Achtung, bei Ihnen droht ein Einbruch

Dank einem speziellen Programm warnt die Aargauer Polizei gezielt vor Einbrechern. Die Zürcher Stadtpolizei hat dieselben Daten zwar auch, gibt sie aber nicht bekannt.

Balkontüren und Fenster stellen für Einbrecher oft kein Hindernis dar.

Balkontüren und Fenster stellen für Einbrecher oft kein Hindernis dar. Bild: Walter Bieri/Keystone

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Die Kantonspolizei Aargau machts vor: Kürzlich warnte sie per Mitteilung vor möglichen Einbrüchen in Wohlen. Was auffiel: Zu der Mitteilung gab es auch einen Kartenausschnitt, auf dem die gefährdete Wohngegend entsprechend markiert war. Dass die Polizei vor Einbrüchen warnt, ist nicht neu, wohl aber, dass sie explizit beschreibt, wo genau ein erhöhtes Einbruchsrisiko besteht und wo die Einbrecher ihr Unwesen treiben.

«Wir haben im Mai angekündigt, dass wir mithilfe der sozialen Medien die Bevölkerung gezielt auf erkennbare Einbruchserien oder besondere Tatvorgehen sensibilisieren wollen», sagt Roland Pfister von der Kantonspolizei Aargau. Solche Hinweise überhaupt möglich macht die Software Precobs (Pre Crime Observation System). Das Programm errechnet aufgrund von Daten aus Einbrüchen in der Vergangenheit die Wahrscheinlichkeit für einen weiteren Einbruch in derselben Gegend in der Gegenwart oder in naher Zukunft.

Beispiel Wettingen: Ein Bild der Precobs-Software.

Was für Laien wie Zauberei klingt, ist für die Polizei eine grosse Hilfe. Die Aargauer setzen aber nicht bloss auf Mitteilungen und geografische Markierungen auf Karten, sondern nutzen die ganze Palette der sozialen Medien. «Wir verschicken auch gezielte Warnhinweise als Push-Nachrichten über unsere eigene App an Smartphonebesitzer», sagt Pfister. Zudem gebe es Sicherheits- und Präventionshinweise auf der Website der Polizei und via Facebook.

Aufmerksamkeit bei der Bevölkerung steigt

Es gibt Kritiker, die bemängeln, dass man mit solch gezielten Meldungen die Angst in der Bevölkerung vor Kriminalität schüre. Dem widerspricht Roland Pfister vehement. «Das Gegenteil ist der Fall. Die Sicherheit steigt. Wir haben festgestellt, dass die Aufmerksamkeit der Bevölkerung viel grösser ist, wenn man gezielt sagt, in welcher Gegend ein erhöhtes Risiko für Einbrüche besteht.» So würden sich die Leute gegenseitig sensibilisieren, der Effekt der Nachbarschaftshilfe spielt.

Angesprochen auf die Praxis in anderen Kantonen sagt er: «Was nützt eine Polizeimeldung, in der mitgeteilt, es komme im Kanton demnächst zu Einbrüchen. Man will doch vielmehr wissen: Wo genau?» Genau deshalb macht es aus seiner Sicht mehr Sinn, die Risikogegenden beim Namen zu nennen. «Precobs liefert uns dazu ja die nötigen Erkenntnisse.»

Für die Kapo Aargau hat es sich gelohnt, verstärkt auf die Einbruchsbekämpfung und Information der Bevölkerung zu setzen. Pfister: «Im vergangenen Jahr verzeichnete der Kanton Aargau über zehn Prozent weniger Einbrüche als noch im Vorjahr.» Precobs befindet sich bei der Kapo Aargau noch in einer Pilotphase. Über die definitive Einführung wird voraussichtlich im Laufe dieses Herbst entschieden.

Einbrüche sinken dank Precobs

Auch die Stadtpolizei Zürich geht mit Precobs auf Einbrecherjagd. Sie führte Ende vergangenen Jahres sogar als erstes Polizeikorps weltweit das Programm fix ein. Dennoch ist ein Unterschied im Umgang mit der Software feststellbar: Die Zürcher Stapo informiert weit zurückhaltender als ihre Kollegen im Aargau. Medienmitteilungen mit Karten, auf denen säuberlich umrissen ist, wo das Risikogebiet genau liegt, gibt es von ihnen nicht.

«Wir kommunizieren unser genaues Vorgehen aus polizeitaktischen Gründen nicht», sagt Marco Bisa von der Stadtpolizei. Stellt man dank Precobs in einem Stadtquartier allerdings ein erhöhtes Einbruchsrisiko fest, verstärkt die Stadtpolizei dort ihre Präsenz und fährt mehr Streife. Bisa: «Zusätzlich bieten wir der Stadtzürcher Bevölkerung auf unserer Beratungsstelle kostenlos individuelle Beratung zum Schutz gegen Einbruchkriminalität an.» Geplant sei diesen Herbst auch wieder eine Präventionskampagne mit anderen Polizeikorps wie in den vergangenen Jahren.

Die Stadtpolizei Zürich ist mit Precobs zufrieden. Die rund 100 000 Franken teure Analysesoftware habe dazu beigetragen, dass die Zahl der Einbrüche in Zürich auf den niedrigsten Stadt seit sechs Jahren gesunken sei, sagte Mediensprecher Marco Cortesi kürzlich gegenüber dem «Tages-Anzeiger».

Keinen Erfolg konnte Precobs bei der Kantonspolizei verbuchen. Dort hat man sich nach Tests gegen das Analysetool entschieden. Die Kapo sucht nach einer Software, die umfangreicher ist und mehr als nur Einbruchsdelikte abbilden kann.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 04.09.2015, 08:57 Uhr

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