt aus?

Wir wissen: Umfragen sind Momentaufnahmen. Am 4. März wird entschieden. Aber die Umfrageresultate sind eine sehr willkommene Motivationsspritze. Es ist allen bewusst, dass wir bei den Gemeinderatswahlen ein sehr gutes Resultat schaffen können und der Einzug in den Stadtrat möglich ist.

Sie haben sich bereits für das Gesundheitsdepartement in Stellung gebracht. Was befähigt Sie dazu?

Das Gesundheitsdepartement steht unter grossem Druck. Die Stadtspitäler werden mit Argusaugen beobachtet. Auch für die Mitarbeitenden sind die vielen negativen Schlagzeilen unbefriedigend. Mit dem Entscheid, die Spitäler in eine öffentlich-rechtliche Anstalt zu überführen, muss nun ein Veränderungsprozess eingeläutet werden. Unternehmerisches Denken und Handeln sind gefordert. Damit kenne ich mich aus. Zudem braucht es viel Fingerspitzengefühl, gute Menschenkenntnisse und starke Führungsqualitäten.

Viele Leute fragen sich: Wo steht Andreas Hauri politisch wirklich?

Es ist schon komisch: Das Etikett des «nicht Fassbaren» versucht man allen Mittepolitikern anzuhängen, die einen progressiven Ansatz verfolgen. Weil viele immer noch dem überkommenen Links-rechts-Schema verhaftet sind. Dabei verblasst dieses Schema weltweit immer mehr, siehe Frankreich mit Emmanuel Macron. Mir geht es um Progressivität und Innovation. «Zürich voranbringen und nicht verwalten» – das wollen immer mehr Wählerinnen und Wähler, davon bin ich überzeugt.

Geht es etwas konkreter? Sind Sie für eine Steuersenkung in Zürich?

Im Moment ist das für mich kein Thema. Aber in zwei, drei Jahren könnte ich mir eine Senkung um zwei Prozentpunkte vorstellen. Um ein Zeichen zu setzen.

Ist der jetzige Stadtrat gegenüber Hausbesetzern zu lasch?

Besetzungen per se sind in einer Grossstadt wie Zürich keine Tragödie. Aber es muss klare Rahmenbedingungen geben, und die müssen durchgesetzt werden. Wenn der Besitzer will, dass geräumt wird, muss geräumt werden. Beim Koch-Areal war aber auch die Reaktion der Kritiker überzogen. Ich war selber schon an einem Konzert dort, weil ich ein neugieriger Mensch bin. Das war kein Sodom und Gomorrha, die Stimmung war sehr okay.

Sie wollen Zürichs «angestaubte Kulturlandschaft» durchlüften: Wer soll weniger erhalten?

Zuerst: Kultur darf durchaus etwas kosten. Was mich stört: Es werden immer die Gleichen bevorzugt. Mir fehlt die Dynamik. Braucht es wirklich das Theater Stok? Muss man den Tanz noch stärker fördern? Mir scheint, wir bestellen das SP-Kulturprogramm, und das hat dann den Leuten zu gefallen. Man sollte auch mal wieder Neues wagen.

Was halten Sie von einer Cannabis-Legalisierung?

Ich bin klar für eine Liberalisierung, natürlich mit dem nötigen Jugendschutz. Jeder soll selber entscheiden können, was er konsumiert. Die heutige Situation beim Cannabis ist absurd, zudem ist das Problem mit Alkohol viel virulenter.


Der Aussenseiter im Aufwind Zum Porträt von Stadtratskandidat Andreas Hauri.


Sie bringen relativ wenig Erfahrung in der Stadtpolitik mit. Wie wollen Sie da als Stadtpräsidiumskandidat gegen Politprofis wie Corine Mauch und Filippo Leutenegger bestehen?

Ich war ein paar Jahre lang Präsident der GLP-Kreispartei 3/9, habe mich intensiv mit städtischer Politik befasst und kenne mich recht gut aus. Aber klar: Im Vergleich zu einem Gemeinderat weiss ich in gewissen Einzelgeschäften im Moment weniger. Aber ich habe den Vorteil, dass ich sehr genau weiss, wie der Kanton funktioniert. Kontakte in die Kantonsregierung und in den Kantonsrat sind für die Stadt Zürich enorm wichtig, die werden heute vernachlässigt.

Braucht Zürich wirklich einen Digitalminister?

Nehmen wir das geplante Parkingsystem. Da geht es nicht nur ums Bezahlen mit einer neuen App, wie es die Stadt plant. Es geht auch um die Parkplatzsuche, darum, dass man eine marktwirtschaftliche Preisgestaltung einführen könnte. Ein Parkplatz könnte am Sonntagmorgen praktisch gratis sein, am Samstagabend teurer. Weitere Beispiele sind die Mitbestimmung der Bevölkerung auf digitale Weise, das Bezahlen mit Kryptowährungen oder eine persönliche ID für jeden Bürger. Es braucht ein Konzept und jemanden, der die Gesamtverantwortung bei digitalen Fragen übernimmt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.02.2018, 07:29 Uhr

Steckbrief

Andreas Hauri

Geboren 13. Oktober 1966, aufgewachsen in Kloten

Ausbildung Eidg. dipl. Marketingleiter

Berufliche Stationen Leiter Kundenbeziehungsmanagement Privatkunden Zürcher Kantonalbank Leiter Marketing Piatti und Forster Küchen Leiter Marketing DHL Express (Schweiz) AG Geschäftsleiter Küche Schweiz Geschäftsführer KV Bildungsgruppe Schweiz AG


Politische Stationen 2011–2012 Gemeinderat Stadt Zürich Seit 2012 Kantonsrat

Familie 2 erwachsene Kinder, geschieden

Haustier Keines

Auto Kleinwagen (VW)

Vereinsmitgliedschaften Swiss Marketing Kaufmännischer Verband Zürich

Verwaltungsratsmandate Keine

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